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Die Geschichte des Hotel Kanisfluh

Das Gasthaus Kanisfluh zählt zu den jüngeren Gastronomiebetrieben in der Gemeinde Mellau und wurde erst nach dem zweiten Weltkrieg als Pension geführt.


Um 1900 gehörte das Haus Platz 60 Franz Josef Natter. Natter war ab 1900 Geschäftsführer des 1897 gegründeten Lebensmittelbezugsvereines (der spätere Konsumverein) und deshalb wurden die Waren in einem Zimmer des Hinterhauses von Natter angeboten. Im Haus befand sich auch eine Landwirtschaft.

Auf dem Bild zu sehen ist das Gasthaus Adler und dahinter das Haus 60 von Franz Josef Natter. Gut zu sehen ist das ausladende Geschäftslokal (Konsum). Das Rundbogen-Fenster ist das letzte Relikt des großen Dorfbrandes von 1870. Dieses Fenster stammt von der Pfarrkirche. Es konnte gerettet werden und wurde später hier eingebaut.

Auf dem Bild zu sehen ist das Gasthaus Adler und dahinter das Haus 60 von Franz Josef Natter. Gut zu sehen ist das ausladende Geschäftslokal (Konsum). Das Rundbogen-Fenster ist das letzte Relikt des großen Dorfbrandes von 1870. Dieses Fenster stammt von der Pfarrkirche. Es konnte gerettet werden und wurde später hier eingebaut.

In den 20er Jahren kaufte Kaspar Bischofberger das Haus Platz 60. Bischofberger war ein Bruder des damaligen Sonnenwirtes von Mellau, Alois Bischofberger. Kaspar Bischofberger war zweimal verheiratet, beiden Ehen blieben kinderlos. Auch Bischofberger betrieb eine Landwirtschaft.


Bereits 1927 wurden in diesem Haus Zimmer vermietet

(Vorarlberger Landeszeitung 9.6.1927)

1937 heirateten Anton Bischofberger (Sohn des Sonnenwirtes, Alois Bischofberger) und Maria Sutter aus Mellau.

Das Parr konnte das Haus des kinderlosen Onkel Kaspar übernehmen. Anton war Landwirt und Maria machte sich daran, das Haus in eine Pension umzugestalten. Aus der Ehe gingen 4 Kinder hervor: Maria-Elisabeth (Marliese), Josef, Armin und Evelyne.

Vor der Pension Kanisfluh um 1939. Links Maria mit Marliese auf dem Schoß. In der Bildmitte zu sehen Onkel Kaspar mit der 2. Frau Anna.

Ab Anfang der 50er Jahre befand sich im Vorderhaus auch ein kleines Gastlokal für Pensionsgäste und einheimische Passanten.

Man beachte das Namensschild über dem Eingang. Die Türe links vom Stadel führte in das ehemalige Konsumlokal, das nun der Uhrenmacher Nikolaus Kaufmann gepachtet hatte.

Die Kinder wuchsen heran. Vater Anton betrieb mit seinen Söhnen Josef und Armin die Landwirtschaft. Nebenbei arbeiteten beide Söhne als Holzfäller Akkordanten. Die Töchter Marliese und Evelyne halfen der Mutter Maria bei den gastwirtlichen Aufgaben.

1964 wurde das Hinterhaus abgetragen. Ebenerdig entstand ein neues Gastlokal mit Küche und darüber Fremdenzimmer.

1965 wurde der Gasthof Kanisfluh eingeweiht. Auf der Postkarte zu sehen sind die Töchter

Marliese und Evelyne.

Anfänglich war der neue Gasthof bekannt für die Tanzabende mit jungen Tanzkapellen. Diese fanden meist am Sonntagabend statt. In den späten 60er Jahren hatte der Gasthof nicht den allerbesten Ruf. Zu den Stammgästen zählten damals allerhand streitsüchtige Rabauken.


1969 verstarb Vater Anton Bischofberger mit 67 Jahren. Sohn Armin war inzwischen geprüfter Schilehrer und hatte während den Wintermonaten ein Auskommen.

Ab 1971 wurde es immer wahrscheinlicher, dass der langgehegte Traum eines Schigebietes in Mellau zur Realität werden würde. Bisher gab es in Mellau sehr starke Sommer Saisonen und sehr schwache Winter Saisonen. Zu dieser Zeit hatte Schröcken im Winter mehr Nächtigungen wie Mellau.


