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Bauernkapelle Egg - The Farmers Band

Adolf Willi hat mir vor einiger Zeit ein selbstverfasstes Manuskript über die Egger Bauernkapelle zukommen lassen. Einige Auszüge daraus teile ich nun gerne mit euch.


Die Tanzmusik hat in Egg eine lange Tradition.


Die Egger Tanzkapelle aus dem Jahr 1876


Aus dieser Tanzmusik ist der Musikverein Egg entstanden.


Egger Tanzkapelle um 1900.


Der zweite Weltkrieg forderte auch im Musikverein Egg seine Opfer. Diese Lücken wurden nach dem Krieg mit jungen Musikanten aufgefüllt. Somit war der Generationswechsel im Verein vollzogen.


Der Fremdenverkehr keimte auch in unserer Gemeinde wieder langsam auf und die Gäste wollten unterhalten werden. Auch die einheimische Bevölkerung freute sich auf ein paar heitere Stunden nach den Kriegsjahren.


Der junge und dynamische Kapellmeister Leo Weidinger erkannte die Zeichen der Zeit und wollte wieder eine Tanzkapelle. So hat Leo Weidinger im Herbst 1954 einige, ihm geeignete Musikanten in die hintere Stube im Gasthof Taube eingeladen.


Es waren dies Leo Weidinger Akkordeon, Anton Brändle Schlagzeug, Karl Fetz Tenorhorn, Oswald Feurstein Flügelhorn/Trompete, Paul Hammerer Flügelhorn/Trompete, Heinrich Hammerer Bass und Adolf Willi Klarinette.


Man war sich bald einig, dass man zwischendurch auch modernere Tänze und Schlager spielen musste, wenn man den Anforderungen der Zeit gerecht werden wollte. Man darf nicht vergessen, dass damals die sogenannten 'Schieber' bei der älteren Generation als unzüchtige Tänze angesehen wurden.


Das war die Gründung der Bauernkapelle Egg.


Danach wurde fleißig geprobt und schon bald häuften sich die Auftritte. Es kamen sogar Anfragen aus Deutschland und der Schweiz.

Die Höhepunkte waren Einladungen zum Ball der Österreicher nach Berlin, zum Internationalen Fremdenverkehrskongress in die Wiener Hofburg und zur Begleitung eines Sonderzuges der italienischen Telefon- und Telegraphen AG von Tarvis nach Wien, Salzburg und Innsbruck.


Die Bauernkapelle vor dem Abflug nach Berlin.

Der absolute Höhepunkt war aber die Einladung der Österreichischen Hotelplan AG (Reisebüro) zu einer Werbetour nach Großbritannien und Belgien im Jänner 1958.


Leo Weidinger erkannte diese einmalige Chance und hatte in kürzester Zeit die Zusage aller Mitglieder. Dazu gewinnen konnte Leo Weidinger auch den Klarinettisten Ludwig Bertel aus Langenegg, der bei größeren Sachen gerne aushalf.


Natürlich musste man dem Organisator, Herrn Nowosansky von der Hotelplan AG zuerst vorspielen, da neben den Eggern noch eine weitere Kapelle im Rennen war. Neben der musikalischen Bewertung waren sicher auch die rasche Zusage, Pünktlichkeit und Disziplin ausschlaggebend, dass die Wahl auf die Egger Bauernkapelle fiel.


Ehe es soweit war, musste man noch die Schuhplatter- und Trachtengruppe aus Mayrhofen im Zillertal kennen lernen, die auch mit dabei war. Dazu fuhr man am 28.12. 1958 mit dem Zug nach Jenbach, Tirol und von dort mit der Zillertalbahn nach Mayrhofen. Beim Kramerwirt, der Juniorchef war bei der Trachtengruppe, absolvierte man dann einen gemeinsamen Abend vor vielen Gästen. Eine junge deutsche Dame wollte dort Adolf Willi als Schilehrer engagieren.

Am nächsten Morgen ging die Tournee los mit dem Zillertaler Bus. Von Mayrofen fuhr man zurück nach Jenbach, dort wartete schon die Sängerin Hilde Meixner aus Innsbruck und der Organisator. Danach ging die Reise weiter nach Deutschland. Im Bus war es sehr laut und die Egger mussten sich zuerst an das Temperament der Tiroler gewöhnen. Die ganze Nacht wurde durchgefahren bis nach Aachen. Dort gab es eine Frühstückspause. Danach ging es weiter bis nach Oostende in Belgien. Dort gab es ein Abendessen (die Meeresfrüchte sollen nicht allen Eggern geschmeckt haben) und eine Übernachtung.


