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Eine Kreuzfahrt ohne Futter


Es geschah auf der Silver Wind im Sommer 1997.

Eigentlich eine grosse Luxusjacht mit 296 Gästen und 212 MitarbeiterInnen. Es war das erste Kreuzfahrtschiff mit nur Suiten mit Balkon und einem all-inclusive Produkt. Auch die Getränke und das Trinkgeld waren inkludiert. Wir hatten etwa 70 Prozent US Amerikaner und etwa 30 Prozent hauptsächlich Europäer an Bord. Die Crew stammte aus ca. 50 verschiedenen Nationen. Die Deck- und Maschinen Offiziere waren Italiener, da die Eigneramilie aus Italien stammte.


Wir machten die grossen sogenannten Container Bestellungen an Esswaren und Getränken, sowie Non-Food items oft 6 Monate im voraus. Diese Waren wurden dann im drei Monate Rhythmus in grossen Schiffcontainern von den USA in die ganze Welt verfrachtet.


Ich war seit 1996 bei Silversea Cruises als Hotel Direktor und bin vor kurzem von der Silver Cloud auf die Silver Wind gewechselt.


Vor ein paar Monaten im Februar wurden wir nicht nur als beste Kreuzfahrtlinie, sondern auch als weltweit bestes Hotel ausgezeichnet.




Nach einer 21 Tage Kreuzfahrt von Hong Kong - Vietnam - Singapur - Thailand - Burma - Andaman Inseln - Sri Lanka sind wir termingerecht in Bombay (heute Mumbai), Indien angekommen.



 

Wir hatten einen arbeitsreichen Tag in Bombay vor uns. Die Reise war zu Ende und die letzten Gäste verliessen das Schiff um 10:00 Uhr. Um 15:00 Uhr mussten wir bereit sein für eine volle Ladung neuer Gäste, die bereits seit gestern im 5 Sterne Hotel Taj Mahal Palace auf uns warteten.


Taj Mahal Palace Hotel in Bombai.


 

Die meisten Gäste kauften auch ein Pre- oder Post Package mit einem Overland Flug Programm nach Agra zum Taj Mahal und nach Neu Delhi. Dieses Programm hat man dann vor oder nach der Kreuzfahrt mitgemacht.


Sonnenuntergang beim Taj Mahal in Agra.


 

Aber Bombay hat auch andere Gesichter.



Der Waschsalon.


 

Bereits nach der Ankunft in Bombay kam unser Hafen Agent mit einer Hiobsbotschaft in mein Büro. Die erwarteten 4 Container mit Trockenwaren und Getränken und 2 Container mit gefrorenen Esswaren aus USA lagen zwar seit Tagen im Hafen konnten aber noch nicht durch den Zoll gebracht werden, da die Zöllner streikten. Es kam noch schlimmer. Auch die Flugcontainer mit den ganzen Frischwaren wie Gemüse, Früchte, Milchprodukte und auch der lebende Hummer konnten wegen dem Zollstreik nicht geliefert werden.



Natürlich war auch noch Wochenende und niemand war im Hauptbüro in Fort Lauderdale, USA erreichbar. Also habe ich den Ship Chandler (eine Art Kaufmann, der alles besorgen kann) zu mir gerufen. Ich habe ihm die Container Bestellungen in die Hand gedrückt und ihn gebeten so viel wie möglich vor dem Auslaufen um 18:00 Uhr zu liefern.


Nun ging es nicht mehr darum, die besten Produkte der Welt zu bekommen, sondern überhaupt irgend etwas.


In meinem Büro auf der Silver Wind.


Wir bekamen dann tatsächlich Waren, die uns ein paar Tage weiterhalfen. Der Ship Chandler hat vermutlich das Geschäft seines Lebens gemacht, denn über den Preis hat man sich keine Gedanken gemacht. Ich habe den Hafen Agenten gebeten, die 6 grossen Container sofort nach Piräus, Griechenland weiterzuleiten.


 

Um 18:00 Uhr sind wir mit unseren illustren Gästen von Bombay ausgelaufen auf eine neue 21 Tage Kreuzfahrt nach Piräus, Griechenland.


