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Bezau und die Tabak Regie

Das Tabakrauchen sollen die schwedischen Truppen 1647 in Vorarlberg eingeführt haben. Besonders beliebt im Bregenzerwald war allerdings der Kautabak oder Fräaßtabak.


Das Tabakvergüngen war damals hauptsächlich den Männern vorbehalten, mit Ausnahme der Walser Gemeinden. Dort haben die Frauen meist lange Pfeifen geraucht.


Bereits 1698 reagierte der Landammann mit Empfehlungen, Einschränkungen und Verboten auf den Tabakmissbrauch. Auch das Fressen und Kiffen von Kautabak in der Kirche wurde verboten.


Wohl kaum einer würde vermuten, dass die Tabak Regie einen Bezug in den Bregenzerwald hat.


Der Bezauer Unternehmer Josef Feuerstein betrieb eine Musselin- und Baumwollwaren Manufaktur und stammte aus der damals im Bregenzerwald fast allmächtigen Feuerstein Dynastie.


1811 richtete er an das Königlich- Bayrische Landgericht ein Ansuchen um Bewilligung einer Erzeugung von Kau- und Schnupftabak. 6 bis 8 Knaben waren im Unternehmen beschäftigt.

Zuerst kaufte Feuerstein Tabaksamen in der Pfalz, die wollten aber in Bezau nicht gedeihen.

Die Tabak Blätter mussten aus dem Elsass, der Pfalz und später aus Frastanz eingeführt werden.


Anfänglich mochten die Bregenzerwälder den Kautabak aus Bezau nicht. Der findige Feuerstein hat danach an der Rezeptur getüftelt, bis es passte. Aus dem Abfall machte man Schnupftabak.


Der Kautabak wurde in Holzkübeln (Bakkübel) in einer Beize eingelegt und auch so transportiert.



Daher stammt auch der Übernamen der Bezauer: Kübeldreiar, Dreckvrseiar.


Vorarlberger Landeszeitung 1.4.1871


Nach Feuerstein's Tod wurde die Tabak Manufaktur von seiner Frau Elisabeth im Haus Nr. 41 weiter betrieben. Nach dem Tod der Mutter 1828 verkauften die Kinder die damals streng gehütete Rezeptur des Kautabakes an die neue gegründete Österreichische Tabakregie um eine jährliche Rente von 300 Gulden.


Das Feuersteinsche Geheimrezept für Kautabak.



Mit Einführung der Tabak Regie gab es in den Ortschaften Verkaufsstellen in Handlungen und ausgesuchten Gasthäusern. Die Abholstation für alle Tabakwarenverkäufer im Bregenzerwald befand sich weiterhin in Bezau.



Als ich Bub war stand in fast jedem Haushalt eine sogenannte Schpiegebso oder Schpietrucho, meist neben dem Kanapee. Das war eine Holzkiste 30 x 30 cm mit 10 cm Höhe und einem langen Griff, damit man das Teil im Stehen bewegen konnte. Die Kiste war gefüllt mit Sägemehl. Dorthinein spuckten die 'Röllelefräaßar' in unregelmäßigen Abständen ihren kohlschwarzen 'Schpöuz'.


In der Egger Pfarrkirche war die letzte Männerbank (auch auf der Empore) 'dr Schpiebonk'.


In Mellau soll man vor dem Kirchgang den benutzen Kautabak (Schub) auf der Friedhofsmauer zwischengelagert haben, bis die Messe aus war. Hoffentlich hat jeder wieder seinen 'Schub' erwischt. Nicht auszudenken in der heutigen Corona Zeit.


'A Röllele Bak', später gab es auch noch Stäble.



Während des 1. Weltkrieges war das Verlangen nach Tabak gross, daheim und an der Front.


Gemeindeblatt 27.4.1915


Mein Sähle hat erzählt, dass man zuhause in Andelsbuch Tabak angebaut habe. Man hatte die Blätter über dem Kachelofen and der 'Schälestang' zum Trocken aufgehängt.


Vorarlberger Wacht, 26.10.1916


Auch eine Variante.

