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d' Strubobuobo, die erste Boygroup im Bregenzerwald


Schon seit geraumer Zeit wollte ich die Geschichte der Strubobuobo festhalten. Als ich das Projekt über die Tanzkapellen aus dem Bregenzerwald in Angriff nahm, wurden die Strubobuobo natürlich gewürdigt. Dr. Heinz Schwarzmann und Didi Geiger waren damals bei der Eröffnung der Egg Museum Ausstellung im Löwensaal in Egg anwesend.


Nun kann ich endlich mit diesem Blog die Hintergründe der Band beleuchten, die damaligen Konflikte und Kontroversen mit der katholischen Kirche darstellen und hoffentlich den Band Mitgliedern und ihren Fans eine Freude machen



Den folgenden Text hat zum Großteil dankenswerterweise Kurt Schwarzmann, Bezau geschrieben und mir zur Verfügung gestellt.



Die Entstehung der Formation begann schon Anfang der 60iger Jahren im Internat Marianum in Bregenz, wo Heinz, Didi und Kurt alle aus Bezau, das Gymnasium besuchten. Heinz lernte an der Musikschule Handorgel, Didi Trompete und Kurt Klarinette. (alle ca. 11 bis 13 Jahre alt).



Das Marianum durchlief einen ständigen Bauprozess in den 60er Jahre. Zuerst wurde die Unterstufe festgestellt, dann die Oberstufe und zuletzt die Kapelle.


Auf diesem Bild aus dem Jahr 1963 war Bischof Bruno Wechner zu Besuch.


1968 wurde der Vorarlberger Anteil von der Diözese Innsbruck-Feldkirch abgetrennt und für das Bundesland Vorarlberg eine eigene Diözese Feldkirch errichtet. Deshalb wurde auch das Marianum erst 1968 offiziell eingeweiht.



Doch das war denen zu wenig. Heinz träumte immer von einer coolen Band. In den Ferien halfen die Schwarzmann Buben zuerst beim Gottle Rosa v.d.Thannen im Rössle in Ittensberg, später waren sie Briefträger in Bezau. Didi war in den Sommermonaten zuerst in der Teppichfabrik in Mellau, dann Bademeister in Bezau. Mit dem verdienten Geld konnten weiterer Instrumente gekauft werden und die Buben bastelten eine Verstärkeranlage zusammen.




Autodidakt erlernte Heinz Gitarre, Didi Schlagzeug und Kurt Bass. Um auch im Internat üben zu können, spielten sie neben Schlagern auch Lieder für sogenannte 'Jazzmessen'. So durften sie im Marianum auch die Hl. Messe musikalisch begleiten.


Natürlich wurde bei diesen Messen kein Jazz gespielt. Vielmehr erlebten die alten Gospelsongs aus den 1920er Jahren in den USA in den 1960er Jahren ein Revival und wurden auch bei uns bekannt. War es keine Sakralmusik in der Kirche , war es eben Jazz.


Leider gibt es keine aufgenommenen Titel der Strubobuobo, deshalb werde ich die Hits aus dem 'Stücklebüachle' der Strubobuobo im Original einspielen.

Ursprünglich hieß die neue Band übrigens 'The Deans'


Hier kommen zwei Titel, die die Deans bei den 'Jazzmessen' spielten.


Alle Musiktitel, die ich eingebaut habe, wurden auch von den Strubobuobo gespielt. Einfach anklicken und weiterschmökern.



Das sprach sich herum und Präfekt und Erzieher empfahlen die Band in andere Pfarren, wie brav diese Buben seien und wie schön es doch in diesem sehr konservativen Internat zu leben sei. Es wurde eigentlich von Bischof Bruno Wechner ins Leben gerufen, um Priester hervorzubringen.


Die Deans mit einem weiteren Marianer (links) bei einer Faschingsveranstaltung im Marianum.



Die Marianer wurden eigentlich von allen weltlichen Einflüssen strikt abgeschirmt. Heimfahrtsmöglichkeiten gab es nur zu Allerheiligen, Weihnachtsferien, Fasching Sonntag, Ostern, Pfingsten und zu den großen Ferien.


