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Hannibal Brooks - Erinnerungen

Vorarlberger Nachrichten 2016


Über 45 Jahre war die deutsche Fassung des Films verschollen. Durch intensive Recherchearbeit der beiden Kinobetreiber Michael Wieser (Kino Bludenz und Cinema Dornbirn) und Peter Pienz (Metrokino Bregenz) ist es jetzt gelungen, den verschollenen Film ausfindig und wieder einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Gemeinsam mit der Montafonerbahn AG und Montafon Tourismus bringen Wieser und Pienz dieses einmalige Zeugnis Vorarlberger Filmgeschichte wieder zurück in die Vorarlberger Kinos.

Die amerikanische Filmgesellschaft United Artists hat 1968 den Film Hannibal Brooks gedreht, bei dem gut fünfzig Prozent in Vorarlberg spielen.


Es waren damals ein englisches und ein amerikanisches Team sowie ein deutsches Filmteam der Bavaria Film aus München unterwegs.

 

Wie das Leben so spielt.


Bei meinen Recherchen über meine kürzlich veröffentlichte Blog Geschichte 'Körbersee, ein Hotel ohne Zufahrt und die Unternehmerfamilie Strolz' habe ich Sylvia Schramm in Schröcken besucht. Ich kannte nur ungefähr ihre Verbindung zu Hannibal Brooks.


Der deutsche Ing. Rüdiger Schramm war Architekt Er entwarf und plante die gesamten Filmkulissen für den Film Hannibal Brooks. Er besuchte Schröcken bereits Anfang April 1968 um sich ein Bild über den Drehort machen zu können.


In dieser Zeit verliebte er sich in die Tochter des Hotels Mohnenfluh, Sylvia Strolz.


Rüdiger Schramm.


Sylvia Strolz.


Rüdiger und Sylvia haben 1970 geheiratet und haben einen gemeinsamen Sohn.


 

Sylvia hat sich bereit erklärt, mir das Hannibal Brooks Album von Rüdiger Schramm zur Verfügung zu stellen.


Leider gibt es nur Bilder von den Drehorten, wo Ing. Rüdiger Schramm Kulissen entwerfen musste.

Somit haben wir die seltene Chance, die Kulissen hinter den Kulissen zu betrachten. Danke Sylvia.

 


Der Film kostete damals rund 80 Mio. Schilling, was auch in der Filmbranche als sehr kostspielig angesehen wurde.


Hannibal Brooks erschien in englischer Sprache, wobei die Soldaten des dritten Reiches und einige Statisten auch Deutsch sprachen.


Für den deutschsprachigen Raum gab es später eine deutsche Fassung.


 

Die Story


Der britische Kriegsgefangene Brooks wird als Betreuer der Elefantenkuh Lucy im Münchner Tierpark abgestellt. Nachdem dieser von Alliierten Kampffliegern bombardiert wird, erhält Brooks den Auftrag, Lucy nach Innsbruck zu evakuieren. Dabei gerät er mit der SS in Konflikt und flieht über die Alpen.

Was einst schon Hannibal konnte, das kann Brooks schon lange. Auf ihrer Flucht stoßen Brooks und Lucy des Öftern auf den Partisanen Packy, der in Österreich gegen die Deutschen kämpft. Gemeinsam erleben sie einige Abenteuer mit einer spektakulären Zugentgleisung entlang der Montafonerbahn auf dem Weg in die neutrale Schweiz.


Stephen Brooks wurde schon bald Hannibal Brooks genannt, in Anlehnung an die römische Geschichte, als 213 v. Ch. der Heeresführer Hannibal mit Elefanten über die Alpen zog.



Der Film erhielt damals keine guten Kritiken. Die Tragikkomödie, die am Ende des zweiten Weltkrieges spielte, kam nicht gut an bei den Kritikern. Vermutlich waren die deutschen Soldaten nicht so belämmert, wie im Film dargestellt. Vermutlich ging es im Straflager nicht so locker zu und her, wie im Film dargestellt. Über den Krieg macht man sich nicht lustig, war das Credo. Aber dieser Film war eben anders und war vermutlich seiner Zeit um Jahre voraus.


