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Körbersee, ein Hotel ohne Zufahrt und die Unternehmerfamilie Strolz, Teil I

Das Körbersee Hotel wurde 1930 wegen der neuen Strasse gebaut. Nur, wo blieb die Strasse?

Wie kam es dazu? Als Labungsstation für die Hirten der Alpe Körb hat man das Hotel damals vermutlich nicht erbaut. Als neugieriger Walser und Wälder muss ich der Sache natürlich auf den Grund gehen.


Diese spannende Dokumentation erscheint in 3 Teilen.


Heute nennt es sich Berghotel Körbersee. Das Refugium der Familie Schlierenzauer wird mittlerweile in dritter Generation von Tochter Ulrike geleitet.



Aber ein Hotel in der heutigen Zeit ohne Verkehrsanbindung? Mir kommen mondäne Schweizer Tourismus Orte wie Zermatt, Mürren, Saas Fee oder Wengen in den Sinn. Die haben zwar die Autos verbannt, aber es gibt Schienenersatzlösungen und andere Alternativen. Aber ein Hotel, dass nur auf Schuster's Rappen zu erreichen ist, oder mit den Fahrrad im Sommer und mit den Schiern im Winter, ist schon einzigartig. Zumindest kann der Gast das Gepäck mit der Materialseilbahn von Schröcken herauf befördern lassen.



Und noch für alle, die noch nie zum Körbersee hinüber oder hinauf gewandert sind:

2017 nannte Armin Assinger in der ORF Sendung Neun Plätze - Neun Schätze das Natur- und Pflanzenschutzgebiet Körbersee in der Walsergemeinde Schröcken 'des schianste Platzerl in Österreich.


Bilder vom ORF Studio in Wien.




'Do pfeifen die Komantschen.'


Ein kurzer historischer Rückblick über den Tannberg.


Es gab wohl viele Tannen?

Der Tannberg ist eine Walsersiedlung. Dazu gehören die heutigen Gemeinden Lech, Warth und Schröcken. Die spätere Gemeinde Schröcken wurde von Lech her über Bürstegg und das Auenfeld besiedelt. Darüber gibt es genügend Literatur und ich möchte mich damit nicht aufhalten.


Wir haben in der Volksschule in Heimatkunde gelernt, dass Krumbach (das heutige Hochkrumbach) der Hauptort der Walser war, weil dort das Gericht stand. Eigentlich geographisch logisch, liegt Hochkrumbach so ziemlich in der Mitte der Vorarlberger Walser Siedlungen. Wir haben auch gelernt, dass man sämtliche Wälder abholzte und in einem strengen Winter die Kirchenbänke der Kirche auf dem Simmel verheizen musste. Tatsache ist, dass auf Hochkrumbach einmal 60 Menschen ganzjährig lebten und um 1900 nur noch das Gasthaus Adler ganzjährig bewohnt war.



Hochkrumbach mit dem Kirchlein, dem Pfarrhof und dem Gasthaus Adler.


Was vielleicht nicht jeder weiss, der majestätische Widderstein wurde von den Walsern jahrhundertelang der Mittelberg genannt.



Was sicher ist, dass das Geschlecht Jochum in Schröcken verankert ist und mit Wüstner zu den ältesten Walsergeschlechtern gehört.


Erwähnenswert ist auch noch, dass ab dem 15. Jahrhundert über den Tannberg der Salzsaumpfad führte. Noch im 1900. Jahrhundert wurde auf Pferderücken das weisse Gold aus Hall in Tirol vom Lechtal herauf über den Tannberg, durch den Bregenzerwald bis nach Süddeutschland und durch das große Walsertal bis in Schweiz gesäumt. Es gab also einen Saum- und Karrenweg.

Ansonsten waren die Tannberg Gemeinden verkehrstechnisch von der Aussenwelt abgeschnitten.


Ein späteres Bild der Alpkäsesäumer Franz Anton und Alois Madlener in Schröcken.


Wichtige Saumpfade führten auch über den Gemstelpass ins Kleinwalsertal und über den Schrofenpass nach Oberstdorf, Deutschland.


Schrofenpass.



Im Jahr 1639 wurde auf dem Heimboden in Schröcken die Pfarrkirche eingeweiht. Vorher musste man zum Kirchgang übers Auenfeld nach Lech. Nach mehreren Lawinenopfern, hatte man sich entschlossen, eine eigene Pfarrkirche zu bauen. Die Kapelle am Unterboden dürfte schon vorher erbaut worden sein. Ein grosses Problem waren Bestattungen im Winter. Die Leichname wurden entweder eigefroren oder aber in den Rauch gehängt, um der Verwesung vorzubeugen.


Ein Kunststich von Schröcken, Heimboden vor dem Dorfbrand.

Im Vordergrund das Gasthaus Ochsen.



Ein Dokument vom Gasthaus Ochsen noch lange vor dem Dorfbrand.