In unseren Lagerräumen hat es ausgeschaut, wie auf einem Basar. Statt in Kartons kamen viele der Frischwaren in eine Geflecht von Bananenblättern usw. Allerlei an Bord geschlepptes 'Gekrabble' musste zuerst einmal vernichtet werden.


Meine Abteilungsleiter wie Food & Beverage Manager, Küchenchef, Lagermeister und Restaurantleiter mussten mehr als flexibel sein. Aber in Ausnahmesituationen laufen die Profis zu Höchleistungen auf.


Während der 3-tägigen Überfahrt durchs arabische Meer in den Oman hatten wir genügend Zeit, wieder Luft zu holen und die nächsten Schritte zu setzen. Nun gingen die Bestellungen an die Shipchandlers der Destinationen, die wir auf dem Fahrplan hatten.


Die VIP's an meinemTisch im Restaurant.


 

An Bord war auch Mr. Tricceri mit seinem jüngsten Sohn Emanuel. Mr. Tricceri aus Argentinien war seit gut 14 Monaten an Bord als voll zahlender Gast und sein Sohn Emanuel auch die meiste Zeit. Die beiden waren äusserst angenehme und unauffällige Gäste. Mr. Tricceri war damals schon über 80 Jahre alt, aber man hätte ihn eher 70 geschätzt.


Stammgäste Ehrung mit Emanuel Tricceri in der Mitte mit Captain Guido Mazzetti.


Mr. Tricceri bestellte eigentlich fast jeden Abend sein Bisteca (ein dünnes Rumpsteak) mit 3 Scheiben getoastetem Schwarzbrot. Ein Flasche Vega Sicilia Gran Reserva musste immer auf dem Tisch stehen. Dieser spanische Rotwein kostete damals bei uns je nach Jahrgang zwischen 400 und 1200 US Dollar. Die ganz teuren Weine und Spirituosen waren natürlich nicht in unserem all-inclusive Programm enthalten. Einmal musste ich ihm gestehen, dass unser Vorrat zur Neige ging, da es von diesem Wein kaum kaufbare Bestände gab. Mr. Tricceri bat mich, den General Manager vom Ritz-Carlton Hotel in Barcelona anzurufen, einen schönen Gruss sollte ich ausrichten und er solle mir gefälligst 6 Kisten von dem Wein verkaufen. Das klappte wunderbar und der Wein traf kurz danach mit Luftfracht in Mascat, Oman ein.


Das Leben an Bord nahm seinen gewohnten Gang und niemand bemerkte, dass das beste Hotel der Welt eigentlich eine desolate Versorgungskrise hatte.



 

Nach drei Tagen auf See erreichten wir Mascat im Oman.



Der Ship Chandler war bereits um 8.00 Uhr in meinem Büro und wir gingen die Bestellliste noch einmal durch. Er konnte viele der fehlenden Lebensmittel und Soft Drinks liefern.


 

Ausserdem hatte sich hoher Besuch angemeldet. Mr. Tricceri hatte um Besucherausweise für den Sultan von Oman und seine Leibwächter angefragt. In fast jedem Hafen auf dem Globus besuchte irgend welche hohen Tiere Mr. Tricceri.


Der Sultan von Oman in seinem Rolls Royce.



Captain Guido Mazzetti, ich und die Leibwächter.


Ich habe auch zu unseren guten Stammgästen immer eine gebotene Distanz bewahrt. Man munkelte, dass Mr. Tricceri früher Getreidehändler und vielleicht auch Waffenhändler war.

 

Wir waren Übernacht in Mascat.


Am folgenden Morgen flog Captain Mazzetti in seinen wohlverdienten Urlaub nach Imperia, Italien. Seine Vertretung war Captain Emanuele Chiesa aus La Spezia, Italien.


Mit Captain Guido Mazzetti auf der Brücke.


 

Wir liefen am Abend um 18:00 Uhr aus und erreichten Salala, Oman am folgenden Morgen.



An diesem Tag begleitete ich unseren Lagermeister und den Küchenchef zum Markt.


Frischer Fisch wurde regelmässig immer vorort gekauft.


Unsere Küchenchefs mit Food & Beverage Manager Freddie.

 

Am Abend ging die Reise weiter in den Jemen.