Die Action Szenen sind bemerkenswert und die schauspielerischen Leistungen sind durchwegs sehr gut. Heute würde man den Film wohl als coolen Roadmovie bezeichnen und bekommt von mir schon deshalb das Prädikat 'Sehenswert'.


Ich vergleiche den Film mit 'Easy Rider' der zu selben Zeit gedreht wurde. Auch dort war die eigentliche Handlung nicht das Allerwichtigste. Im Gegensatz zu Hannibal Brooks hatte 'Easy Rider' den Puls der damaligen Flower Power Zeit getroffen und wurde nach kurzer Zeit zum Kultfilm. Hannibal Brooks war eigentlich zum Scheitern verurteilt, denn an den Krieg wollte sich zu der Zeit bei Gott niemand mehr erinnern.

 

Nicht nur irgend ein Filmchen.


Für diesen Film wurden absolute Weltstars verpflichtet.


Der britische Michael Winner war Produzent und Regisseur. Er ging 1970 nach USA und machte sich einen Namen mit seinen Charles Bronson Filmen. Der bekannteste Film war wohl 'Ein Mann sieht rot'.


Michael Winner am Drehort Bregenz, Bahnhof für Hannibal Brooks.


Der deutsche Produzent Eberhard Junkersdorf erinnert sich an Regisseur Michel Winner:


 

Der Hauptdarsteller 'Hannibal' Stephen Brooks war der aus Malta stammende Oliver Reed. Reed war zu dieser Zeit bereits ein internationaler Star. 1968 entstand auch der Musical Film 'Oliver' der 1969 für 5 Oscars nominiert war und bester Film des Jahres wurde. Reed spielte auch in diesem Film mit. Übrigens war sein Onkel Regisseur im Welterfolg 'Der dritte Mann'.


Oliver Reed 1968.


Zu dieser Zeit war Oliver Reed auch als James Bond im Gespräch. Die Produzenten lehnten ihn aber auf Grund seines ausschweifenden Lebenswandels ab.


 

Der US amerikanische Schauspiele Michael J. Pollard stand 1967 als Nebendarsteller im Bestseller Bonnie und Clyde vor der Kamera. Dafür wurde er 1968 als bester Nebendarsteller für einen Oscar nominiert.



 

Der junge Wiener Schauspieler Helmut Lohner war bei Hannibal Brooks auch dabei.


Helmut Lohner.


Lohner war danach auf vielen ganz grossen Theaterbühnen zuhause und hat bei vielen Filmen mitgewirkt.

 

Die deutsche Schauspielerin Karin Baal spielte in unzähligen deutschen Filmen und Krimiserien.


Karin Bahl.


 

Die Elefantendame Aida, die im Film Lucy hiess.


Aida kam mit fünf Jahren 1940 von Thailand in Klant's Zoo nach Valkenburg, Niederlande (in der Nähe von Maastricht).

Aida überlebte dort 18 Bombenangriffe während des zweiten Weltkrieges.


Oliver Reed erhielt vom Elefanten Halter eine Woche Training um sich mit Aida anzufreunden. Es soll danach nie Probleme gegeben haben. Aida und ihr Double wurden in einem beheizbaren Tieflader von Drehort zu Drehort gefahren.


1981 starb Aida im Rotterdamer Zoo mit 46 Jahren.

 

Die Filmmusik stammte vom Franzosen Francis Lai.


1970 wurde der Film 'Love Story' ein Welterfolg zu dem Lai die Filmmusik schrieb und 1971 dafür einen Oscar erhielt.


Francis Lai.


