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Die vergessenen Champions, Teil I Moto-Crosser aus dem Bregenzerwald



In diesem Blog Beitrag in mehreren Teilen habe ich die Bregenzerwälder Moto-Cross Szene von 1960 bis 2000 aufgearbeitet.


Ich habe bereits in den Jahren 2016 und 2017 Bilderbuch Video Geschichten über Josef Lerchenmüller aus Mellau und über die Gespann Fahrer Willi Streiter und Hans Waldner aus Egg, Großdorf gemacht. Auch einen detaillierten Blog Beitrag über dieses Gespann kann man hier unter 'Ranner & Ranner - Roadrunners' finden.


In diesem Projekt geht es gesamthaft um die Bregenzerwälder Crosser Clique von 1960 bis 2000.



Es ist schon bewundernswert, wie die Bregenzerwälder Moto-Crosser unter ständigen Geldsorgen, kaum Trainingsmöglichkeiten und ständigen Schwierigkeiten mit der Obrigkeit mehrfache Landesmeister, österreichische und Schweizer Staatsmeister bis hin zu Vize-Weltmeistern wurden.



Was macht die Faszination des Moto-Cross Sports aus? Der Sport wurde belächelt von den Betuchten und er war geächtet von der Gemeinde- und Landespolitik. Mussten sich doch Bürgermeister stets mit vergrämten Nachbarn von Moto-Cross Strecken und mit Bauern, deren Berggut kurzerhand in eine Trainingsstrecke umgewandelt wurde, herumschlagen. Der Sport ist laut, stinkig, dreckig und gefährlich.



Ausserdem konnten sich die Bregenzerwälder Crosser, die in meiner Geschichte vorkommen, den Sport so gut wie gar nicht leisten. Man brauchte Maschinen, Tour Busse, Ersatzteile, Benzingeld und viel Freizeit.


War man gut genug, durfte man bei internationalen Rennen gegen die Werksfahrer der großen Motorrad Marken antreten. Die hatten natürlich die oben genannten Sorgen nicht. Die Werksfahrer waren unter Woche in der Kraftkammer und absolvierten Ausdauer Training nach wissenschaftlichen Plänen.



Meine Helden kamen am Montag früh um 5:00 Uhr von einem Rennwochenende zurück und standen um 7:00 Uhr wieder im Betrieb. Nach dem Feierabend musste man die Maschinen herrichten und ging 'schwarzarbeiten' um das teure Hobby zu finanzieren. Am Freitag nach dem Feierabend ging es dann wieder los auf ein neues Rennwochenende. Zeit für Training hatte man selten bis gar nicht. Nur in den Wintermonaten fuhr man nach Arco, Italien und bereitete sich auf die neue Saison vor.



Was kann daran also schon so toll sein?


Es waren schon die 'wilden Hunde', die diesen Sport aussuchten. Man musste die Maschine beherrschen und damit Rennen gewinnen, wenn auch die Gegner viel besseres Material zur Verfügung hatten. Es zählte also doch der Fahrer, nicht nur die Maschine.

Die Mädels standen auf solche Typen, das war sicher auch ein Motivationsfaktor.


Man kam in der Welt herum, auch wenn man oft die letzten Schillinge zusammenkratzen musste, um Benzin tanken zu können. Das Fahrerlager suggerierte einen Hauch von Freiheit und Abenteuer. Es bildenden sich Cliquen, mit denen man Rösser stehlen konnte und es entstanden wunderbare Freundschaften.



Und dann waren natürlich die Fans. Das waren zunächst Freunde von zuhause und den umliegenden Gemeinden. Auch die pilgerten zu den Rennen und waren treue Anhänger und Freunde. Sie halfen nur allzu gerne ihren Idolen und mancher hätte insgeheim gerne ihren Mut und ihr Fahrkönnen besessen.

Es gab Moto-Cross Rennen in Österreich mit bis zu 40.000 Zuschauern.


Die Moto-Crosser waren die Helden der 'kleinen' Leute, irgendwie Heroes und Underdogs gleichzeitig.


Bekannte Moto-Cross Marken von damals: AJS aus England, Husqvarna aus Schweden, Matchless aus England, CZ und Jawa aus der Tschechoslowakei, Bultaco aus Spanien, Maico aus Deutschland, Triumph aus England, Greeves aus England, Puch aus Österreich, BSA aus England, NSU aus Deutschland, Montesa aus Spanien, KTM aus Österreich, Norton aus England und ESO aus der Tschechoslowakei. Später dann natürlich Honda, Suzuki, Kawasaki und Yamaha aus Japan.