Mit an Bord waren auch die Stammgäste Dr. und Mrs. Harris aus Liverpool, England. Im vorigen Winter bei einer Karibik Kreuzfahrt auf der Silver Cloud, hat mich Dr. Harris angesprochen. Er sagte, er habe mich gesehen, dass ich ab und zu zum Golfspielen gehe und er würde auch gerne einmal eine Rund mit mir spielen.


Ich spiele bereits seit zehn Jahren Golf und hatte mein 'Besteck' immer mit dabei auf dem Schiff.


Ich habe dann mit Dr. Harris den legendären Platz am Sandy Lane Resort in Barbados gespielt.



Meine Jahrgängerin Mrs. Harris nach den Golfspiel im Sandy Lane beim Lunch.


Die Familie Harris war jüdischen Glaubens und Dr. Harris leitete sein Zahn Krankenhaus in Liverpool, wie er es nannte, mit 120 angestellten Zahnärzten.


Mr. Harris ging abends immer früh zu Bett und er bat mich, mit seiner Frau noch einen Drink im Nighclub zu nehmen. Wie schon gesagt, die gebotenen Distanz war auch in diesem Fall allgegenwärtig.


 

Am folgenden Morgen dockten wir in al - Mukalla, Jemen.



Ich war bereit um 7:00 Uhr im Büro. Ich fand einen Zettel, der vom Night Auditor unter der Türe durchgeschoben wurde auf dem stand: Ich solle sofort Dr. Harris anrufen. Ich habe mir natürlich Sorgen gemacht, ob Mrs. Harris ihrem Gatten vielleicht irgend welche Unwahrheiten erzählt hat. Ich habe Dr. Harris in seiner Suite angerufen. Er sagte mir, dass er um 2:00 Uhr ein Anruf von Zuhause erhielt, dass seine Mutter verstorben war. Ich müsse ihm helfen so schnell wie möglich nach England zurück zu kehren. Wir konnten dann für den folgenden Tag von Aden, Jemen aus einen Flug organisieren. Das Ehepaar Harris war sehr dankbar und die beiden haben mich dafür nach Liverpool eingeladen.


Übrigens waren wir natürlich auch hier auf dem Markt und haben wieder irgend etwas Brauchbares für das tägliche Menü gekauft.


Um 18:00 Uhr ging die Reise weiter nach Aden, Jemen.

 

Wir haben pünktlich um 8:00 Uhr vor der Stadt Aden im Jemen geankert.



Top Stammgäste Herr und Frau Sahli aus der Schweiz.


Hier konnten wir etwas mehr auf dem Markt ergattern, als am Tag zuvor.

Wir sind wiederum um 18:00 ausgelaufen auf dem Weg durch das Rote Meer nach Aqaba, Jordanien.



 

Nach zwei Seetagen erreichten wir am Morgen um 7:00 Uhr Aqaba, Jordanien.



Bei Silversea Cruises gab es einen besonderen Landausflug pro Reise, der im Preis inkludiert war. Die sogenannte Silversea Eperience. Wir hatten schon ein klassisches Konzert in der römischen Tempelanlage von Ephesus in der Türkei, eine Privatvorführung des Bolschoi Balletts in St. Petersburg usw.


Heute am Nachmittag verliessen uns die meisten Gäste in die Wüste. Dort gab es abends ein Abendessen im Freien, geschlafen wurde in Beduinenzelten mit Butler Service und am folgenden Tag besuchte man die Felsenstadt von Petra.


Unsere Gäste im authentischen Outfit vor der Abfahrt in die Wüste.


Auch unser Captain Chiesa und unser Chief Engineer gingen mit auf die Tour.


Im Hintergrund ein amerikanischer Flugzeugträger, zu dem kommen wir gleich.


Die Stimmung beim Abendessen in der Wüste.


Da nur wenige Gäste an Bord blieben, organisierten wir kurzerhand eine Crew Beduinenparty im Night Club.


 

Wie schon gesagt, führte die Tour am folgenden Tag nach Petra.


Die in Stein gehauene Felsenstadt Petra.


Der 39 Meter hohe Temple Ad Deir.