Was vielleicht nicht so bekannt ist: Francis Lai war bereits in den 50er Jahren Begleitmusiker (Akkordeon) von Edith Pfaff. Für sie, wie auch für Juliette Gréco, Petula Clark, Ella Fitzgerald, Johnny Hallyday, Tom Jones, Nana Mouskouri, Mireille Mathieu und Frank Sinatra, schrieb er rund 600 Chansons.


Einige erinnern sich vielleicht noch an den Erotikstreifen Bilitis aus dem Jahr 1977, zu dem Francis Lai sehr einfühlsame Melodien schrieb.

 

Wie man lesen kann, hatte Hannibal Brooks schon richtige Kapazunder an Bord.


Gerade deshalb erfüllt es mich schon mit Freude und Stolz das 'making of' des Films mit euch Bloggern teilen zu können.

 

Vorarlberger Nachrichten 17.4.1968


Die Bregenzerwälder Drehplätze und Drehzeiten. Meist waren die Aufbauteams schon Tage vorher angereist.


Drehzeiten mit den Schauspielern.

Schnepfau vom 13. bis 14. Mai 1968.

Schröcken vom 15. bis 18. Mai 1968.

Egg am 2. Juli 1968.

Schwarzenberg vom 3 bis 4 Juli 1968.


Ob es da Verschiebungen gab, ist mir nicht bekannt.


 

Ich werde nun darstellen, wie der Film eigentlich entstanden ist und euch die einzelnen Drehorte vorstellen.

Viele der Bilder stammen aus Rüdiger Schramm's Foto Album.


Ich mache das in der Chronologie des Filmes und nicht nach dem Drehplan.


 

Gefangennahme des britischen Soldaten Stephen Brooks in einem norditalienischen Dorf.


Drehorte: Dachau, Grosshessenlohe, Bayern. Das Altmühltal in Bayern.


Das Halbkettenfahrzeug von Stephen Brooks.


Das zerbombte Dorf in Norditalien (aufgebaute Kulissen).



 

Isartalbahnhof Großhesselohe, Bayern


Zugfahrt durch das Altmühltal zwischen Ingolstadt und Treuchlingen. Das kleine Dorf ist Hagenacker und der Bahntunnel befindet sich am Esslingerberg kurz vor Treuchlingen.


Filmszene.


 

Gefangenenlager Stalag VII-A und der Marsch zum Tierpark.


Drehort: Ludwigsfeld bei Karlsfeld nahe Dachau, Bayern. Prinzregentenstrasse mit Friedensdenkmal München, Bayern.


Ludwigsfeld (ehemaliges Aussenlager des Kozentrationslagers Dachau).


Filmszene.


 

Bombardierung des Tierparks.


Drehort: Tierpark Hellabrunn, München.


Aufbau Gebäude.


Fichten setzen.


Das halbfertige Elefantenhaus.


Kurz vor dem Dreh.




Filmszene.


 

Gedreht wurde übrigens auch beim alten Armee Museum in München. Das Museum wurde im 2. Weltkrieg bombardiert und der Seitentrakt wurde entfernt. Dieser wurde für den Film wieder als Ruine aufgebaut.


Armee Museum München.


Flügel eines Starfighters, rechts eine Fiat G 91.


Abtransport über den Mariahilfplatz in München.


Leider wurde diese Szene aus dem Film geschnitten. Der Seitentrakt wurde übrigens erst in den 80er Jahren wieder hergestellt.

 

Vorarlberger Nachrichten 2.7.1968


Verladung von Lucy am Bahnhof München-Ost und Ankunft von

SS Standartenführer Herr von Haller.


Drehort: Hauptbahnhof Bregenz, Vorarlberg.


Bahnhof Bregenz.


Horch Sport Cabriolet.





Regisseur Michael Winner.


Filmszene.


 

Beim zehntägigen Fussmarsch mit Lucy von München nach Innsbruck. Übernachtung im Zelt.


Drehorte: Pfarrkirche St. Georg, Leiblfing bei Pettnau, Tirol. Schnepfau, Vorarlberg. Tulfes, Tirol.


Filmszene.


