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Wenn Wäldar eine Reise tun....

Im Spätsommer 1988 machten wir mit der Royal Viking Star 14-tägige Alaska Kreuzfahrten von Vancouver, Kanada aus nach Alaska, USA und zurück nach Vancouver, Kanada.



Ich war damals Hotel Direktor auf der Royal Viking Star und machte von meinem Privileg Gebrauch, Familie und Freunde einzuladen.



So lud ich meinen damals 17-jährigen Bruder Gerhard und meinen guten Freund und ehemaligen Lehrherrn Tone Matt vom Gasthof Adler in Mellau ein.


Wie man weiß, ist Tone sehr belesen und er hatte sich sicherlich gut informiert, bevor die Reise los ging. Wie man auch weiß, nimmt es Tone mit dem Dress Code nicht ganz so genau. Der Dress Code an Bord war bei uns sehr streng. CASUAL mit Hemd und Hose war immer am ersten und letzten Tag der Reise, FORMAL mit Smoking oder zumindest schwarzem Anzug war bei dieser Reise 4 mal, ansonsten war der Dress Code INFORMAL mit Sacco und Krawatte.

Also gingen Tone und seine Frau Machteld zuerst einmal shoppen, bevor die Reise los ging.

Die Flüge von München über Frankfurt und dann direkt nach Vancouver hin und retour waren gebucht. Machteld brachte die beiden Weltenbummler zum Flughafen und los ging die Reise. Damals gab es natürlich noch eine Smoking Section im Flugzeug, was Tone sicherlich honorierte.


In Vancouver buchte ich ein Hotelzimmer für die beiden Herren im Abbodsford Hotel, um am folgenden Tag auf der Royal Viking Star einzusteigen.


Nach dem Check-in im Hotel musste man natürlich sofort das Gastown Vergnügungsviertel unsicher machen. Tone war exotischen kulinarischen Genüssen offen, mein Bruder hingegen gehörte zur Kategorie 'Na m hoakle sin kunnt nix meh'. Tone versuchte ihm mehrmals zu bekehren, erfolglos.


Es dauerte natürlich nicht lange. Bis die beiden Wälder das Lamplighter Pub entdeckten.



Am folgenden Morgen checkte man im Hotel aus und machte sich mit grosser Vorfreude auf Richtung Canada Place, wo unser Schiff erwartet wurde. Dort erfuhren sie, dass das Schiff erst morgen ankommen würden. Die Herren hatten die Zeitverschiebung nicht einkalkuliert.


So gingen sie wieder zurück zum Hotel und konnten im selben Zimmer wieder einchecken. Nun hatte man einen ganzen Tag und eine ganze Nacht um Vancouver kennenzulernen.


Als Tone für den Lunch das Restaurant 'Mongolian Food Experience' vorschlug, streikte Gerhard. Man einigte sich auf ein anderes Restaurant.



Als sie am nächsten Morgen auscheckten, fragte der Rezeptionist, ob er das Zimmer behalten solle, für den Fall, dass sie noch einmal zurück kommen würden. Das war nicht nötig, denn die Royal Viking Star hatte termingerecht um 8:00 Uhr angelegt.


Vancouver Cruise Terminal Canada Place.



Es war schön, meinen Bruder und meinen Freund Tone wiederzusehen. Auch mein Bruder Norbert war auf dem Schiff. Er arbeitete damals im Galaxy Nightclub als Bar Keeper.


Unsere beiden Hostessen, Ich, Tone, Gerhard und Norbert.


Der Empfang in der Kabine.



Wir liefen pünktlich um 18:00 Uhr mit einem vollbeladenen Schiff aus. 720 Passagiere und 420 Crew.



Nach einem gemütlichen Abendessen an meinem Tisch ging ich zumindest zu Bett. Ich hatte einen strengen Tag hinter mir, wie immer an den Turn-around Tagen.



Am folgenden Tag fuhren wir die Inside Passage zwischen Vancouver Island und dem Festland Richtung Alaska hoch.


