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Elizabeth Taylor in der Wäscherei

Sie liebte Diamanten, hatte doppelt so viele Wimpern wie Normalsterbliche und gewann zwei Mal einen Oscar - 1961 als beste Hauptdarstellerin für "Telefon Butterfield 8" und 1967 als beste Hauptdarstellerin in "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?". Berühmt-berüchtigt war die Hollywood-Diva, die ihr erstes Date nach eigenen Aussagen mit 16 hatte, aber natürlich auch wegen ihrer Männergeschichten und zahlreichen Ehen, viele Dramen inbegriffen.

Elizabeth Taylor war ingesamt acht mal verheiratet.


Es war auf der Royal Viking Star im Frühsommer 1987. Zu dieser Zeit war ich Food & Beverage Manager, also zweithöchster Offizier mit 3 1/2 Streifen in der Hotelhirarchie. Eines Tages kam vom Head Office die Nachricht, dass Elizabeth Taylor mit ihrem Ehemann Nummer Sieben, Senator John Warner als zahlende Gäste eine Kreuzfahrt gebucht hätten.




Hotel Direktor Dietmar Wertanzl lud mich und alle Abteilungsleiter an einem schönen Sonntag Vormittag auf See zu einem Meeting ein. Auf der Agenda stand der anstehende Besuch dieser Top VIPs nächste Woche, was man Spezielles offerieren könnte und wie sich wohl die übrigen Passagiere verhalten würden. Wir hatten damals sicher zu 98 Prozent US amerikanische Gäste.


Hochzeitsfoto von Senator John Warner und Elizabeth Taylor.


Nach einem langen Brain Storming wagte ich dann einen kühlen (coolen) Vorschlag. Ich dachte mir, für Menschen, die ein Leben lang nur mit dem Besten verwöhnt wurden, müsste eigentlich etwas ganz Normales das Besondere sein. Ich schlug vor, die beiden VIPs in die Chinese Laundry (Wäscherei) einzuladen. Aus Fairness muss ich gesehen, dass nicht ich dieses Format erfunden habe. Das hatte man schon seit einigen Jahren bei Royal Viking Line praktiziert, auf allen drei Schwesterschiffen.


Die Chinese Laundry befand sich tief im Bauch der Royal Viking Star auf Deck Nummer 2. Dort arbeiteten 8 Chinesen. Durch ihre atypischen Arbeitsstunden hatten sie eine eigene kleine Küche in der Wäscherei. Die findigen Chinesen wuschen die Privatkleider der Lagerarbeiter gratis, dafür gab es allerlei Köstlichkeiten für die Chinesenküche. Angefangen vom Hummer war alles vorhanden. Wir wussten das, aber es geschah ja nur in kleinen Mengen.



Das frischgetraute Paar ist dann irgendwo eingestiegen und ich haben die Stars als sehr freundliche, beinahe normale Menschen kennengelernt. Das Problem waren wie befürchtet, die Passagiere. Ständig wollten sie Fotos und suhlten sich im hellen Schein der Stars. Der Gang vor dem Penthouse Nummer zwei war ständig belagert und wir mussten erstmals eine Security installieren.


Captain Vebenstadt lud die Gäste zuerst in sein Quartier zu einem Dinner ein. Dort sprach er dann die Einladung zum Chinese Laundry Dinner aus, die dankend angenommen wurde.



Wir wurden von Elizabeth Taylor's Agentur angewiesen, keine Fotos zu machen und so gibt es von dem gesamten 14-tägigen Aufenthalt nur diese beiden inoffiziellen Bilder.


Im Dining Room mit dem Maitre D', den zwei Oberkellnern und den zwei Kellnern.



Dann kam unser großer Abend. Die höchsten sechs Offiziere hat man zum Dinner eingeladen. Das muss man sich einmal vorstellen: Es ist sehr heiß in der Wäscherei. Auf dem großen Bügeltisch hat man die Tischdecken ausgebreitet, die wir normalerweise für unseren bayrischen Bierabend verwendet haben. Die Gäste sind auf Brauerei Bänken gesessen. Von der Decken hingen die Spinnweben. Getrunken hat man aus alter Tradition einen billigen halb-süßen, leich moussierenden Mateus Rose aus Portugal und danach norwegischen Aquavit. Dazu gab es die feinsten chinesischen Speisen, wie man es an Land so nie bekam.


Diese Bild entstand auf der Royal Viking Sea 1989 mit genau dem gleichen Setup. Anlass war damals die Einladung an den US Filmschauspieler Jim Nabors (links) und an den Sohn des Meeresbiologen Jaques Cousteau Jean-Michel Cousteau (Mitte). Ich war damals bereits Hotel Direktor (rechts).


Das VIP Paar hat den Abend in der Wäscherei genossen und hat den chinesischen Laundry Master mit einem großzügigen Trinkgeld belohnt.

Abschließend darf ich sagen, dass ich in zwanzig Jahren Schiffsleben viele der Hollywood Star kennengelernt habe: Cary Grant, James Steward, Bob Hope, Charlton Heston, Richard Dreyfuss, Jerry Orbach (der Papa aus 'Dirty Dancing', Jack Lemmon, Rita Morena (die Original Anita in Westside Story) uvm. Die meisten sind einen Abend an meinem Tisch im Speisesaal gesessen. Wie schon gesagt, es waren ganz normale, herzliche Menschen wie du und ich.



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