Greeves 250 ccm.



Es gab bereits in den 1920er Jahren in Großbritannien sogenannte Fuchsjagden im Gelände mit Motorrädern.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Moto-Cross Sport zunächst in Großbritannien und in Belgien populär. Die Maschinen waren Weiterentwicklungen der geländetauglichen Maschinen, die man im 2. Weltkrieg brauchte.


Die erste Europameisterschaft wurde bereits 1955 ausgetragen mit Rennen in 6 europäischen Ländern.


Moto-Cross Rennen in England um 1920.



Die Allmacht der OSK.


Die Oberste Nationale Sportkommission für Kraftfahrsport in Österreich war eine Abteilung des ÖAMTC in Wien.


Die Bregenzerwälder Moto-Crosser der 60er Jahren mussten einem Verein angehören und waren alle Mitglied im Moto-Cross Club Dornbirn. Auch war es von Vorteil, wenn man zahlendes Mitglied des ÖAMTC wurde.


Nur so konnte man an Rennen teilnehmen, die im OSK Rennkalender ausgeschrieben waren.

Alle anderen Rennen waren sogenannte 'Schwarzrennen'. Alle Bregenzerwälder Crosser hatten zuerst solche Rennen bestritten. Bekannt war zum Beispiel Weissenbach im Tiroler Lechtal.


Die OSK schrieb Landesmeisterschaften und die Staatsmeisterschaft aus.

Vorarlberg, Tirol und Salzburg wurde als Westösterreichische Landesmeisterschaft ausgeschrieben.


Die OSK entschied, ob man auch an internationalen Rennen teilnehmen durfte. Oft entschieden nicht die gesammelten Punkte, sondern das Gutdünken von Funktionären und Wichtigtuern.


Genau gleich war die Situation in der Schweiz. Die SAM (Schweizerischer Auto- und Motorrad Verband), hatte einen Rennkalender in der Schweiz. Auch die SAM war ein 'Schwarzverband' und wurde von der FMS (Federation Motocycliste Suisse) nicht anerkannt.


Die SAM Meisterschaft war bei den Bregenzerwäldern sehr beliebt. Die geographische Nähe und das bessere Preisgeld waren wichtige Entscheidungsträger.


Nur die allerbesten durften im Rennkalender der FIM (Federation Internationale Motocyclisme) starten. Dies ist der Motorrad Weltverband mit Niederlassungen in 90 Ländern. Hier wurden und werden die Europameisterschaften und ab 1980 die Weltmeisterschaften ausgetragen.



Dies ist der erste Artikel der Vorarlberger Nachrichten über den Moto-Cross Sport im Ländle.


Vorarlberger Nachrichten 15.7.1955



Das erste Moto-Cross Rennen im Land fand in 1955 in Wolfurt statt.


Vorarlberger Nachrichten 2.11.1955



Die AJS von Wendelin Hagspiel aus Doren.


Vorarlberger Nachrichten 30.1.1957


Vorarlberger Nachrichten 14.12.1957



Vorarlberger Nachrichten 25.7.1958


Vorarlberger Nachrichten 11.8.1958


Meine Vorstellung der Bregenzerwälder Moto-Cross Champions beginnt mit Wendelin Hagspiel aus Doren, geb. 1933.


Wendelin begann eine Lehre als Wagner in Doren und wechselte dann zum Nachbarn, dem Seilbahnbauer Steurer in Doren. Wendelin war weit bekannt als sehr guter Schlosser und Monteur , Schweisser und Tüftler für Motorräder.


Wendelin Hagspiel auf einer BSA nach dem 2. Weltkrieg.



Vorarlberger Nachrichten 5.9.1958


Vorarlberger Nachrichten 16.9.1958


Wendelin Hagspiel auf einer AJS.



Vorarlberger Nachrichten 17.7.1959



Vorarlberger Nachrichten 1.4.1960



Der Moto-Cross Sport generierte in ganz Europa immer mehr Fans und Begeisterte.

Bereits 1960 wurde zum ersten Mal ein internationales Rennen aus Frankreich im Rahmen einer Eurovision Sendung live im ORF übertragen. Zu dieser Zeit hatten nur ganz wenige Menschen im Bregenzerwald einen Fernseher.



Ab 1960 gab es im Bregenzerwald schon einige Fahrer, die um die österreichische und Schweizer Meisterschaft kämpften. Ausserdem fuhren sich auch bei international ausgeschriebenen Rennen mit.