Die musikalische Begleitung der HL. Messen wurde immer perfekter und so spielten die Deans auch in der Stadtpfarrkirche St. Gallus in Bregenz vor viele Kirchenbesuchern.


So kam es auch den Mädchen im streng behüteten Mädchenpensionat in der Nachbarschaft des Marianums zu Ohren und bedrängten die Schwestern, auch einmal eine Jazzmesse in deren Internat feiern zu dürfen.


Kurzum, die Boy-Group wurde eingeladen, im wohlbehüteten Mädchenpensionat eine Jazzmesse zu gestalten. Samstag Abend sollte mit den Mädchen geprobt und sonntags Messe gefeiert werden. Diese Einladung war natürlich für die hormongeladenen Jungmusiker ein besonderes Ereignis. Wie vereinbart marschierten die Jazzer zur eisernen Pforte und wurden in die geheimnisvollen Gärten des Klosters eingelassen. In der klostereigenen Kirche bauten die Jungstars die Anlage auf, stimmten die Instrumente und absolvierten eine Klangprobe, aber ohne jungfräuliches Publikum.



Die Erzieher des bischöflichen Knabenkonvikts Marianum hatten mit den Erzieherinnen des Internats Marienberg einen perfiden Plan ausgeheckt.


Denn nach absolvierter Klangprobe erschien Schwester Oberin mit eine Handvoll holder Mädchen, bat die Musiker, denen die Bedienung der Anlage zu erklären. Dann erläuterte diese den hoffnungsvollen Boys, sie hätten genug eigenes Personal, das die Instrumente bespielen und Anlage bedienen könnte, um die Jazzmesse am Sonntag alleine zu feiern. Die Anlage und Instrumente könnten sonntags wieder abgeholt werden.


Enttäuscht mussten die Musiker abziehen.


Doch am Sonntag, bei Abholung des Instrumentariums, benebelte der Heiliger Geist die Aufpasser beider Internate. Ganze Mädchchenschaften durften helfen, die Instrumente sowie die Anlage zur Pforte zu tragen. Die helfenden Hände schlugen einen anderen Weg ein, als den direkten. An diesem Weg stand ein einsames Gebets- oder Lusthäuschen – unversperrt!


Natürlich als erster, Didi, ließ die große Trommel liegen und verschwand mit einigen der Trägerinnen im Häuschen. Wie viele Küsschen dann getauscht wurden, ist nur dem heiligen Geist bekannt – aber für die Boygroup doch noch einen Genugtuung.



1966


Im Sommer 1966 trat Johnny Wüstner, Bezau der Band bei. Die Familie von Hans Wüstner aus Mellau war erst kurz zuvor von Mellau nach Bezau gezogen. Johnny spielte E-Gitarre und war natürlich eine Bereicherung für die Band.


Nun hatte man eine Original Beatles Besetzung mit 2 Gitarren, Bass und Schlagzeug.



Tony Sheridan hatte 1961 in Hamburg mit verschiedenen Bands gespielt. Daraus ist auch dieser Titel entstanden, mit den Beatles (damals noch Beat Brothers) als Begleitband. Dieser Titel schaffte es in die deutschen Hitparade und kam bis auf Platz 4 vor. Die Beatles kamen erst 1962 in die Britischen Charts mit ihrem ersten Hit 'Love me do'.




In diesem Sommer durften die Deans bei einem Sommerfest der Feriensippe Silva Brigantina bei der Bezegg Sul die Gäste unterhalten. Anwesen war auch Deutsch Professor Dr. Artur Schwarz, der im Gymnasium an der Gallusstraße in Bregenz unterrichtete. Schwarz schrieb damals Kolumnen für das Volksblatt.

Er erwähnte die Band sehr lobenswert in seinem Zeitungsartikel, bemängelte aber den englischen Namen 'The Deans'.


Die Mama Schwarzmann schnitt den Artikel aus und gab ihn den Buben.

