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Fernsehen mit Kinderaugen

Bei uns zuhause auf dem Bühel in Egg hatte man schon ab 1962 einen Fernseher.


Das hat vermutlich damit zu tun, dass wir schon ab 1960 Urlaubsgäste beherbergten. Bei uns nannte man die Gäste im Dialekt 'Fremde'.


Die Familie Signon aus Köln zusammen mit unseren Schwaben aus Heidenheim 1962.

Ganz vorne im weissen Kleidchen meine Schwester Christa und ich rechts daneben in der Lederhose.


Mein Vater stammte aus Hirschegg im Klein Walsertal, wo der Tourismus nach dem 2. Weltkrieg boomte. Er hat wohl gewußt, dass man mit Gästen ein zusätzliches Einkommen hat. Also haben wir in den Sommermonaten unser Daheim evakuiert. Wir haben im Heu geschlafen, gewaschen haben wir uns in der Waschküche und gewohnt und gekocht hat man auch im Keller. Unser Kellergeschoss ist vorne ebenerdig, und unser Vater als gelernter Schreiner hat dort für uns eine Art Aufenthaltsraum gezimmert.


Bei uns in der Bündt. Ich bin ganz links zu sehen, meine Schwester vorne mit der Puppe, alle anderen Kinder sind Gäste.


Peter Kohler aus Andelsbuch (im Hinterwald als Fernsehmändle bekannt) hat 1962 den Fernseher geliefert. Man hat auf einer langen Eisenstange in der Bündt die Antenne montiert und die Verkabelung die Stube gerichtet.


Es gab genau einen Sender, den Österreichischen Rundfunk Fernsehen. Bei uns stand sicher einer der ersten Fernseher auf dem Schneckenstrich. Am Mittwoch Nachmittag um 17:00 Uhr kamen die Kinder von Unterbach herauf bis aus dem Moos in Andelsbuch herüber um das 'Kaschpeletheater' anzuschauen.


Das Sendeprogram dauerte von 17:00 Uhr bis 22:00 Uhr. Dann kam das Testbild.



Gegen 18:00 Uhr gab es entweder Englisch Kurs, Russisch Kurs oder Kochsendungen. Vermutlich bin ich deswegen später Koch geworden.



Für meinen Vater waren sämtliche Sportübertragungen immer ganz wichtig, das heisst natürlich nur der Wintersport. Die großen Schirennen wie Kitzbühel, Lauberhorn etc. wurden damals schon live übertragen. Ganz große Mode war damals Eiskunstlaufen oder der immerwährende Eishockey Krimi Russland gegen Tschechoslowakei.



Ab Mitte der 60er Jahre konnte man bei uns auch den ARD mit dem Südwestfunk im Vorabendprogramm empfangen. Um zehn vor Sieben kam das Sandmännchen und dann war Schluss mit Lustig.



Bei uns hat man immer in der dunklen Stube Fernsehen geschaut. Ich habe meinen Eltern artig 'Gute Nacht' gesagt, habe die Türe kurz auf- und zugemacht und habe mich unter dem Kachelofen versteckt.


Somit stand für mich die große weite Welt der damals hauptsächlich britischen und amerikanischen Krimi- und Wild West Serien offen.



In den Weihnachts- und Osterferien fing das Program schon um 15:00 Uhr an. Gezeigt wurden sogenannte Monumentalfilme, die auch wir Kinder anschauen durften. Diese Filme waren das Highlight für uns Kinder damals.


Das sind meine Erinnerungen an das Fernsehen in meiner Kindheit. Mein Vater ist leider sehr früh verstorben und hätte letzte Woche seinen 90er gefeiert.


Heinz Conrads hat am Anfang der Sendung 'Was gibt es Neues?' am Samstag Abend immer gesagt: Küß die Hand die Damen, Guten Abend die Herrn, Griaß euch die Madln, Servas die Buam!


In diesem Sinne, bis zum nächsten Blog.

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