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Holdo Hanso Wise - Lebenskünstler


In diesem Blog möchte ich vor allem Alois Waldner's Tätigkeit als Fotograf erörtern. Das hat seine Gründe und dazu komme ich später.


Ich veröffentliche in diesem Beitrag viele Bilder von Egg und von Egger und Großdorfer Leuten. Es wäre schön, wenn dieser Beitrag geteilt und auch den älteren Semestern gezeigt werden könnte. Danke.



Nun aber zu Alois Waldner, vulgo Holdo Hanso Wise.


Ich kann mich gut an diesen irgendwie geheimnisvollen Mann erinnern. Meine Familie war 1968 auf der Alpe Erles Finne. Ich war damals 11 Jahre alt. Im Frühjahr und Herbst mussten meine jüngere Schwester Christa und ich von dort aus jeweils für 2 - 3 Wochen zur Schule nach Egg. Auf halber Strecke auf dem Vöglerbrand besuchten wir oft Wise. Ich empfand ihn immer als sehr netten Mann.


Gemälde von Alois Waldner. Toneles Finne und Erles Finne (Obere Finne).


Unser Schulweg damals. Heute stünden meine Eltern dafür vermutlich in der Zeitung.



Alois Waldner wurde 1900 in Egg, Halden 104 geboren. Er war das fünfte von acht Kindern von Johann Waldner, Egg und Elisabeth geb. Felder aus Andelsbuch.


Egg, Halden 104.


Bereits in der Schule erkannte Lehrer Josef Matt das Maltalent von Wise.


Knabenklasse aus dem Jahr 1906 mit Lehrer Josef Matt (mit Hut).


1911 verstarb die Mutter Elisabeth. Dies war ein schwerer Schlag für die ganze Familie und besonders für Wise, der ein inniges Verhältnis zu seiner Mutter hatte.


Eine späteres Bild um 1925.


vorne: Maria Katharina, Vater Johann, Hans.

hinten: Alois, Isabella, Margaretha, Josef.


Zwei Geschwister starben in jungen Jahren.


Maria Anna Waldner 1895 bis 1903

Josef Waldner 1897 bis 1906



Der Egger Jahrgang 1900 wurde im Jänner 1918 gemustert. Laut Gemeindechronik war Alois nicht tauglich. Im Gegensatz zu seinem Bruder Hans musste er nicht mehr in den Weltkrieg einrücken.


Alois Waldner, 3. Reihe ganz links.



Wise trat 1923 bei den Salvatorianern in Lochau/Hörbranz ein und einen Monat später wieder aus.

Es laufe daheim viel harmonischer ab, wie im Kloster sagte er als Begründung.



In dieser Zeit entstanden Wise's erste künstlerischen Werke. Er malte und zeichnete vor allem Portraits und sogenannte Heiligenbilder.



Auch Schwester Maria Katharina hatte ein künstlerisches Talent. Diese Zeichnung entstand in der Schulzeit von Maria Katharina Waldner.



Er verdiente seinen Lebensunterhalt zusätzlich als Älpler, Senner, Heuer und Melker.


Egg, Eggatsberg


Sein Bruder Josef studierte später in Innsbruck Theologie und wurde 1939 zum Priester geweiht. Schwester Margaretha trat in das Kloster der Barmherzigen Schwestern in Innsbruck ein.


Es ist anzunehmen, dass Bruder Josef Alois überzeugte, die Malschule von Anton Kirchmayr in Innsbruck zu besuchen. Aber Alois war ein Freigeist und der tägliche Stundenplan passte so gar nicht zu Wise's Lebensphilosophie. Also kehrte er wieder zurück in den Bregenzerwald und nahm seine gewohnte Arbeit wieder auf.


Wise und sein Bruder Josef beschäftigten sich beide auch mit der Fotografie.


Dieses Bild entstand in den 20er Jahren.


Alois Waldner.


Ab 1930 festigte sich Wise's Ruf als Kunstmaler. In dieser Zeit entstanden zum Beispiel die Marienkrönung und Christi Auferstehung, beide in der Pfarrkirche Großdorf. Auch die Kreuzwegstationen in der Pfarrkirche Mellau entstanden in dieser Zeit.


Über das Gesamtwerk von Alois Waldner veranstaltete der Kulturverein Bahnhof in Andelsbuch 2008 eine umfangreiche Ausstellung. Dazu komme ich später noch.



Er heiratete im Jänner 1934 die um 2 Jahre jüngere Anna Feldkircher aus Egg.



Eine Woche später erwarb er das bescheidene Anwesen auf dem Vöglerbrand in Egg.



Am 2. März 1935 kam Sohn Hans zu Welt.

Acht Tage nach der Niederkunft verstarb Frau Anna noch im Kindbett in Bregenz.


Wise's Cousine Anna Felder betreute Hans die ersten 2 Monate in Wise's Wohnung in Ebenwald. Danach kam Hans zum Taufgötte Alois Felder nach Andelsbuch ins Moos.

Hans wuchs bei dieser Familie (Senno Wises) auf.