 

Beim zehntägigen Fussmarsch mit Lucy von München nach Innsbruck. Volksfest.


Drehort: Tulfes, Tirol.


Filmszene.


 

Vorarlberger Nachrichten 22.6.1968


Beim zehntägigen Fussmarsch mit Lucy von München nach Innsbruck. Lucy und Brooks treffen Herr von Haller auf einer Brücke.


Drehort: Egg, Vorarlberg.


Klaus Riezler aus Egg erinnert sich:

Es war vermutlich in der letzten Schulwoche vor den Sommerferien. Die Schule war um Viertel vor Zwölf zu Ende. Wir Kinder rannten alle hinunter zum Dorfbrunnen. Lucy stand am Brunnen, trank Wasser und spritzte uns an. Wir alle hatten damals zum ersten Mal einen Elefanten gesehen.


Beim Dorfbrunnen in Egg.


Nanni Odermatt aus Egg erinnert sich:

Vier Egger sassen den ganzen Tag in ihrer Tracht in einem Militärfahrzeug bei brütender Hitze und mussten auf den Dreh bei der Fluhbrücke warten. Leider fand diese Szene im Film keine Verwendung. Der Gasthof Ochsen hat die Filmcrew und Statisten den ganzen Tag bei der Fluhbrücke mit Getränken versorgt.


Genau an diesem Tag hatten Seftone und Maria Natter geheiratet. (später Cafe am Bühel). Sie hatten 'den Kaffee' im Gasthof Ochsen. Periodisch kam man mit dem Elefanten zum Löwen Brunner, um Wasser zu trinken. Die Hochzeitsgesellschaft hatte natürlich im Ochsen einen Logenplatz bei diesem Spektakel.


Lucy beim Gasthof zur Post in Egg.


Lucy steht auf der Treppe des Amann Hauses.


Das Amann Haus vorne links zu sehen wurde später abgetragen.


Auch die Gemeinde Schwarzenberg stand im Drehplan.


Lothar Fetz aus Schwarzenberg erinnert sich:

Der Elefant kam zu Fuss von der 'Reste' in Schwarzenberg nach Schwarzenberg. Der Elefant wurde im Stadel neben dem Gasthaus Ochsen eingestellt. Ein Bauer musste mit einem Handkarren vom Tanzhaus bis zum Friedhof vorbeilaufen.

Leider fand auch diese Szene keine Verwendung im Film.


Hans Ritter erinnert sich:

Der Elefant wurde bei uns vor dem Haus (Pension Ritter Bersbuch) abgeladen. Man hat ihm Hausschuhe angezogen, damit es ihn auf dem Kopfsteinpflaster der alten Brücke nicht 'gestupft' hat.


Filmszene.


 

Beim zehntägigen Fussmarsch mit Lucy von München nach Innsbruck. Der deutsche Soldat wird erschlagen und in einem Steinbruch verscharrt.


Drehort: Steinbruch Mellau, Vorarlberg. Kurze Szenen in Schnepfau und bei einer Szene glaube ich die Schnepfegg zu erkennen.


Lucy, angehängt an einem Traktor, auf dem Weg zum Drehort in Mellau, Unterrain.


Filmszene im Steinbruch in Mellau.

Beide Bilder wurden von Jakob Kohler Mellau, Unterrain gemacht.


Filmszene.


Alois Vogt aus Mellau hat mich auf diese Szene aufmerksam gemacht:

Unter den Statisten bei der zweiten Steinbruchszene waren auch Vogt Otto, Vogt Kaspar und Hänsler Werner, alle aus Mellau.

 

Brooks flüchtet mit Lucy über die Alpen in Richtung Schweizer Grenze. Dort treffen sie auf ein verlassenes Bergdorf.


Drehorte: Schröcken, Hotel Mohnenfluh, Schröcken, Vorarlberg.


 

Ankunft des deutschen Filmteams am 20.4.1968 in Schröcken.