Die Band durfte damals im Keller im Hause Schwarzmann proben, wo man auch eine kleine Bar eingerichtet hatte. Nun wurde diskutiert, ob man den Namen ändern solle. Scheinbar soll Didi gesagt haben 'dann können wir uns ja gleich Strubobuobo nennen. Band Leader Heinz sagte sofort, genau so werden wir ab sofort heissen.


Das Art Work für das Schlagzeug und die Medien hat Heinz entworfen und produziert.




Nun spielten die 4 Strubobuobo bei verschiedenen Tänzen auf. Heinz, Didi, Kurt und Jonny.



Aber nur für kurze Zeit. Bertram Wüstner, der ältere Bruder von Jonny, meinte, hier muss eine richtige Anlage her und konnte Heinz überreden, eine gebrauchte Echolette- Verstärkeranlge im Musikhaus Hinteregger zu kaufen. Er habe Schilling 4.000.- für die Anzahlung. Die gebrauchte Anlage kostete nämlich Schilling 34.000.-, gleich viel wie damals ein neuer VW Käfer.


Durch besondere Umstände verkleinerte sich die Anzahlung auf nur Schilling 400.-. Diese Echolette war damals die Traumanlage jedes Musikers, auf dieser spielten nämlich auch die Beatles. Fa. Hinteregger erkundigte sich dann beim Vater der Gebrüder Schwarzmann Tierarzt Dr. Heinrich Schwarzmann, ob er die finanzielle Ausfallshaftung tragen würde, der dieser großzügig zustimmte.


Dieser Deal war dann Kurt doch zu heiß und übergab Bertram seine Bassgitarre. Er wollte sehen, ob dieser die Raten für die Echolette einspielen konnte. Kurt setzte für 2 Jahre bei der Band aus.


Bertram war zu dieser Zeit Gerichtsschreiber beim Bezirksgericht in Bezau.



Nun brauchte man noch eine Montur. Diese schneiderte Anton Moosbrugger, Bezau (heute Dirndlwerkstatt Moosbrugger).


Da Johnny eine Lehre bei Foto Hiller in Bezau anfing, wurden auch gleich Foto Karten für die Fans gemacht.


Die Welt stand nun offen und man konnte die Verfolgungsjagd mit den Beatles aufnehmen.



Die Vier Strubobuobo.


Didi Geiger, Heinz Schwarzmann, Bertram Wüstner und Johnny Wüstner.




Gespielt wurde in der schulfreien Zeit, da die Buben ja ansonsten im Internat in Bregenz waren.


Einer der ersten Auftritte war beim Gottle im Rössle in Ittensberg, Egg.



Großdorfer und -Innen erinnern sich noch heute an diesen denkwürdigen Auftritt.

Spätesten bei Wooly Bully und Balla Balla tobte das tanzwütige Publikum. Der Tanzboden löste verdächtige Vibrationen aus und schon bald fielen Willi's Heiligenfiguren vom Sims.




Heinz spielte damals beide Titel mit der Ziehharmonika und der Blasebalg war dem Bersten nahe.



Da die Strubobuobo auch am folgenden Abend spielten, wurde im darunter liegenden Stadel der Saal mit 'Fleckenstümpen und Stieparn' verstärkt.



Das Repertoire konnte sich damals schon sehen und hören lassen. Man spielte die gängigen Stückle der Oberkrainer, die Klassiker der Kernbuam, die neuesten Schlager und internationalen Hitapradenhits. Beliebt war auch die Strubobuobo Version des Donauwalzers.


Von den anfänglichen Gesamtgage von 600,- ÖS behielten die Jungs nur 50,- pro Mann, mit dem Rest wurde laufend die gekaufte Anlage herunter gestottert.



Der Fotograf Willi Hollenstein, der damals bei Foto Hiller arbeitete, machte dieses geniale Bild.


Schon bald wurden die Strubobuobo die Hausband im Gasthof Engel in Reuthe bei der Familie Hirtreiter.



Die Instrumente wurden am Nachmittag aufgestellt. Bis die Stars am Abend eintrudelten, war es bereits bis auf Stiege heraus so voll, dass sich die Musikanten kaum zur Bühne vorarbeiten konnten.