Tone war fasziniert von den nicht aufhören wollenden Wäldern. Er borgte sich auf der Brücke ein Fernglas, danach sass er stundenweise auf dem offen Deck und betrachte die Wälder. Sein Spruch war immer 'dau künnt ma holzo'.



An diesem Abend war die erste Formal Night. Captain's Welcome Party und Welcome Dinner waren angesagt. Nun warte ich gespannt auf Tone's neuen Anzug.



Nicht schlecht, bis auf die Schuhe, aber man kann ja bekanntlich nicht alles haben.



Captain Vebenstadt, Hostess Carrie Salutos, Cruise Director Ron Marriott und Ich.



Beim Welcome Dinner verschmähte Gerhard Austern, Kaviar, Gänseleber und den Hummer und stieg auf Proletarier Kost um.




Nach dem Besuch der Broadway Show in der Bergen Lounge musste man noch auf einen Sprung in den Galaxy Club. Norbert wartete schon an der Bar.



Es dauerte nicht lange, bis Tone mit einem Herrn anfing zu sprechen, der den weltlichen Genüssen auch nicht abgeneigt schien. Es handelte sich um den Dean der Harvard University, der mit Vornamen Antony hieß. Er sprach gebrochen Deutsch und für den Rest der Reise, trafen sich die beiden Namensbrüder regelmäßig im Night Club an der Bar.



Am nächsten Morgen erreichten wir Ketchikan, Alaska


Ich wollte die Beiden aufwecken, da ich sie nirgends beim Frühstück entdeckt habe.

Im Gang auf dem Promenade Deck traf ich ihre schwedische Stewardess. Sie sagte mir es sei noch sehr still in der Kabine.



In der unmittelbaren Nachbarschaft wohne eine Familie aus Singapur mit zwei hübschen Töchtern in einer grossen Suite. Die Stewardess erzählte mir, dass sich Gerhard bereits nach den 'two little sweet Chinese girls' erkundigt habe.



Nach einem gemütlichen Tag auf See mit Wälder anschauen, erreichten wir am nächsten Tag die Hauptstadt Juneau.



Die russisch-orthodoxe Kirche in Juneau.


Die Amerikaner kauften 1867 den Russen Alaska und das benachbarte Yukon Territorium um 7,2 Millionen Dollar ab.


Am späten Nachmittag wurde der berühmte Red Dog Saloon besucht.




Im Red Dog Saloon mit Schiffskollegen.




Ein tolles Video.


Um 22:00 Uhr sind wir ausgelaufen in Richtung Glacier Bay.



Noch kurz eine Erklärung zu den Piers in Alaska. Alaskas hat einen der höchsten Gezeiten Unterschiede, weltweit. Die Differenz zwischen Ebbe und Flut beträgt 14 Meter.


Alle Kreuzfahrtschiffe haben die variable Hauptgangway auf Deck 5 und eine Behelfsgangway auf Deck 3, direkt auf der Wasseroberfläche.


In Alaska brauchen die Schiffe eine sogenannte Alaska Gangway auf Deck 7. Am Morgen bei Niedrigwasser steigt man auf Deck 7 aus und am Abend kommt man gerade noch auf Deck 3 zurück an Bord.


Die Pier von Juneau Alaska heute.


Die Höhe der Tide hängt ab von der Position von Sonne und Mond, sowie geographischen Beschaffenheiten der Küstenlinie und permanenten Windströmungen.


Wenn ich dieses Bild anschaue kommen mir noch zwei Begebenheiten in den Sinn.



Die alte Pier in Juneau sah eigentlich ähnlich aus, nur dass darauf nur eine kleine Holzhütte stand. Kapitän Vebenstadt machte hier einmal ein Anlegemanöver mit der Royal Viking Star. Dabei vergass er, die Stabilizers (Stabilisierungsflossen) einzufahren und mähte damit einen Teil der Pier ab.


Einmal machte hier Kapitän Odd Ström eine Anlegemanöver mit der Royal Viking Sea. Als die Anlegetaue mit der Pier verbunden waren, startete man die Tauwinden. Normalerweise zieht man so mit Hilfe der Seitenpropellern das Schiff langsam seitlich zur Pier. In diesem Fall zog man die Pier zum Schiff.