1972 nahmen in Mellau sehr mutige Gasthausbesitzer sehr teures Geld in die Hand und bauten in den zwei folgenden Jahren ihre Gasthöfe zu Hotels um. Dies waren die Gasthöfe Kreuz, Engel, Kanisfluh und die Pension Hubertus. Der Gasthof Adler wurde bereits 1969 neu eröffnet. Auch der Gasthof Sonne wollte zuerst umbauen, hatte aber mit dem Kauf des Hotel Bären 1964, dem Umbau des Bären 1968 und dem Bau der Tanztenne 1971 noch andere Sorgen. Zudem waren in diesem Jahr alle Gastwirte aufgefordert, in die neue Mellauer Bergbahn zu investieren, um die erforderliche Sperrminorität von 25 ¼ Prozent zu sichern.


Also auch die Familie Anton Bischofberger wagte den Schritt. Der 1964 erbaute Teil blieb als Bestand stehen und das Vorderhaus wurde abgetragen.

Dieses Foto zeigt die Situation im Winter 1972/1973


Im Sommer 1973 war Mellau eine einzige Großbaustelle. Auch die Umfahrungsstraße wurde zu dieser Zeit in Angriff genommen.

Dieses Bild zeigt das Hotel Kanisfluh im Sommer 1973

Alle Hotel Projekte wurden an Weihnachten 1973 zusammen mit der inoffiziellen Eröffnung der Bergbahnen Mellau fertigt gestellt. Alle bis auf das Hotel Kanisfluh. Die Bank verfügte im Sommer 1973 über eine Kreditsperre und sorgt damit für einen Baustopp. Im Altbestand wurde allerdings weiter gewirtet. Erwähnenswert ist, dass Josef Bischofberger als Hotelier zeichnete. Er hatte natürlich keinerlei gastronomische oder betriebswirtschaftliche Erfahrung.

Die erste Wintersaison mit dem neuen Schigebiet verlief äußerst positiv und somit öffnete die Bank auch wieder den Geldfluß, um das Hotel Kanisfluh weiterzubauen.

Im Bild gut zu sehen ist das neue Erdgeschoß, dass sich weiterhin im Rohbau befindet.


Ab jetzt berichte ich in der Gegenwartsform.


Das Hotel Kanisfluh wird am 2.6.1974 eröffnet.


Im Neubau wurden nur die Zimmer und die Hotelhalle fertig gestellt.


Das Konzept der Bank ist einfach. Zimmer vermieten und Geld verdienen. Die Hotel Gäste werden im Altbestand- Restaurant verköstigt. Für einheimische Gäste ist dadurch natürlich kein Platz mehr in der Gaststube. Das Schild ‚Einheimische unerwünscht‘ wird nun rege in der Gemeinde diskutiert und sorgt für allgemeinen Unmut.


Nicht fertig gebaut wurden die Rezeption, die Küche, der Wellness und Fitness Bereich, sowie das neue Hotel Restaurant mit integrierter Hotelbar.

Dieses Bild zeigt Küchenchef Sigi Lehner 1975 in der damaligen Küche. Rechts zu sehen is Knecht Ambros Moosmann.

Josef Bischofberger hat seine deutsche Braut Walburga Schuler (Burgl) geehelicht. Man munkelt in der Gemeinde, dass sie eine namhafte Summe Geld mitbrachte.

Aus dieser Ehe entstammen 2 Kinder, Joachim 1975 und Christine 1979.

Burgl ist eine gute Gastgeberin und für Josef eine große Hilfe.


In den 70er Jahre werden die Anteile am Vorsäß Gopf und an der Alpe Laternser Argen verkauft.

Nach dem schneearmen Winter 1976 entschließen sich zwei der Hauptaktionäre der Bergbahnen Mellau; die Herren Dachs und Schuster, zusammen mit Armin Bischofberger ein Tennis Center in Mellau zu bauen. Armin Bischofberger und sein Onkel Oswald Sutter liefern den Baugrund in der Viehweide, Hinterbündt und die zwei deutschen Aktionäre das nötige Kapital.

Die WCT Anlage wird im Sommer 1976 erstellt um am 2.10.1976 eingeweiht.

Im Dezember 1976 verstirbt Maria- Elisabeth Bischofberger.


Natürlich ist auch Armin Bischofberger ein Quereinsteiger im Tennis Geschäft. Durch harte Arbeit schafft es Armin in relativ kurzer Zeit die Tennisanlage im deutschsprachigen Raum zu etablieren. Die Tennis Schule hat einen sehr guten Ruf und zählt zu den Besten zwischen Zürich und München. Auch ein sehr aktiver Tennis Club entsteht und im Tennis Stüble wird so manches Fest gefeiert.

Das Hotel Kanisfluh wird jetzt mehr und mehr zum Tennis Hotel. Die Buchungslage ist sehr gut mit zahlungskräftigen Gästen und das Hotel Kanisfluh ist das erste Hotel in Mellau, das fast das ganze Jahr geöffnet hat. Mutter Maria blüht auf, sie verwöhnt die Gäste mit ihren Handarbeiten und ihrer Hausmusik mit Gesang.