Kurt, der Klarinettist, spielte nur die Klarinettstückchen, Oberkrainer in Originalbesetzung für ein Taschengeld mit.


Am Sonntag Abend, als die Strubobuobo in Mellau aufspielten, amüsierte er sich lieber bei den Roulettis oder Twens in der Gams in Bezau. Um jedoch die Zeche dort bezahlen zu können, fuhr er nachts drei Mal mit dem Fahrrad und Klarinette nach Mellau, um die Oberkrainer und Klarinettstückchen für das Taschengeld zum Besten zu bringen.


Gut zu sehen auf diesem Bild, dass Kurt noch keine royale Strubobuobo Uniform anhatte.





Damals waren in Mellau und Bezau viele deutsche Jugendgruppen untergebracht. Zum Beispiel das Haus Warendorf oder das Ferienlager Sutterlüty in Mellau waren natürlich Anlaufstellen für die einheimischen Boys. Da diese Jugendlichen meist aus größeren Städten kamen, hatten sie die Finger mehr am Puls der Zeit. Oft lernten die Musikanten dadurch neue Musiktitel kennen, die sie einstudierten und ins Repertoire aufnahmen.


Das Treiben der Strubobuobo konnte auch manchmal gefährlich werden, denn die Begleiter der weiblichen Fans passten sehr genau auf die von ihnen eigeladenen Mädchen und Frauen auf. So blinzelte vermutlich Carmen Wüstner, die heutige Frau von Heinz, den Chef-Strubobuob einmal kurz an, was dieser erwiderte; oder es war umgekehrt.


So geschehen im Gasthof Kanisfluh in Mellau.


Zufällig trafen sich die beiden auf dem Klo. Carmen wünschte sich noch einmal den Titel Monja, für ein Küsschen könne Heinz das veranlassen. Das Klo war damals nur über eine sehr hohe Holzstiege im Obergeschoß zu erreichen. Nicht ganz zufällig musste auch der damalige Begleiter von Carmen Otti Sutter austreten. Mit einem Punch mitten ins Gesicht des Strubobuobs streckte er Nebenbuhler in guter 'Schlossar' Manier Heinz nieder, sodass dieser die hohe Stiege mit mehreren Salti rückwärts herunterkollerte. Es nahm dann doch ein gutes Ende.


Die YouTube Videos bitte unten links starten, Danke.


Eine ganz wichtige Sache war zu dieser Zeit die Übertragung des Grand Prix Eurovision de la Chanson. Wenn die Band auch Achse war, musste der jüngere Bruder Erich Schwarzmann die Titel mit dem Tonband aufzeichnen, damit man immer auf dem neuesten Stand war.


Der Vorjahressieger Udo Jürgens übergibt in der Wiener Hofburg den Hauptpreis and die Siegerin 1967 Sandie Shaw für Puppet on a string.




Diese vermehrten Tanzveranstaltungen blieben natürlich den Ortspfarrern und der Präfektur des Marianums nicht verborgen. Es gab Klagen von Bürgermeistern, den Ortspfarrern, …. Zucht und Ordnung sollte im Bregenzerwald wieder hergestellt werden. Diesem unzüchtigen Verhalten der marianischen Buben muss Einhalt geboten werden.

Die Präfektur wusste keinen anderen weg, als sich an den Bischof zu Feldkirch wenden. Dieser leitete einen Bericht ins päpstliche Rom:


Aus dem päpstlichen Geheimarchiv zu Rom

Die Karriere der Strubobuobo begann Anfang der 60iger Jahre im bischöflichen Knabenkonvikt Marianum in Bregenz während der Gymnasialzeit der wilden Wäldar. Erste Auftritte waren Jazzmessen in diversen Kirchen, bald aber auch Abendunterhaltungen, Tanzveranstaltungen in deren Ferien.