 

So gegen 10:00 Uhr vormittags erhielt ich einen Anruf von der Gangway. Auf mich wartete eine äusserst attraktive Dame in Uniform. Sie war der Versorgungsoffizier des Flugzeugträgers. Der Einheit gehörten noch 12 weitere Kriegsschiffe an, die vor Anker lagen.


Die USS Tarawa war ein spezieller Flugzeugträger der US Navy Seals, der amerikanischen Elitetruppe schlechthin.


Besatzung 960 Offiziere und Matrosen plus 2000 Marines.


Die Dame übergab mir eine Einladung des Kommodore der Einheit für die drei höchsten Offiziere der Silver Wind den Flugzeugträger um 16:00 Uhr zu besichtigen. Ich musste unseren Captain und Chief Engineer entschuldigen, da ja beide in Petra waren und erst gegen 18:00 Uhr zurück erwartet wurden. Ich nahm die Einladung gerne an.


Ich wurde erwartet vom Kommodore, dem Captain des Flugzeugträgers und von der Versorgungsdame. Es war ein Erlebnis, dass ich nie mehr vergessen werde. Ich sass im damals grössten Black Hawk Hubschrauber, in einer Harrier, die senkrecht starten kann und ich durfte im Keller die ganzen Amphibienfahrzeuge anschauen, mit denen man schwimmen und fahren konnte.


Auf dem Schiff war nicht viel los, da die Marines in der Wüste ihr Trainingsprogramm absolvierten. Ich habe auch die Küche besichtigt und den weltweit grössten Fitnessraum mit 800 Maschinen gesehen, sowie ein komplett leeres Unterdeck, wo ein paar Damen ihre Aerobics Klassen absolvierten. Wenn man den Blick zur Decke wandte, waren dort 120 fertige Intensivstationen festgezurrt, die man im Ernstfall herunter lassen konnte. Natürlich war man somit auch je nach Kriegsschauplatz das grösste Krankenhaus im Ort.


Auf dem Flugzeugträger befanden sich zwei Brücken, die untere für den Captain und seine Offiziere und die obere für den Kommodore und seine Offiziere.

Hinter der oberen Brücke befand sich ein Saal in der Grösse des Löwensaales in Egg. Alle vier Wände waren ein riesiger digitaler Bildschirm, auf dem jegliche zivilen und kriegerischen Bewegungen auf allen Weltmeeren sichtbar waren. Der Kommodore konnte mir genau sagen, dass wir am Tag X den Konvoi durch den Suez Kanal anführen werden.



Es war wirklich beeindruckend. Ich verliess die USS Tarawa gegen 17:30, da ich an Bord sein wollte, bevor unsere Gäste wieder heimkehrten. Ich entgegnete eine Einladung zum Aperitif an Bord der Silver Wind um 19:30 Uhr mit einem Abendessen danach an meinem Tisch.


Als die 3 Offiziere in ihrer weissen Galauniform in der Bar einmarschierten, standen unsere amerikanischen Gäste stramm und salutierten. Viele davon haben im 2. Weltkrieg im Pazifik und mit den Alliierten gegen Hitler gedient. Es war ein sehr bewegender Moment, auch für die amerikanischen Offiziere.


The Bar - Silver Wind.


Wir hatten danach ein Abendessen zusammen mit unserem Captain und ich brachte unsere Gäste kurz vor Mitternacht zurück zu ihrem Schiff.


The Restaurant - Silver Wind.


Der Kommodore drückte mir eine Medaille in die Hand und versprach mir, dass ich auf der ganzen Welt in der US Navy als Gast immer willkommen sein.


Natürlich habe ich die Medaille heute noch, man kann ja nie wissen.....


Übrigens, auch in Aqaba konnte wir die Lagerräume wieder etwas auffüllen.


Wir sind um Mitternacht ausgelaufen in Richtung Safaga, Ägypten.

 

Um 8:00 Uhr haben wir im Industriehafen von Safaga, Ägypten angelegt. Safaga ist eigentlich keine sehr schöne Destination. Aber von Safaga kommt man mit dem Bus nach Luxor und ins Tal der Könige.


Wir waren dort mit Silversea Cruises immer Übernacht, da wir eine Overland Tour zum Assuan Staudamm anboten mit einer Übernachtung in einem Hotel. Dieses Mal hatten 80 Gäste diese Reise gebucht. Das waren zwei volle Busse.