Schnee stand keiner im Drehbuch, also weg damit.


Beginn der Schneeräumung am 23.4.1968.


In Schröcken hatte man einen Waggon Kunstdünger (Thomasmehl) bestellt, damit der Schnee schneller schmilzt. Im Sommer gab es wahrscheinlich einen guten Heuertrag.


Situation am 13.5.1968. Ein Tag vor Drehbeginn. Zum Schrecken aller gab es in der Nacht noch einmal 10 cm Neuschnee.


Das präparierte Hotel Mohnenfluh.


Drehbeginn am 14.5.1968


Das verlassene Dorf Schröcken.


Das zugenagelte Hotel Mohnenfluh.


Die Miss Austria 1967 Christl Bartu aus Bludenz mit Elefantendame Lucy in Schröcken.

Filmszene.


 

Brooks flüchtet mit Lucy über die Alpen in Richtung Schweizer Grenze. Brooks verunfallt mit dem Kübelwagen.


Drehort: Axamer Lizum, Tirol.




Filmszene.


 

Brooks flüchtet mit Lucy über die Alpen in Richtung Schweizer Grenze. Lucy hat Mumps und muss zum Doktor.


Drehorte: Unterkirchen, nahe Leutasch, Tirol. Schnepfau, Vorarlberg. (den See konnte ich leider nicht eruieren, aber ich vermute den Achensee).


Helga Felder aus Schnepfau erinnert sich:

Der Elefant war im Stadel von Georg Wirthensohn im Neugut untergebracht. Man musste vorher extra einen Boden im Stadel betonieren.


Filmszene.


 

Der Schäferhunde-Sportverein Lustenau.


Vorarlberger Nachrichten 19.7.1968


 

Brooks flüchtet mit Lucy über die Alpen in Richtung Schweizer Grenze. Willi besucht seine kranke Mutter. Danach Verfolgung durch die Nazis.


Drehort: Das heute denkmalgeschützte 'Rote Haus' der Geschwister Karl und Fina Moosmann in Schnepfau. Fina Moosmann spielte die kranke Mutter.


Filmszene.


 

Brooks gerät in Gefangenschaft.


Drehort: Schloss Friedberg in Volders, Tirol


Filmszene.

 

Florian Felder aus Schnepfau erinnert sich:

Ich habe damals im Hotel Post in Bezau an der Bar gearbeitet und durfte die Stars bedienen. Es waren durchwegs nette und spendable Leute.


Vorarlberger Nachrichten 25.5.1968


 

Wiedersehen mit Lucy.


Drehorte: Unterkirchen, Tirol. Schnepfau, Vorarlberg.


Helga Felder aus Schnepfau erinnert sich:

Der alte Mann, der das Vieh durch das Dorf treiben musste, war Gallus Moosbrugger (Bartles Galle).


Filmszene.


 

Vorarlberger Nachrichten 18.5.1968


Anschlag auf den deutschen Militärzug.


Drehorte: Tschagguns und St. Anton im Montafon, Vorarlberg.



Zusammenfassung eines 8 seitigen Artikels aus Karl Zwirchmayr; 90 Jahre Montafonerbahn AG (Feldkirch 1994):


1968 suchte die Londoner Filmproduktionsfirma „M. Winner Ltd.“ für das Spielfilmprojekt „Hannibal Brooks“ eine Bahnstrecke, auf der ein mit Panzerattrappen beladener Güterzug in voller Fahrt nach einer Entgleisung in einen Fluss stürzen sollte.


Nach der Absage vieler europäischer Bahnverwaltungen stieß man auf die Vorarlberger „Montafonerbahn AG“ . Die Privatbahn war nach Abschluss umfassender haftungs- und versicherungstechnischer Verträge bereit, die Dreharbeiten auf ihrer Strecke durchzuführen.