Schon Mitte der 60iger Jahre war die Nachfrage nach den „Young – Stars“ nicht mehr zu bremsen. Gerüchte über rauschende Feste, Tanzveranstaltungen bei Kerzenschein nahmen kein Ende. Die Young-Stars, kaum 16 Jahre alt, sollen sogar neuartige Tänze, wie Twist und Charlston spielen (das seien Tänze mit unzüchtigen, gesundheitsgefährdenden Verrenkungen, wo keiner mehr den andern hält). Im Rössle in Ittensberg, fernab jeder Zivilisation, hätten sogar Boden und Decken abgestützt werden müssen, um des Einstürzen des Gebäudes zu verhindern, so verrucht benahm sich die Gesellschaft. Titel wie Wooly Booly oder Balla- Balla mussten verboten werden.

Weil keiner der Jungmusiker einen Führerschein hatte, sie waren alle unter 18, wurden sie von den Veranstaltern zu Auftritten abgeholt, aber nicht immer rechtzeitig zum gemeinsamen Abendgebet ins Marianum zurückgebracht Dies brachte den „Bad-Boys“ Ärger mit der Heimleitung.

Immer wieder kamen von den Ortspfarrern Klagen über nächtliche Einsätze der Marianumbuben.

Der Chef-Strubobuob (Heinz) wurde nach Auffassungsdifferenzen mit der Präfektur des Marianums des Öfteren im letzten Zug des Wäldarbähnles Richtung Bezau gesehen, um am nächsten frühen Morgen, nachdem Eltern und Heimleitung telefonisch die Meinungsverschiedenheiten ausgeräumt hatten, den Weg mit dem ersten Bähnle nach Bregenz wieder anzutreten.

Der charmante Strubobuob, der größte, Didi, der mit dem dunklen Pilzkopf, benahm sich sehr Frauenfreundlich. Bei seinen nächtlichen, verbotenen Ausritten erbarmte er sich wenigstens vornehmlich dem jüngeren weiblichen Küchen- und Reinigungspersonal und nahm diese zu Tänzen mit. Als Dank dafür wurde er von der Küche besonders verwöhnt, und konnte darauf bauen, dass die zum Zwecke der problemlosen Rückkehr die angelehnten Fenster nicht geschlossen wurden. Dass er sich mit weiblichem Reinigungspersonal, vornehmlich einer attraktiven, rotblonden Italienerin an geheimen Orten im Marianum des Öfteren verabredete, soll nur ein Gerücht sein, an dem nichts Wahres dran ist.

Die von Radio Vorarlberg immer wieder ausgestrahlten Glückwünsche und Liebesbekundungen der weiblichen Fans waren mit der marianischen Erziehung absolut unvereinbar.


So wurde der Stab über den marianischen Buben, Heinz und Kurt gebrochen und sie mussten das bischöfliche Internat verlassen.


Die erzkonservativen Marianumsväter damals tendierten damals in alle Richtungen. Spielten die Strubobuobo auf einem Ball der katholischen Jugend, rühmten sie sich dass ihre Marianumband aufgespielt habe. Wenn Didi im Sommer als als Bademeister arbeitete, stellte man ihm die Rute ins Fenster mit Auschluß vom Internat, wenn er diesen verwerflichen Sommerjob nicht aufgäbe. Er könnte ja irgendwo ein knappes Bikini Höschen erblicken.

Die Eltern der Jungmusikanten hatten sicher nicht leicht in der damaligen Zeit.



1967


Eine regelmäßige Spielstätte der Strubobuobo war das Hotel Mohnenfluh in Schröcken.

Das Hotel Mohnenfluh der Familie Alfons Strolz war damals eines der besten Hotels im Bregenzerwald mit dem ersten Hotel Hallenbad.



Mittlerweile hatte Bertram die Truppe verlassen und Kurt war wieder mit von der Partie.


Die Strubobuobo im Hallenbad im Hotel Mohnenfluh.




Die Strubobuobo im Hotel Mohnenfluh.






Erster Musikausflug ans Meer

Keiner der Strubobuobo hat bis dahin je das Meer gesehen. Auch war die Kasse halbwegs gefüllt.