Die Bregenzerwälder Moto-Crosser in den 60er Jahren, die sich immer wieder in die Siegerlisten eintrugen, waren:


Wendelin Hagspiel aus Doren, geb. 1933, AJS, Maico 250 und 500, ESO 500, Husqvarna 500.


Josef Lerchenmüller, Mellau, geb. 1939, Java 350, Husqvarna 250, Husqvarna 500, Gespann Honda 450 Eigenkonstruktion, Norton Wasp.


Helmut Vögel aus Langen, geb. 1940, Maico 250, Husqvarna 250, 1968 Beiwagenfahrer von Josef Lerchenmüller.


Anton Meusburger aus Bizau, geb. 1946, Greeves, Husqvarna 250, Husqvarna 500.


Die Wälder fuhren alle für den Moto-Cross Club Dornbirn. (MCCD)


Josef Lerchenmüller hat sein fahrerisches Talent wohl von seinem Vater Eduard geerbt, der 1927 schon Bahnrennen fuhr.


Eduard Lerchenmüller 1927 mit Bahnrennmaschine Imperial 250 ccm.


Josef Lerchenmüller war für 2 Jahre in einer Mechanikerlehre in Wien und hat danach bei seinem Vater in Mellau die Lehre beendet.

Tankstelle und Werkstatt von Eduard Lerchenmüller an der Hauptstrasse in Mellau in den 60er Jahren.


Die handgeschriebenen Texte bis 1968 stammen aus einem Album von Josef Lerchenmüller aus Mellau.





Vorarlberger Nachrichten 29.4.1960


Vorarlberger Nachrichten 16.5.1960



Vorarlberger Nachrichten 16.7. 1960


Wendelin Hagspiel.





Josef Lerchenmüller.





In Feldkirch, Altenstadt wurde im Klostergarten Moto-Cross gefahren.


Vorarlberger Nachrichten 12.7.1961


Wendelin Hagspiel.



Josef Lerchenmüller Bildmitte




Josef Lerchenmüller durfte damals auf einem Berggut (Bödels Egg) von Josef Zünd (Zündle) in Mellau trainieren. Anton Meusburger aus Bizau hat ihn mit dem Moped besucht und hat Josef gebettelt, ein paar Runden mit der Husqvarna zu drehen. Dabei kam er zu Sturz und überdehnte sich ein Seitenband. Das hat man natürlich in Bizau nicht wissen dürfen und so ist Anton mit dem Moped gestürzt.


Anton sagt heute, dass ihn Josef damals mit dem Moto-Cross Virus infiziert habe.




Vorarlberger Nachrichten 9.6.1962



Vorarlberger Nachrichten 17.8.1962



Josef Lerchenmüller und Werner Feurstein aus Mellau.


Vorarlberger Nachrichten 20.8.1962




Anton Meusburger aus Bizau, geb. 1949 hat 1963 seine Mechaniker Lehre bei VW-Porsche Wehinger in Dornbirn abgeschlossen. Seine erste Moto-Cross war eine Greeves 250 ccm.


Anton mit seinem ersten Auto.



Helmut Vögel aus Langen machte eine Landmaschinen Mechaniker Lehre bei der Firma Wohllaib in Sulzberg/Thal.


Ab 1963 fuhr er Rennen zuerst mit seiner Maico 250 und später mit Husqvarna 250.






Wendelin Hagspiel.


Vorarlberger Nachrichten 19.8.1963





Wendelin Hagspiel.














Die Maico von Wendelin Hagspiel aus Doren.




Josef Lerchenmüller.


Wendelin Hagspiel.















Josef Lerchenmüller.



Vorarlberger Nachrichten 27.4.1964



Vorarlberger Nachrichten 12.5.1964




Josef Lerchenmüller.




1964 meldete sich Lerchenmüller bei der SAM (Schweizer Automobil und Motorrad Verband) Meisterschaft an. Dies war damals für die Vorarlberger Moto-Crosser eine günstige Gelegenheit. Die Rennen waren in der Nähe und das Preisgeld war höher, als in Österreich.


Allerdings hieß es in einem OSK (Oberste Nationale Sportkommision für Kraftfahrsport in Österreich) Passus, dass man an keiner anderen Meisterschaft teilnehmen durfte, wenn man die Österreichische Meisterschaft fuhr. Deshalb fuhr man in der Schweiz unter einem anderen Namen. Jeder wusste das, aber dem Reglement war Genüge getan.


Ab sofort hieß Josef Lerchenmüller in der Schweiz Josef Hollaus. (Rupert Hollaus war ein bekannter österreichischer Straßenweltmeister in der 125 ccm und 250 ccm Motorradklasse)