Umfangreiche und schwierige Vorbereitungsarbeiten folgten. Neben der Planung für einen Schienenersatzverkehr während der Arbeiten mussten unzählige Genehmigungen von den diversen Behörden eingeholt werden, die wiederum mit allen nur erdenklichen Auflagen verbunden waren. Man musste Fahrbetriebsmittel suchen bzw. beschaffen, die man bei dem „geplanten“ Zugsunglück zerstören konnte. Die Gleisanlagen mussten umgebaut werden, damit die Garnitur entgleiste und in den Ill-Fluss stürzte und auch die Bergung der Wracks aus dem Flussbett nach dem Absturz machte eine aufwendige Organisation notwendig. Die technisch anspruchsvolle Aufgabe musste auf Anhieb klappen, eine Wiederholung war aus Kostengründen nicht möglich.


Michael J. Pollard mit Gattin.


Regisseur Michael Winner während einer Drehpause.


Hauptdarsteller Oliver Reed.


Im Album von Rüdiger Schramm steht 'Die bestbezahlten Leute'?



Der Film „Hannibal Brooks“ spielt gegen Ende des zweiten Weltkrieges. Das Drehbuch sah vor, dass ein deutscher Militärzug, bestehend aus einer Dampflok, einem Kesselwagen und 5 mit Panzern beladenen Flachwagen durch eine von Widerstandskämpfern durchgeführte Schienensprengung zur Entgleisung gebracht werde. Die Sprengladung explodierte jedoch nicht und der Zug fährt weiter. Währenddessen haben deutsche Soldaten den flüchtigen englischen Kriegsgefangenen Hannibal Brooks mit einem Elefanten in einem Waldarbeiterlager am Hang oberhalb der Bahnstrecke aufgespürt und beschießen ihn. Brooks hätte den Elefanten aus dem Münchner Zoo wegen der Bombardierungen in Sicherheit bringen sollen, floh aber mit dem Tier in die Berge…


Herstellung der Baumstämme aus Kunststoff.


Die starken Männer.


Präparation des Holzstapels.


Beim Dreh in St. Anton im Montafon.


Um sich zu retten, veranlasst Brooks, dass der Elefant einen Stapel Baumstämme umdrückt, damit diese den Hang hinabkollern, um die heraufstürmenden Soldaten zu überrollen. Dies gelingt auch und die Stämme bleiben kreuz und quer am Streckengleis liegen. Kurz darauf kommt der Güterzug, die Lokomotive kracht in voller Fahrt in die Baumstämme, entgleist, stürzt um und reißt die ganze Garnitur mit in das tief unten liegende Flussbett…


Verladung der Panzer Tiger IV Attrappen ins Bahnhof Tschagguns.


Als „Zuglok“ für den Filmzug kaufte die Montafonerbahn von den ÖBB die Dampflok 93.1340, die wegen des bevorstehenden Ablaufs der „Kesselfrist“ abgestellt und verschrottet werden sollte. Bei Streckenkilometer 6 fand man nach einer Kurve die richtige „filmgerechte“ Stelle für den Entgleisungspunkt bzw. Absturz in die Ill. Dort wurden die Schienen der bestehenden Strecke unterbrochen und ein (im Film getarnter) Gleisbogen Richtung Abgrund errichtet. Davor wurden echte Baumstämme aufgeschlichtet, jene Stämme, welche für die Filmszene die den Hang hinaufstürmenden Soldaten überrollen sollten, waren aus Kunststoff.


Kurz vor dem alles entscheidenden Dreh, bei dem es nur einen 'Take' gibt.


Aida und Oliver Reed sind bereit.


In den Mittagsstunden des 25. Mai 1968 war es soweit: Die unter Dampf stehende Lok der Reihe 93 wurde einige hundert Meter vor der Filmstelle mit den angehängten Wagen vom Lokführer in Fahrt gesetzt. Der Regler für die Dampfzufuhr wurde arretiert und der Lokführer sprang ab. Mit ca. 60 km/h fuhr die Garnitur über das ins „nichts“ führende Gleis und stürzte drehbuchgerecht über den steilen Hang in die Ill… Die 67 Tonnen schwere Lok kam im Flussbett zum liegen, der Kesselwagen bohrte sich in den Hang und die Panzerattrappen wurden von den stürzenden Wagen geschleudert!