So starteten die Jungs den blauen Käfer und fuhren über die Schweiz Richtung Meer. Este Station war Lugano, wo sie sich um einen der angesagtesten Clubs umsahen. Dank gut dotierter Kasse bestellten wir exotische Getränke. Die Bar war jedoch eher eine Enttäuschung, keine Live-Musik!, worauf natürlich die Musiker gewartet haben, um die dort angesagten Titel zu hören, eventuell auch abzuspicken. Gegen Mitternacht zahlte Heinz die Zeche. Nach Begleichung räumte auch Heinz den Tisch, schmiss alle Gläser unter die Bank, sodass diese zerschellten; seine Bemerkung: „Die sind bei diesem Preis alle bezahlt!“. Schnell verließen die Boys den Club.


Eine Übernachtung im Hotel war aus finanziellen Gründen nicht geplant. Also wickelten sich die Strubobuobo in die mitgenommen Decken, außer Kurt, er zog es vor, im sicheren Auto zu schlafen, Comorra im Süden war ihm zu nahe. Er schlotterte die ganze Nacht im Auto, konnte keine Minute schlafen, während seine Kollegen gut eingehüllte in warmen Decken im Freien ruhten. Für Musikanten zu früh, weckte Kurt die tief Schlafenden.



Nächste Station war Mailand. Auf dem Domplatz entdeckten die Jungs an einem Zeitungsständer, dass die Sowjetunion in der Tschechoslowakei einmarschiert waren (21.8.1968) . Mit gemischten Gefühlen suchte man ein Restaurant zum Mittagessen.


Didi schlug vor, in der Umgebung des Doms, in den Galerien um den Domplatz, ein festliches Mittagessen sich zu gönnen, koste, was es wolle. An einem fein, weiß gedeckten Tisch nahmen die vier Platz und baten den Ober um die Karte. Dieser brachte diese, doch alle die Wälder Boys hatten von Italienisch keine Ahnung, und keiner wusste, was man hier bestellen könnte. Doch Didi meldete sich, Chateaubriand sei das Beste dieser Karte. Vermutlich las er die Speisekarte von rechts, wenn teuer, dann muss es auch gut sein. Nachdem der Ober fast rohes, blutrotes Rindfleisch serviert hatte, legten bis auf Didi alle anderen Messer und Gabel nieder. Auch von Mailand hatten die Musiker genug. Auf, ans Meer!


Heinz steuerte nachmittags Genua an. Die neugierigen Jungs erwarteten endlich das blaue, unendliche Meer zu sehen, den sagenhaften Sandstrand. In Genua bog Heinz beim ersten Wegweiser „Mare“ ab. Bald darauf erreichten die Ausflügler ihr angestrebtes Ziel; Überraschung – das Meer war braun und stinkig. Der erhoffte, sagenhafte Sandstrand ist auf dem Bild gut zu sehen, Bruchstücke von Betonblöcken!


So – bestimmte Kurt am Abend: „Ich habe jetzt genug vom mondänen Lugano, dem pompösen Mailand, dem sagenumwundenen blauen Meer!“. Und er fuhr die ganze Nacht durch und brachte die Boys gegen Morgengrauen heil nach Bezau.


Johnny Wüstner, Didi Geiger, Kurt Schwarzmann, (Heinz hatte fotografiert) in Genua, Italien.



Ab Herbst 1968 begann die steile Karriere der Strubobuobo in neuer Besetzung.


Heinz Schwarzmann, (1948), Bezau, Gitarre, Handorgel, Keyboard, Bass

später Gemeindearzt in Bezau

Dietmar ( Didi ) Geiger, (1949), Bezau, Trompete, Schlagzeug

später Hotelier in Zürs und Australien


Kurt Schwarzmann, (1950), Bezau, Klarinette, Bass, Saxophon

Später Volks- und Hauptschullehrer, und anderes


Manfred (Mandy) Bischof, (1951), Mellau, Gitarre, Bass, Trompete, Schlagzeug,

Keyboard

Bäcker, später Musikschullehrer und Chorleiter.