Ich sehe heute noch die zusammenfallende kleine Holzhütte auf der Pier. Wir mussten damals vor Anker gehen und die Gäste mit den Tender Booten an Land bringen.


Danach wurde die neue Pier gebaut, die heute noch Bestand hat.



Glacier Bay.


Nach alter Tradition wurde in Glacier Bay ein Rettungsboot gewassert um einen gehörigen Klumpen Eis zu holen.


Danach servierte man mit diesem Gletscher Eis die Drinks an den offenen Decks.




Shore Excursion Manager John Bender, Concierge Lena Wickström, Ich, Executive Housekeeper Bruni Amann.


Wir hatten auf dieser Reise eine Damengruppe aus Hawaii an Bord. Die Damen waren alle 60 Plus und hielten sich abends oft im Night Club auf. Verzweifelt versuchten sie, den notorischen Nichttänzer Tone auf die Tanzfläche zu bewegen. Für Tone war es der 'Hawaiianische Wiebr Keglklub'.


Am nächsten Tag waren wir auf See in Richtung Anchorage.


Tone war tagsüber immer mit seiner Birkenstock Bereifung unterwegs. Mehrmals sprachen in amerikanische Passagiere auf sein Schuhwerk an. Einige Jahre später konnte man Birkenstock auch in den USA bekommen, aber nur in ausgesuchten, teuren Geschäften.

Der Adlerwirt war also auch ein Trendsetter.


An diesem Abend ließen wir uns das Dinner von unserem Penthouse Butler in meine kleine Wohnung auf dem Bridge Deck servieren.




Um 8:00 Uhr legten wir in Anchorage an. Mit Anchorage hatten wir den nördlichsten Punkt unserer Kreuzfahrt erreicht.



Anchorage


Stadtbummel in Anchorage.


In einem Garten sind mir die riesigen Krautköpfe aufgefallen mit einem Durchmesser von 30 bis 40 cm. Ich ging in einen Blumengeschäft und wollte Samen kaufen. Die Verkäuferin hat mich aufgeklärt. Durch die vielen Sonnenstunden (Mitternachtssonne) in diesen Breitengraden im Sommer wurden das Kraut einfach größer.


Nun ging es wieder weiter in südlicher Richtung.


Tone war regelmäßiger Besucher im Galaxy Club und meistens schloß er zusammen mit meinem Bruder Norbert die Bar.


Einmal gingen die Beiden danach noch in die Crew Bar. Dort fragte ein Koch Tone, ob er der neue Supervisor sei.

Supervisor war damals Daniel Durand, der in seinem Büro in San Francisco das kulinarische Programm der Flotte unter sich hatte. Er war oft auf den Schiffen, um neue Menüs zu implementieren.

Tone meinte, er wisse zwar nicht was das sei, aber vermutlich schon. Der Koch meinte, einen so lässigen Supervisor hätten sie überhaupt noch nie gehabt.


Der nächste Halt war in Sitka, die alten Hauptstadt, als Alaska noch zu Russland gehörte.


In Sitka geht man immer vor Anker und fährt mit den Tender Booten zur Anlegestation.





Sitka.



Um 18:00 Uhr sind wir ausgelaufen.


Am nächsten Morgen standen wir vor dem mächtigen Hubbard Gletscher.


Die Einfahrt.




Wie nahe man an die Gletscher heranfuhr, kam immer auf den Kapitän an. Der verwegenste war sicher Walter Holst auf der Royal Viking Sea. Wir waren damals so nahe am Gletscher, dass ich am danebenliegenden Felsen mit freien Auge die Eier in einem Vogelgelege erkennen konnte.



Drei Engel für Charlie.



Am nächsten Morgen legten wir im kleinen Goldgräberstädtchen Skagway an.



Am Hafeneingang haben sich hier am Felsen viele der Kreuzfahrtschiffe verewigt.