Am nächsten Morgen ging es auf die Fähre nach Dover. Fasziniert beobachteten alle die Verladung des Busses.

Die Kanalüberfahrt war nicht gerade lustig. Hohen Wellen ließen das Schiff schwanken und einige mussten sich an der Reling übergeben.


Nach einem kurzen Aufenthalt in Dover ging die Reise weiter nach London.

Zur grossen Überraschung erwartete die Egger im Hotel nicht nur 'Gamswirt's Günther' aus Bezau sondern auch ein Telegramm für Leo. Das Telegramm enthielt die Nachricht, dass s'Annele einen gesunden Buben (Christoph) zur Welt brachte. Leo und Adolf teilten sich ein Zimmer und dort wurde dann mit Sekt auf das freudige Ereignis angestossen.


Leo Weidinger liest das Telegramm aus der Heimat vor.


Am nächsten Tag ließ man dann die Eindrücke der großen Stadt auf sich wirken.


Die Tournee Truppe vor dem Buckingham Palace.


Die Stellprobe in der Westminster City Hall lief nicht problemlos ab. Der Handorgler der Tiroler war nicht immer spielbereit, wenn Herr Nowosansky das Zeichen zum Einsatz gab. Es kam zu einem heftigen Wortwechsel und der Handorgler warf schließlich Nowosansky sein Glasauge nach.


Ein interessante Anekdote hat mir Ludwig Bertel erzählt. Eine Stunde vor dem großen Auftritt, sei Herrn Nowosansky eingefallen, man müsse am Anfang die Nationalhymne 'God save the Queen' spielen. Die Truppe kannte die Hymne natürlich nicht und niemand hatte Noten. Ludwig Bertel ließ sich die Hymne von einem Engländer vorsingen und schrieb in aller Eile die Noten für die Musikanten auf einen Schreibblock.


Der Auftritt in der Westminster City Hall wurde damals vom Fernsehsender der BBC live übertragen.


Sängerin Hilde Meixner mit Akkordeon, Tone Brändle mit Gitarre und Ludwig Bertel mit der Zither.


Die Tournee ging weiter in Großbritannien - Bristol, Cardiff, Manchester, New Castle, Bradford und Nottingham wurden besucht. Die Busfahrten durch das Land im Jänner waren eintönig, karg und ausser ein paar Schafen gab es nicht viel zu sehen.


Vorarlberger Nachrichten 22.1.1958


In den Städten ist man in großen Hallen, Sälen, aber auch in methodistischen Liturgieräumen aufgetreten. Die Truppe empfand es als komisch, dass man in einer Kirche musizieren und schuhplatteln darf. Andererseits gab es auch, dass die Tiroler Freunde auf einem Marmortisch in einem First Class Hotel geschuhplattelt haben.


Die Aufführungen waren immer gut besucht. Man wollte Autogramme von den Austrian Boys und speziell Sunnyboy Tone Brändle soll von den jungen Damen umgarnt worden sein.


Danach ging es wieder zurück nach Dover, mit der Fähre nach Oostende und dann nach Brüssel.


Beeindruckend für die Egger Bauernkapelle war das noch nicht ganz fertigestellte Atomium, das für die Weltausstellung (Expo 1958) errichtet wurde.


Auftritt der Bauernkapelle Egg beim Belgischen Fernsehen

Nach drei Wochen traf die Bauernkapelle Egg wieder wohlbehalten in der Heimat ein.


Am Egger Bahnhof bei der Ankunft.

vorne von links: Paul Hammerer, Tone Brändle, Heinrich Hammerer, Ludwig Bertel.

hinten von links: Adolf Willi, Leo Weidinger, Oswald Feurstein, Karl Fetz.


Adolf Willi schreibt: 'Wir haben in den letzten drei Woche so viel Neues und Einmaliges gesehen und erlebt. Und trotzdem das Hereinfahren mit dem Wälderbähnle, die Ankunft in Egg und Löwenwirt's Marie, die uns entgegenkam - das war Heimat, die durch nichts anderes ersetzt werden kann' .


Vorarlberger Nachrichten 30.1.1958











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