Die junge Musikgruppe unterschied sich von allen anderen Tanzkapellen durch die Vielfalt ihrer Instrumente. In einer Original Oberkrainerbesetzung, Ziehharmonika, Trompete, Klarinette .... brachten sie „kugelrunde Titel“ genauso gut zum Besten, wie rockigen Beat von CCR und den Beatles. Im modernen Programm wurden immer die damals aktuellen Titel der Hitparaden gespielt.



Neben regelmäßigen Tanzveranstaltungen, besonders im Bregenzerwald traten die Strubobuobo aber auch in Süddeutschland und der Schweiz auf.



Im Herbst 1968 kam der spätere Rechtsanwalt Dr. Otmar Simma von einem USA Aufenthalt zurück. Mit im Gepäck hatte er ein paar tolle neue Singles. Er sagte seinem Cousin Didi, dass die Nummer von Percy Sledge in den USA überall auf Platz Eins sei.


Das Stück wurde sofort einstudiert und wurde der Signature Song der Strubobuobo. Später wurde dieser Song von den meisten Tanzkapellen gecovered. Diesen Tite spielte man dann viel später auch bei uns im Radio, aber in die Hitparade schaffte er es nie.




Zu dieser Zeit war Heinz bereits in Bregenz beim Bundesheer als Kradmelder (Kraftradmelder). Mehrmals holte Heinz auf dem Motorrad in Uniform Didi vom Marianum ab. Die Schule wurde geschwänzt und man fuhr nach Bezau zum Proben.


Bilgeri Kaserne in Bregenz.


Ein Kradmelder aus dem Jahr 1968.



An diesem Silvester spielten die Strubobuobo auf der Schnepfegg bei Familie Moosmann. Kurt musste der BH Bregenz damals unterschreiben, dass er die Band persönlich zuhause abholen und sie wieder nach Hause bringen müsse.



Damals war es üblich, dass die Kapelle um 22:00 Uhr eine Durchsage machen musste, dass alle unter 18 jährigen ohne Erziehungsberechtigte das Lokal zu verlassen haben. Da brüllte natürlich das ganze Publikum vor Lachen, da oft die Strubobuobo zu den Jüngsten gehörten.


Die Mädchen huschten daraufhin übers Tanzparkett auf der Suche nach einem Erziehungsberechtigten auf die Schnelle.




1969


Gemeindeblatt 22.1.1969


Auch der Gasthof Post in Bezau gehörte zu den regelmäßigen Spielstätten der Strubobuobo.



Der Postwirt Oskar Kaufmann, immer mit einem Zahnstocher im Mundwinkel am Stammtisch sitzend, lauschte den Strubobuobo, die in der angrenzenden Bar spielten. Wenn es ihm zu laut wurde, stand er auf und steckte seinem Neffen Didi auf der Bühne eine Stoffserviette in den Mund.




Mittlerweile hatte sich ein regelrechter Fanclub etabliert. Mit eigenen T-Shirt folgte man den Strubobuobo im ganzen Land. Der Club soll nicht zimperlich gewesen sein. Als die Strubobuobo einmal im Gasthof Löwen in Lingenau spielten, wollten die Vorderwälder, dass mehr rund gespielt wird. Es kam sofort zu Keilereien mit dem Fan Club, die ihre Helden verteidigten.


Gasthof zum Löwen in Lingenau mit angrenzendem Saal.



Auf der im Sommer regelmäßigen Tournee stand:


DI Berghotel Madlener, Damüls

MI Hotel Hirschen oder Cafe Moosbrugger, Schoppernau

DO Hotel Mohnenfluh, Schröcken

FR Hotel Post, Bezau

SA Gasthof Engel (Hirtreiter), Reuthe

SO Hotel Gams, Bezau

Den Montag hielt man sich frei für diverse Hochzeitsveranstaltungen


Die Strubobuobo spielten also meist 6mal in der Woche.