1937 verstarb Vater Johann Waldner mit 80 Jahren.


Wise und der zweite Weltkrieg.


Wise bewohnte vom Herbst 1937 bis März 1938 ein Zimmer bei der Familie Feurstein in Egg, Hub um dort zu malen. Am Tag des Anschlusses packte Wise seine Habseligkeiten auf einen 'Horner' und zog auf den Vöglerbrand.


Wise war ein bekennender Gegner des Nazional Sozialismus und lehnte sämtliche totalitären Ideologien ab.


Als er sich über den Abtransport von geistig behinderten Menschen vom Vinzenzheim, Egg äußerte, wurde er angezeigt. Er wurde verhaftet und kam für 3 Wochen in Schutzhaft nach Bregenz.


1942 heiratete Wise die aus Egg, Unterbach stammende Angelika Meusburger. Sie war 10 Jahre älter als Wiese.


Angelika war von ihrem neuen Zuhause auf dem Vöglerbrand nicht gerade angetan und blieb in Unterbach. So pendelte Wise auf und ab.


Hochzeitsbild mit Sohn Hans.


Vöglerbrand.



Im September 1944 begann der deutsche Volkssturm. Nun sollte von 16 bis 60 Jahren jeder noch Hitler's sinnlosen Krieg gewinnen.


Auch Wise erhielt einen Einberufungsbefehl nach Bregenz. Dieser wurde am Bahnhof in Egg abgestempelt. Wise stieg im Bahnhof Lingenau aus und versteckte sich im Vorsäß Musare (unterhalb von Ittensberg). Er hielt sich auch an anderen Orten versteckt. Seine Frau Angelika versorgte ihn mit dem Notwendigsten.


Nach der Vorsäßzeit im Hammaratsberg zog Wise mit Frau Angelika und Hans auf den Vöglerbrand. Noch in der selben Nacht umstelle die Gestapo das Haus.

Wise wurde abermals verhaftet und musste wieder nach Bregenz. Danach wurde er wegen Wehrdienstverweigerung zuerst in Graz und dann in Wien inhaftiert.


Vöglerbrand


Wise und Angelika mit Gast am Vöglerbrand.


Wise hatte grosses Glück. Mit Wehrdienstverweigerern machte man damals kurzen Prozess.

Als die Russen vor den Toren Wien's standen, flüchteten die Gefängniswärter und die Gefangenen wurden ihrem Schicksal überlassen.


Anfang April 1945 befand sich Wise in Leoben in der Steiermark. Dort malte er Portraits für die amerikanischen Soldaten und hielt sich über Wasser. Mit seinen Zeichnungen als Zahlungsmittel konnte er sich bis zu Schwester Margaretha ins Kloster nach Innsbruck durchschlagen.


Wise hatte es geschafft ohne Entlassungspapiere, Soldbuch oder Passierschein und vorbei an den französischen Besatzern wieder nach Egg zu gelangen.



Für Alois fing nun wieder das gewohnte Leben an. Er malte und ging seinen bäuerlichen Tätigkeiten nach.



Als Gide Meusburger in Egg Unterbach heiratete, war für Angelika dort im Haus kein Platz mehr. Man baute eine kleines Haus daneben für Wise und Angelika.


Wise mit Frau Angelika und Sohn Hans auf der Halden.


Wise war aber lieber in Ebenwald und kaufte das Haus Ebenwald 109 (das spätere Haus von Adalbert Pfanner).


Eggatsberg, Hütte von Rosamunde Moosbrugger. Familie Waldner mit Gast.



Als Wise's Frau 1955 plötzlich starb, verfrachtete Wise seine gesamte Habe in das Haus in Ebenwald.



Bereits Anfang der 1950er Jahre ließ Pfarrer Ulrich Haag in Großdorf die Kirche renovieren. Dabei wurde die Marienkrönung von Wise übermalt. Wiese war zutiefst gekränk. Daraufhin trat Wise aus der Kirche aus. Als sein 1952 gemaltes Hauptaltarbild der Pfarrkirche Ittensberg 1963 abmontiert und ins Stiegenhaus verlegt wurde, bekräftigte das seinen Entschluss.

Pfarrkirche Ittensberg.



1959 verkaufte er das Haus 109 in Ebenwald an das junge Paar Adalbert und Edith Pfanner (Onkel und Tante von mir).


Waldner kaufte ein angrenzendes Grundstück am Vöglerbrand und war fortab nur noch auf dem Vöglerbrand zuhause.


Das Haus am Vöglerbrand 244.


Von nun an lebte er dort allein in der Einöde. Aber ich glaube nicht, wie vielfach behauptet, dass er ein Eremit war. Es mochte die Geselligkeit und in den 60er Jahren war es für die Jungen üblich, am Sonntagnachmittag Wise auf dem Vöglerbrand zu besuchen.



Er gehörte noch zur Kategorie Jäger und Sammler und war so ziemlich Selbstversorger.


Vordere Reihe: Wise, Marie und Gottfried Meusburger, Angela und Seppl Feuerstein.