Der Zug rollt heran. Lokführer Franz Hajek aus Bludenz setzte den Zug in Gang und sprang nur Sekunden vor dem Absturz ab.


Aufprall der Dampflokomotive auf einem Felsen in der Ill.


Die Explosion des Tankwaggons.



Das mit 11 Kameras aus verschiedenen Positionen aufgenommene Spektakel war ein voller Erfolg! Gleich darauf begannen die Aufräumarbeiten, die Lok samt Wagen wurden mit Schneidbrennern zerschnitten und die Teile mittels eines Autokranes geborgen.


Margarethe Battlogg erinnert sich:

Frau Batlogg führte damals die Pension Zalanz und ihr Mann war Bürgermeister in St. Anton. Die gesamte Filmcrew logierte damals in der Pension Zalanz. Es waren sehr freundliche Leute und das Trinkgeld hat gepasst.


Filmszene.


 

Vorarlberger Nachrichten 6.3.1968


 

Die SS Soldaten entdecken Brooks und Lucy auf der Flucht in die Schweiz.


Drehorte: Tschengla und Lünersee Bahn, Brandnertal, Vorarlberg.


Filmszene.


 

Brooks trifft Herr von Haller und Vronia.


Drehort: Bergstation Grabsbahn, Tschagguns, Montafon, Vorarlberg.


Filmszene.


 

Vorarlberger Nachrichten 17.4.1968

 

Der Showdown am deutschen Grenzposten.


Drehort: Üble Schlucht, Laterns, Vorarlberg.


Das von Ing. Rüdiger Schramm angefertigte Modell des Wachturmes, der in die Schlucht stürzen musste. Die obere Plattform wurde für 30 Personen berechnet und der eigentliche Holzturm wog 35 Tonnen.



Der fertige Turm oberhalb der Schlucht.


Der Luftstollen wurde mit Styropor verkleidet und bemalt.



Der Blick vom Turm in die Tiefe. Ca. 350 Meter.


Der Wachturm kurz vor dem Dreh. Die untere Stütze wurde mit einem Seil weggerissen.


Erstes Kamerateam.


Übrig blieb nur das Seil.....


.....und etwas Staub.


Zufriedene Gesichter nach dem Absturz.


Filmszene.


 

Der Schweizer Grenzposten und Ende des Films.


Drehort: Gurtis, Vorarlberg.


Der Schweizer Grenzposten.


Endlich in Freiheit.


Filmszene.


 

Die Uraufführung fand am 13. 3.1969 in London statt. Die deutsche Erstaufführung war am

9. Oktober 1969.


Vorarlberger Nachrichten 5.12.1969

 

Dieser Beitrag enthält Symbole und Phrasen aus der NS Zeit, die zu dokumentarischen Zwecken dienen.

 

Ich möchte mich bei den folgenden Personen recht herzlich bedanken bei:


Sylvia Schramm, Schröcken für die Bereitstellung des Fotoalbums von Rüdiger Schramm und der vielen Informationen.


Michael Wieser Einhorn Film, Nenzing und bei Michael Kaier für die Informationen.


Nanni Odermatt Egg, Lothar Fetz Schwarzenberg, Helga und Florian Felder Schnepfau, Margarethe Battlogg St. Anton i.M. Alois Vogt Mellau, Jakob Kohler Mellau für die Informationen und lustigen Geschichten.



 

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Alle meine Blog Beiträge sind unentgeltlich. Aber ich würde mich sehr über einen Besuch in meiner kleinen Bar in Egg, Großdorf freuen.


Klaus Riezler.


 

Die Vernissage ist ab Montag 27.12. Corona-bedingt von 17:00 bis 22:00 Uhr geöffnet.


 
 

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