Luxor.


Das Tal der Könige.


Unser Cruise Director (Abteilungsleiter für die Unterhaltung an Bord) begleitete diese Overland Tour nach Assuan. Auch eine Crew Tour mit gut 80 Mitarbeitern fuhr an diesem Tag nach Luxor. Sie sollten um 16:00 Uhr zum Dienst zurück sein.


Assuan.


Gegen 16:00 Uhr erhielt ich einen Satellitenanruf von Cruise Director, dass die beiden Busse in einen Hinterhalt geraten seien und dass auf sie geschossen wurde. Dann hat er schon wieder aufgelegt.


Nun hatten wir keine Ahnung, ob sie es bis in ihr Hotel in Assuan schaffen würden, oder ob sie zurück nach Safaga kommen würden. Jedenfalls mussten wir vorbereitet sein, dass wir eventuell 80 Gäste mehr zum Abendessen an Bord hatten. Die normale Luxor Tour erwarteten wir gegen 20:00 Uhr zurück.


Als die Crew Tour um 16:00 Uhr nicht zurück war, ahnten wir Schlimmes. Es gab überhaupt keine Kommunikation. Der Hafen Agent erzählte uns, dass Terroristen in Oberägypten einen Anschlag verübt haben sollen.


Nach einem kurzen Meeting mit meinen Leuten beschlossen wir, am Abend ein Buffet zu servieren. So waren wir flexibel und konnten das auch mit weniger Mitarbeitern bewerkstelligen.


Wir konnten annehmen, dass unsere Gäste so richtig schön angepisst waren und wir mussten ihnen den Wind aus den Segeln nehmen. In Windeseile druckten wir Schilder und unser Empfang sah dann so aus:



Die Overland Tour kam fast zeitgleich mit der Luxor Tour zurück gegen 20:00 Uhr. Unser Empfang mit geeisten Tüchern, Champagner und einem sehr breiten Lächeln von einem Top Team verblüffte selbst die schwierigsten Gäste.


Die Crew Tour kam erst um 21:00 Uhr zurück. Das ganze obere Niltal wurde geschlossen, aber Gott sei Dank kamen alle heil nach Hause.


Am folgenden Morgen organisierten wir einen Gratis Transport für alle Gäste nach Hurghada und alle waren wieder happy.


Um 18:00 Uhr verliessen wir Safaga für den Suez Kanal.

 

Um 3:30 Uhr erreichten wir den Sammelpunkt für den Suez Konvoi und ankerten am Eingang von Suez. Die Hierarchie: Kriegsschiffe zuerst, dann Passagierschiffe und dann Frachtschiffe. Wie es der Kommodore vorausgesagt hatte, wir führten den Konvoi an von ca. 300 Schiffen an und starteten um 4:00 Uhr.



Suez.


Dazwischen ein kurzes Interview mit den Gästen.


An diesem Abend boten wir ein Dinner rund um den Swimming Pool an Deck unter den Sternen.


Nach einer langweiligen Passage mit sehr viel Wüste rechts und links erreichten wir Port Said, Ägypten um Mitternacht.


Port Said.


 

Port Said.


Am folgenden Morgen konnte man Halb- und Ganztagesausflüge nach Kairo und zu den Pyramiden nach Gizeh buchen.


Kairo.


Gizeh.


Port Said war ein sehr guter Tag für unsere Einkäufe. Mittlerweile hatten wir es mit unseren leeren Lagerräumen bis ins Mittelmeer geschafft und kein Gast hat etwas bemerkt.


Um Mitternacht sind wir ausgelaufen.


 

Um 8:00 Uhr war das Schiff im Hafen von Alexandria, Ägypten vertäut.


Meine Lieblingsstadt in Ägypten, Alexandria.


Der jüdische Friedhof in Alexandria.


Um 18:00 Uhr war Abfahrt.

 

Die nächsten zwei Tage verbrachten wir auf See und am nächsten Morgen waren wir um 8:00 Uhr in Bodrum, Türkei.



Bodrum, ein wunderschönes Örtchen.