1979 wird nach dem Ableben von Knecht Ambros Moosmann das landwirtschaftliche Gebäude verkauft. Das Gebäude wird abgetragen, um irgendwo wieder aufgebaut zu werden.


Langsam konnte man sich überlegen, das Hotel endlich fertig zu bauen, um den sehr guten Tennis Gästen einen entsprechenden Standard zu bieten. Aber es sollte anders kommen. Josef lacht sich eine Freundin an und die Ehe mit Burgl wird 1980 geschieden. Josef Bischofberger verlässt Mellau.

Bereits im Herbst 1979 wird Josef Bischofberger zahlungsunfähig und im Jahr 1980 ist Konkurseröffnung.

Die Bank baut nun das Hotel in Eigenregie fertig und setzt ab der Wintersaison 1980/1981 Anni und Gebi Eggler für die Geschäftsführung ein. Gebi als Sohn des Arlberghauses in Zürs ist vermutlich der erste gelernte und fundierte Hotelier in Mellau. Er und seine Frau Anni bringen das jetzt neue Hotel Kanisfluh auch operativ auf Vordermann.


Die einheimischen Gäste werden wieder beworben und es machte wieder Spaß im Kanisfluh einzukehren.

Der neue Restaurantbereich mit Gebi & Anni Eggler links zu sehen.

Mittlerweile gibt es

in Mellau in Winter mehr Nächtigungen als im Sommer. Das Hotel Kanisfluh hat im Spätherbst und Frühjahr Hochsaison und sperrt einen Monat im Frühsommer zu.

1982 kaufen die Tennishallen Aktionäre Dachs und Schuster, sowie Armin Bischofberger das Hotel Kanisfluh im Verhältnis 40/40/20

Im Mai 1983 heiratet Armin Bischofberger seine deutsche Freundin Helga Pfisterer. Diese Ehe bleibt kinderlos. Armin und Helga bauen noch 1983 die Bischofberger Appartements und ziehen dort ein.

Nun gelangt die Tennis Anlage an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Gäste kommen fast ausschließlich vom Hotel Kanisfluh und vom Appartement Haus. Für einheimische Tennis Spieler ist kaum noch Platz. Der Tennis Club wird aufgelöst und eine schöne Zeit ist vorbei. Viele wandern ab nach Bezau ins Hotel Post.

Ab April 1986 werden Andrea und Stefan Müller für die Geschäftsleitung bestellt. Auch sie sind sehr professionelle Gastronomie Fachleute.

1988 kaufen Helga und Armin Bischofberger die Anteile der Herren Dachs und Schuster und sind nun alleinige Eigentümer der Tennis Anlage und des Hotel Kanisfluh.

Die Quereinsteigerin Helga Bischofberger ist nun für das Hotel Kanisfluh verantwortlich und Armin kümmert sich um die Tennis Anlage. Andrea und Stefan Müller verlassen Mellau.


1991 fasst Armin Bischofberger den Entschluss die Tennis Anlage auszubauen. Nach langwierigen Behördengängen wird die Anlage 1993 erweitert. Zu diesem Zeitpunkt ist der Tennisboom


Die neue Anlage wird am 1.10.1993 feierlich eröffnet

Die Geschäfte im Hotel Kanisfluh in den 90er Jahren laufen weiterhin zufriedenstellen. Auch das Hotel erfährt mehrere Sanierungen. Aber natürlich sind die finanziellen Belastungen mittlerweile enorm geworden.

Im März 2003 verstirbt Maria Bischofberger mit 93 Jahren.


Im Jahr 2006 sind Armin Bischofberger und seine Frau Helga insolvent und die Bank wird alleiniger Eigentümer der Tennisanlage und des Hotel Kanisfluh. Auch die Bischofberger Appartements müssen veräußert werden. Die Tennisanlage wird von der Gemeinde gekauft.

2008 kaufen Mag. Gerhard Kaufmann aus Mellau und Margarethe Beer aus Bizau das Hotel

Kanisfluh im Verhältnis 60/40. Bereiche des Hotels werden saniert und das Hotel wird an Weihnachten 2008 neu eröffnet.

2009 und 2010 wird ein Teil der Zimmer umgebaut

2017 wird das Hotel von der Familie Heinz Gorbach aus Mellau gekauft, die bereits 2013 den Gasthof Adler kauften.

Stand Jänner 2021

Dieses Hotel in Verbindung mit der Tennis Anlage war für die touristische Infrastruktur enorm wichtig und hat viel dazu beigetragen, den Bekanntheitsgrad von Mellau zu steigern. Es ist traurig, dass sich der betriebswirtschaftliche Erfolg für Helga und Armin nicht eingestellt hat. Aber es braucht immer Menschen die sich trauen, etwas Neues zu bewegen in einer Gemeinde. Dafür kann man nur DANKE sagen.

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