Hintere Reihe: Fritz Meusburger, Karl Willi, Ludmilla Meusburger, ?, Katharina, Margreth und Tone Pferscher.


Wise an der Gitarre bei einer Nahtschtubat im Schwendetobel um 1960.



Marianne Walder, Hilda Cernenschek und 'Molars Herbert' am Vöglerbrand bei Wise.


Aus dem Buch 'Alois Waldner Einsiedler und Rebell'.



Portraitarbeit: Aus dem Buch 'Alois Waldner Einsiedler und Rebell'.



Wise bei der Arbeit am Vöglerbrand.


1977 erschienen 2 Kochrezepte von Wise Waldner in den Vorarlberger Nachrichten.



1982 zog Wiese auf Grund seiner Altersbeschwerden nach Andelsbuch zu Sohn Hans mit Gattin Brunhilde.


1983 trat Wise nach einem Gespräch mit Ortspfarrer Anton Schmid wieder in die Kirche ein.


1988 ist Alois Waldner nach einem bewegten Leben verstorben.



Zum 20. Todestag von Alois Waldner organisierte der Kulturverein Bahnhof Andelsbuch 2008

eine grosse Ausstellung mit über 200 Leihgaben von Künstler Alois Waldner.


Die Ausstellung unter der Leitung von Margarete Broger und Karin Ritter wurde von Thomas Schiretz kuratiert.


Die Lebensgeschichte wurde von Benno Pfanner und Tone Geser recherchiert und zusammengetragen.



Dieser herrliche Bildband mit der Lebensgeschichte und Texten von Norbert Mayer, Anton Moosbrugger und Christian Zillner und der fotografischen Aufbereitung von Adolf Bereuter

und Gerold Wehinger ist nach wie vor in der Edition Bahnhof für 27 Euro erhältlich: www.bahnhof.cc



Nun aber zu Holdo Hanso Wise - dem Fotografen.


Nach dem Ableben von Adalbert Pfanner im Jahr 1990 kamen im Haus in Egg, Ebenwald die Glasplatten Negative der Fotografien von Alois Waldner auf dem Dachboden zum Vorschein.


Diese nahm Gregor Schneider (Gore) in Egg, Unterbach in Gewahrsam. Gore ist ein Cousin von Adalbert und meiner Mutter.



Im Jahr 2014 erzählte mir meine Mutter, dass Gore Bilder von Wise habe.



2014 wurde das Bregenzerwald Archiv in Egg, Loco eröffnet.


Eröffnung Bregenzerwald Archiv im September 2014.


Archiv Leiterin Frau Mag. Katrin Netter.


Gore brachte die Glasplatten ins Archiv, dort wurden die Negative entwickelt und digitalisiert.


Danach machte sich Gore daran, die Leute auf den Bildern zu identifizieren. Die Glasplatten waren nicht beschriftet. Viele der Leute auf den Bildern kannte er noch persönlich.


Ich bekam damals die Bilder mit der Erlaubnis von Gore aus dem Archiv.



Es trafen sich an einem Nachmittag meine Mutter, Gore, Nachbar Tone Fink mit seiner Schwester Margreth und die ehemalige Nachbarin Lisl Greber (Rehm). Ich zeigte die Bilder damals auf einem Beamer im Großformat. Zum Schluß wurden zu 95 Prozent die Leute auf den Bildern vom 'Rat der Weisen' erkannt und ich habe sie in die Folien eingetragen.


Diese Informationen gab ich dann an Frau Netter im Archiv weiter.


Die Bregenzerwald Archiv Arbeit ist enorm wichtig, um Ehemaliges zu dokumentieren und zu bewahren. Das Archiv hat fixe Öffnungszeiten, da kann man sehr wohl Einsicht ins Archiv nehmen.


Aber ganz ehrlich, wie viele gehen wirklich ins Archiv und fragen nach Bildern ihrer Vorfahren?


Ab und zu gelangen dann solche Foto Schätze über das Landesbibliothek Medium Volare an die Öffentlichkeit. Aber eben auch nur an solche, die im Internet unterwegs sind.



Bei diesem Bild Fundus von Alois Waldner handelt es sich großteils um Bilder vom Schneckenstrich und der Gemeinde Egg. Aber viele der fotografierten Leute sind in andere Gemeinden verzogen, speziell die Frauen habe sich mit Männern aus anderen Gemeinden verehelicht.


Deshalb glaube ich, dass dieser Blog Beitrag nicht nur für die Egger Bevölkerung interessant sein könnte. Ich möchte damit einfach nur mitteilen, dass es diese Bilder gibt und dass man sie sehr wohl im Archiv bekommen kann.


Wiese hat bei vielen Portrait Aufnahmen selbstbemalte Stoffrollen, die er oft bei sich im Stadel oder aber bei seinen Kundschaften aufhängte, als Hintergrund benutzt.



Bei diesem Fundes handelt es sich um Fotografien von 1920 bis 1938.


Mir wäre es ein Anliegen, die folgenden Bilder auch den älteren Generationen zu zeigen.


Die beschrifteten Folien im Überblick.