Bei meiner ersten Alaska Kreuzfahrt 1984 auf der Royal Viking Star wollten wir uns hier auf verewigen. Der Boatswain (Chef der Matrosen) Papa Gonzales suchte Freiwillige, die ihm halfen unser Logo anzubringen. Aber für uns als beste Kreuzfahrt Linie der Welt musste es schon etwas Besonderes sein.


Das kurze Video habe ich im Jahr 2000 gemacht, als ich mit der Seven Seas Navigator in Skagway war. Es zeigt die Geschichte der mir bekannten Logos auf dem Felsen.



Ich bin 1984 im Herbst nach meinem 2. Vertrag mit Royal Viking Line in Juneau ausgestiegen. Damals war es üblich, dass man das nötige Sackgeld alle zwei Wochen beim Pay-out an Bord holen konnte. Die übrige Heuer gab es dann beim Verlassen des Schiffes entweder in bar oder in Traveller Cheques. Ich bevorzugte Bares. Ich übernachtete in einem kleinen Hotel in Juneau. Da ich am Abend in den Red Dog Saloon wollte, versteckte ich mein Geld im Spülkasten der Toilette. Es waren damals doch umgerechnet ca. 200.000,- Schilling. Am folgenden Morgen ging ich mit dem Geld und einem gehörigen 'Hang Over' zum Flughafen.


Von hier aus machten die Passagiere die Tour mit der Eisenbahn zum White Pass.




Wir gingen lieber in den Red Onion Saloon.



In der Goldgräberzeit um 1900 war der Red Onion Saloon ein bekanntes Freudenhaus.





Um 18:00 Uhr sind wir ausgelaufen.


Als ich ich im Jahr 2000 mit der Seven Seas Navigator im in Skagway war, stand ich beim Auslaufen auf dem Oberdeck. Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen. Da stolzierte ein ausgewachsener Grizzley Bär mit aufrechtem Gang neben uns auf dem Eisenbahngeleise daher.


Wir sagen Alaska Good Bye, denn nun geht es zurück nach British Columbia, Kanada.



Am nächsten Tag waren wir auf See. Am Abend musste sich Tone noch ein letztes Mal in seinen Anzug zwängen für die Captain's Farewell Night.


Gerhard und ich.


Mit Food & Beverage Manager Frans van Walle.



Am letzten Tag erreichten wir das hübsche Städtchen Victoria in Kanada.


Hafen von Victoria.


Eine unserer angebotenen Tours war die British Tea Time im Express Hotel. Ich kenne kein edleres Tea Time Setup wie jenes im Empress in Victoria.




Um 17:00 Uhr sind wir ausgelaufen. Nun ging es ans Koffer packen für Tone und Gerhard. Die Koffer mussten ja vor Mitternacht vor der Kabinen Türe stehen, um eingesammelt zu werden.


Nach einem letzten gemeinsamen Abendessen und ein paar Drinks bei Norbert im Galaxy Club ging man zu Bett.



Am nächsten Morgen standen wir noch gemeinsam an Deck als Vancouver in Sichtweite war.




Gemeinsames Abschiedsessen am Mittag in der Spaghetti Factory in Gastown.


Tone Matt, die drei Riezler Buben und eine Kollege von Norbert.


Übernachtet wurde noch einmal im Abbotsford Hotel in Vancouver.


Am nächsten Morgen ging es zurück in die Heimat.


Wie immer kommt das Schönste zum Schluß.


Unser Vater war auserkoren, die Jungs vom Flughafen in München abzuholen. Nur von Tone und Gerhard war nichts zu sehen. Mein Vater fragte nach und es wurde ihm gesagt, dass der Flug erst morgen kommen würde. Nun wurde es klar, dass man schon wieder mit der Zeitverschiebung ein Problem hatte. Der doppelte Tag in Vancouver hatte nun natürlich gefehlt.


Mein Vater wollte nicht mehr nach Hause fahren und übernachtete im Auto in der Tiefgarage im Flughafen. Wenn Wäldar eine Reise tun...........?





















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