Der wahre Luxus mit kleinen Schiffen ist, dass man Destinationen anlaufen kann, wo die grossen Schiffe nicht hinkönnen oder -dürfen.


Wieder sind wir um 18:00 Uhr ausgelaufen, nachdem wir auf dem Markt sehr erfolgreich waren.


 

Am nächsten Morgen lagen wir vor den Windmühlen von Mykonos, Griechenland vor Anker.



Hier gab es ausser frischem Fisch wenig zu kaufen. Um 16:00 Uhr sind wir ausgelaufen.


Ab Abend gab es die obligatorische Captain Farewell Party und das Farewell Dinner.


Mit sehr netten Stammgästen an meinem Tisch.


 

Nach einem ruhigen Tag auf See erreichten wir Piräus, Griechenland um 7:00 Uhr und unsere Reise war geschafft.



Die Container warteten schon an der Pier und konnten entladen werden. Auch für unsere Gäste wäre die Reise hier zu Ende. Auch für Mr. Tricceri uns seinen Sohn Emanuel. Die nächste Reise führte durch Frankreich. Emanuel war französischer Staatsbürger und sollte eigentlich immer noch seinen Militärdienst leisten.


Deshalb sind Mr. Tricceri und sein Sohn auf ihr Anwesen nach Schottland geflogen. Auch für mich war hier die Reise vorbei. Mr. Tricceri hat mir noch gesagt, ich soll ihn doch einmal besuchen kommen. Ich flog nach Zürich und landete noch am selben Tag auf dem Bühel in Egg.


Nach vier Monaten am Stück ohne einen freien Tag wird man etwas müde.


Logistikprobleme mit Containern gab es also auch schon früher, nicht nur heute in Corona- und Kriegszeiten. Aber man muss halt nach Alternativen suchen.


Unsere Gästebewertungen für diese Reise waren genau so gut wie immer in der letzten Zeit und wir gewannen den prestigeträchtigen Conde Nast Award auch im Folgejahr.



 

Das Schönste kommt wie immer zum Schluss.


Als ich zuhause die Post durchschaute war auch ein Brief von unserer Firma dabei. Er kam von unserem Präsidenten Bill Smith. Die Silver Wind machte im August eine ausgeschriebene Golfreise rund um die britischen Inseln. Dabei lud er zu einem Charity Golfturnier auf dem ehrwürdigen Gleneagles Golfplatz in Schottland ein. Auch ich erhielt eine Einladung.


Nun rief ich Mr. Tricceri in Schottland an. Ratet mal, wo der wohnte. Auf einem der drei Privat Bungalows auf dem Gleneagles Resort. Dann rief ich Dr. Harris in Liverpool an.


Im August flog ich nach Liverpool und besuchte die Familie Harris. Ich verbrachte dort drei Tage. Dr. Harris war Mitglied im Royal Lytham & St Annes Golf Club und wir spielten dort eine Runde zusammen. Auf diesem geschichtsträchtigen Golfplatz wurde schon mehrere male der Ryder Cup ausgetragen. Für ein Nichtmitglied normalerweise fast ein Ding der Unmöglichkeit, dort zu spielen.


Mrs. Harris machte eine Beatles Tour mit mir, zeigte mir den Cavern Club, die Abbey Road und die Strawberry Fields.



Abbey Road mit dden Beatles.


Danach mietete ich ein Auto und fuhr nach Schottland. Als ich bei Mr. Tricceri ankam, standen 4 Autos vor den Garagen seines Bungalows. Ein Rolls Royce, ein Bentley, ein Bentley Cabrio und ein Mercedes Jeep. Nach der Begrüssung sagte er mir, dass außer dem Rolls Royce aller Auto zu meiner freien Verfügung stünden.


Das Fünfsterne Gleneagles Hotel in Auchterarder, Schottland.


Gewohnt habe ich bei den Tricceris. Das Frühstück wurde wie Roomservice vom Hotel herüber gebracht. Das Abendessen wurde im Hotel eingenommen. Die Flasche Vega Sicilia stand natürlich schon auf dem Tisch.


Mr. Tricceri rauchte nach dem Frühstück seine Cohiba und irgendwie hatte er das Bedürfnis mir zu erzählen, wer er war.