Gemeindeblatt 6.10.1918



Khedive in der Blechdose ab 1919, 25 Stück.


Hiram in der Blechdose 1920er Jahre, 2 x 100 Stück.


Sport in der Blechdose 1930er Jahre, 100 Stück.


Rosenkavalier in der Pappkappenschachtel 1930er Jahre, 25 Zigaretten


Memphis in der Blechdose 1930er Jahre, 48 Stück.


Milde Sorte in der Blechdose 1930er Jahre, 50 Stück.


Nil in der Blechdose 1930er Jahre, 25 Stück


Diese Packung wurde 1934 für den Kinohit 'Der Trafikant' angefertigt.



Auch während des 2. Weltkrieges und danach war Tabak abermals Mangelware. Albert Matt, der spätere Adlerwirt aus Mellau war anerkannter Kettenraucher. Er hatte noch in den späten 50er Jahren immer eine kleine Blechdose in der Hosentasche, wo er die ausgedrückten Zigarettenstumpen hineintat. Aus genügend Stumpen konnte man wieder eine drehen.


Dritte Sorte um 1940, Schachtel mit 24 Stück.


Regie 4 um 1940, Schachtel mit 24 Stück.


Nach dem 2. Weltkrieg wurden in Österreich die Tabak Trafiken eingeführt. Ziel war es Kriegsversehrten, Kriegerwitwen und verarmten Beamten ein Auskommen zu bieten.



Der Bregenzerwälder Tabak Hauptverlag befand sich bei Wendelin Moosbrugger in Bezau (im Haus wo heute Kebaps angeboten werden). Dort mussten alle hin, die Tabak Waren verkauften im Bregenzerwald.


Dames in der Blechdose 1950er Jahre, 100 Stück.


Wenn mein Ähne zu uns auf den Bühel in Egg zu Besuch kam, schickte er mich zum Jöslar nach Andelsbuch, um 2 Stück 'Zwoaro' zu holen. Damals hat man die Zigaretten noch einzeln kaufen können. Sie waren in 200er Schachteln verpackt. Undenkbar heute, dass man wegen 2 Zigaretten einen 3/4 stündigen Fussmarsch in Kauf nehmen würde.


Man muss sich schon fragen, ob es wohl auch einmal 'Oasara' gab.



Ende der 1950er Jahre mit dem aufkeimenden Fremdenverkehr nahm die Austria Tabak Regie auch internationale Marken in das Sortiment auf. Die Print- Radio- und Fernsehwerbung war damals sehr verlockend.


Anfänglich gab es in den Trafiken nur Tabak Produkte, Brief- und Stempelmarken. Später wurde das Sortiment um Zeitungen, Magazine etc. erweitert.



Mein Vater war Pfeifenraucher, er hat seine Pfeife warm und kalt geraucht. Ich erinnere mich an den in hellbraunem Packpapier erhältlichen Landtabak.



Zwei gängige Zigarrensorten in meiner Kindheit.




Ab 1968 befand sich die Tabak Hauptverlagstelle im neuen Postgebäude in Bezau (dort wo Rechtsanwalt Hanspeter Türschter sein Büro hatte). Erst ab 1980 wurden die Tabak Waren dann direkt von der Tabak Regie Stelle in Feldkirch mit dem Büssle zugestellt.


1976 war ich beim Bundesheer. Der Tagessold war 10 Schilling. Eine Schachtel Marlboro kostete auch 10 Schilling.


Während meiner Lehrzeit im Gasthof Adler in Mellau musste ich wöchentlich die Zigaretten im Engel holen und danach den Zigarettenautomat befüllen. Ich hatte immer 'Schpuntis' vor Leo Simma mit seinen Holzbeinen. Meist brauchten wir pro Woche zwei Bananenschachteln voll Stangen Zigaretten.


Ich möchte mich ganz herzlich bei Frau Mag. Elisabeth Wicke, Mellau für die historischen Daten der Familie Feuerstein und bei Erwin Feldkircher, Bezau für die Information über die Standorte der Tabak Verlagstellen in Bezau bedanken.




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