Eines Tages, Kurt war gerade bei Elisabeth, seiner heutigen Frau, z`r Stubat, klingelte dort das Telefon: Hier Finanzamt Bregenz, könnte ich einen Kurt Schwarzmann sprechen? Dieser befürchtete das Schlimmste, denn alle damals aktiven Musikgruppen wurden von der Finanz zur Einkommensteuer belangt. Er nahm den Hörer und eine freundliche Frauenstimme erklärte, dass die beim Finanzamt Bregenz Bediensteten am Samstag den jährlichen Betriebsausflug planten, ein Schirennen in Schetteregg, anschließend ab 20:00 Uhr eine Abendunterhaltung mit Tanz im Löwensaal in Schwarzach.


Das Schigebiet Egg, Schetteregg mit dem ersten Sessellift im Bregenzerwald.


Geistesgegenwärtig gab der Strubobuob zur Antwort, das könnten wir doch gar nicht. Sie würden nur bei privaten Festen spielen, die sei uns eine Nummer zu groß. Sie wisse schon, dass wir das könnten und fragte nach der Gage. Kurt antwortete, wir hätten noch nie etwas verlangt, aber für die Unkosten von Schilling 300.- !!! würden wir den Abend gestalten.

Gesagt getan. Doch am Ende der Veranstaltung, gegen 2:00 Uhr, pickte sich Heinz den Vorgesetzten des Finanzamtes heraus, um ihm klar zu machen, dass wir für diese entgegenkommende Gage nie mehr etwas vom Finanzamt zu hören bekommen sollten. Er zielte auf die laufenden Finanzverfolgungen anderer Musikgruppen ab. Wir wurden dann wirklich in Ruhe gelassen. Damit war das vermutlich die beste Gage, die wir einspielen je konnten.



Im Herbst 1969 verließ Mandy Bischof die Strubobuobo und wechselte zur neuen Mellauer Swing Band.


Die Strubobuobo spielten im Trio weiter.



1970


Das Cafe Moosbrugger in Schoppernau.






Im Sommer 1970 war die Sache mit der Swing Band beendet. Aus dieser Formation entstand später das Hubertus Trio und dann die 5 Toreros.


Mandy Bischof war ab sofort wieder bei den Strubobuobo dabei.




Eine typisches Schmuse Set aus der damaligen Zeit.






Eine Erfolgsgeschichte der Strubobuobo darf ich euch natürlich nicht vorenthalten.


Zu dieser Zeit war in Schröcken Hans Sutterlüty aus Egg Ortspfarrer. Er verstand sich besonders gut mit der jungen Generation und war äusserst beliebt in Schröcken. Er war bei jedem Auftritt der Strubobuobo in der Mohnenfluh.


Bei dieser Fotomontage stehen Didi und Mandy im Wasser des Hallenbades in der Mohnenfluh.


Es wurde mit Alfons Strolz von der Mohnenfluh ausgemacht, dass er zum Beispiel am Abend vor Christi Himmelfahrt die Band engagieren solle, damit sie am darauffolgenden Feiertag beim Pfarrer in der Kirche während der heiligen Messe spielen konnte.


Die Strubobuobo ließen nach ihrem Gig in der Mohnenfluh die Instrumente auf der Bühne stehen und fuhren nach Hause. Am nächsten Morgen wurde dann das Equipment in die Kirche gebracht und aufgestellt.


Danach ging man zum Pfarrer, nahm einen doppelten Cognac aus der Dreiliterflasche im Schwenker und spielte dann die Messe.



Die 'Jazzmesse' im Schröcken erlangte Berühmtheit und schon bald kamen Kirchgänger aus dem ganzen Land nach Schröcken. Die Kirche war brechend voll und oft mussten die Leute im Freien stehen.


Diese zwei Titel waren die Renner während der Messe.


Dieser Titel wurde mit zwei Trompeten von Didi und Mandy gespielt.




1971


Ein Fasching, der es in sich hatte.


Gemeindeblatt 31.12.1970


Ein Bild aus dieser Zeit, allerdings im Sommer.





Gemeindeblatt 7.1.1971




Gemeindeblatt 1.2.1971


Der Gasthof zur Gams



Der damalige Saal - die heutige Küche, eigentlich schade.



Die Strubobuobo beim Sportball im Gams.