Mr Tricceri stammte von einer normalen, gut situierten Familie in Buenos Aires. Als Zwölfjähriger wechselte er den ankommenden Besatzungsmitgliedern von Schiffen Geld, da das damals auf der Bank recht kompliziert gewesen sein soll. So hat er sein erstes Geld verdient. Seine Familie war befreundet mit der Familie Peron. Obwohl der spätere Präsident 20 Jahre älter war als er, waren sie befreundet. Peron machte eine Karriere beim Militär. Mr. Tricceri wollte das später auch. Er wurde aber nicht genommen, da er zu klein war. Also hat er angefangen mit Getreide zu handeln. Auch die Firma Mautner - Markhof gehörte zu seinen Kundschaften.


Gute Geschäfte machte er in Deutschland nach dem Mauerbau. Die Westdeutschen wollten wichtige Leute aus dem Osten freikaufen. Dafür lieferte Mr. Tricceri 150 Tonnen Weizen nach Ostberlin und schickte die Rechnung nach Bonn. In der Bildzeitung stand später zu lesen, dass die Westdeutschen den armen Brüdern im Osten geholfen haben.


Die Nähe zu Präsident Peron wurde Mr. Tricceri nach Peron's Sturz zum Verhängnis. Er zeigte mir einen Zeitungsartikel, dass er mit einem U-Boot die argentinischen Goldreserven ausser Landes geschmuggelt habe. Er sagte mir, zu diesem Zeitpunkt gab es schon lange keine Goldreserven mehr in Argentinien. Mr Tricceri wurde kurzerhand enteignet und musste mit seiner Frau, seinen acht Kindern und seinem italienischen Butler Bruno nach Europa fliehen.


Durch seinen Freund König Leopold von Belgien konnte er ein kleines Schloss am Genfersee beziehen. Irgendwann brannte seine Frau mit dem italienischen Butler durch und Mr. Tricceri brauchte ein Kindermädchen. Er stellte eine junge aufstrebende Schauspielerin ein, die Ägypterin und Französin war. Das ist die Mutter von Sohn Emanuel.


Zu seinen anderen acht Kindern hatte Tricceri kaum Beziehungen, da sie nach seinem Geschmack die falschen Partner aussuchten.


Als 1983 Carlos Menem für das Präsidentenamt in Argentinien kandidierte, schickte ihm Mr. Tricceri 3 Mio. US Dollar für seinen Wahlkampf. Mr. Tricceri zeigte mir einen Brief mit Unterschrift und Siegel von Präsident Menem in dem stand, dass er sich für sein Volk offiziell entschuldige und dass die 400 Mio. US Dollar plus Zinsen, die ihm gestohlen wurden, in Kürze überwiesen werden. Mr. Tricceri brauchte das Geld längst nicht mehr und hat alles in einer sozialen Stiftung in Argentinien angelegt.


Ich war eine Woche in Aucherarder und habe alle drei Plätze (King's, Queen's und Monarch Course) gespielt. Einfach ein Traum für jeden Golfer.


Beim Charity Turnier hat es am Morgen geregnet. Als die Gäste im Clubhaus ankamen, lief ein grosser Fernseher mit der Übertragung der Beerdigung von Lady Diana. Somit wurde der Start des Turniers von 10:00 Uhr auf 14:00 Uhr verschoben.


Im Clubhaus in Gleneagles.


In meinem Vierer Flight waren ausser mir und Emanuel Tricceri, der ehemalige Formel Eins Pilot Jacky Steward und der Original James Bond Sean Connery zugelost.


Jackie Steward betreibt in Gleneagles eine der bekanntesten Sport Schießschulen der Welt. Sean Connery war übrigens alles andere als ein Gentleman, aber ich war gewarnt. Nach der Beerdigung wollte keine rechte Stimmung aufkommen und am Abend ging man früh schlafen.


Jackie Steward Shooting School.


 

Am folgenden Morgen verabschiedete ich mich von den Tricceris und fuhr zurück nach London. Dort verabschiedende ich mich am Kensington Palace von Lady Di.


Dann ging es mit dem Flieger zurück nach Zürich.

 


In diesem Sinne........


 

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Klaus Riezler.


 


 
 











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