Übersetzung:

Dem Wirt Franz Xaver Jochum in Schrecken wird bewilliget am Montag den 9. Juli diesen Jahres bis Abends 10 Uhr Tanzmusik halten zu dürfen, wird jedoch unter einem zur Haltung guter Ordnung verantwortlich gemacht.

Bludenz am 7. Juli 1838

Albrecht


Dokument in Besitz der Familie Fritz Moosmann, Hotel Tannberg.


Der Dorfbrand auf dem Heimboden am 28. 8.1863. Das Feuer entstand im Ofen der Backstube im Gasthaus Ochsen. Das eigentliche Dorfzentrum bestand damals aus der Kirche und drei Häusern.


Feldkircher Zeitung 2.9.1863


Volks- und Schützenzeitung 4.9.1863


Das Dorf Zentrum auf dem Heimboden wurden in den folgenden Jahren an der selber Stelle wieder aufgebaut. Nur der Ochsen wurde etwas unterhalb der Kirche neu errichtet. (heute Hotel Gasthof Tannberg)




Der damalige Ochsenwirt Franz Xaver Jochum.


Vorarlberger Volksblatt 8.4.1870



Peter Schwarzmann aus Hischegg, Kleinwalsertal war Adlerwirt auf Hochkrumbach.


Vorarlberger Volksblatt 19.8.1873



Schon damals waren Touristen unterwegs.


Vorarlberger Volksblatt 16.6.1876

Hopfreben, Schoppernau.


Der Postkutschen Fahrplan vom Bregenzerwälderhof in Schwarzach nach Bad Hopfreben.


Vorarlberger Tagblatt 6.7.1883




Peter Schwarzmann aus Hirschegg im Kleinwalsertal war Adlerwirt auf Hochkrumbach. Zuviel Frömmigkeit kann auch tödlich sein.


Innsbrucker Nachrichten 8.3.1887


Der Vorarlberger 23.10.1891


Das Gasthaus Adler in Hochkrumbach war bis 1890 in Besitz von Peter Schwarzmann aus dem Kleinwalsertal.


Danach kaufte Peter Muxel aus Au den Adler. Nach einer Krankheit verkaufte er den Adler 1902 an einen Ferdinand Rüf.


1907 hatte Theodul Fritz aus Hirschegg, Kleinwalsertal das Gasthaus Adler erworben.



Theodul Fritz erhielt jährlich 120 Kronen Zuschuss von den umliegenden Gemeinden, um das Gasthaus auch in den Wintermonaten offen zu halten.


Der Strassenbau und die Verkehrsanbindung an das Vorarlberger Unterland waren von elementarer Bedeutung für die Entwicklung der Gemeinden des hinteren Bregenzerwaldes. Schon Franz Michael Felder beschrieb in einem Buch den schlechten Weg von Schoppernau nach Schröcken.


Bereits 1886 begann man mit der Planung einer Eisenbahn von Bregenz bis nach Schoppernau. Danach hatte man 10 Jahre lang verhandelt, gestritten und den Bauern das Land auch enteignet, wenn es sein musste. Die Wirtschaft wollte die Bahn und die Bauern hatten das Land.


Vorarlberger Tagblatt 8.4.1901


1902 wurde die Bregenzerwaldbahn von Bregenz bis Bezau eröffnet.


Eröffnung der Wälderbahn in Egg 1902.



Umso wichtiger wurde nun der Strassenausbau im hinteren Bregenzerwald.


Viele der verkehrstechnischen Nadelöhre wurden nun beseitigt. Strassenbau war Landessache. Die sogenannte Konkurrenzstrassen mussten danach von den beteiligten Gemeinden verwaltet und erhalten werden.




Straßenbau Raue Klaus in Mellau mit Giovanni (Johann) Bertolini Vordergrund.


Zwischen Schoppernau und Hopfreben.


Der Strassenbau bis nach Hopfreben wurde enorm beschleunigt, da dort die deutschen königlichen Hoheiten zur Jagd abstiegen. Deshalb gab es bei der Poststation Hopfreben auch schon vor 1910 eine Telegraphen- und Telefonleitung.


Hier noch ein ganz seltenes Bild. Das alte Badhaus an der Bregenzerache, sozusagen der damalige Wellness Tempel vom Bad Hofreben.



Lange Zeit hatte im Bregenzerwald eine autofreie Stimmung geherrscht. So bestand vor dem 1. Weltkrieg im gesamten Tal ein generelles Fahrverbot für Kraftfahrzeuge. Es wurden nur wenige Ausnahmegenehmigungen gewährt wie etwa beim Kraftwerksbau in Andelsbuch 1904 bis 1908 oder wenn die Familie des deutschen Kronprinzen mit dem Automobil die Villa Maund in Hopfreben aufsuchte.


Der deutsche Kronprinz mit Entourage auf der Durchfahrt in Egg um 1910.


Bei diesen Gelegenheiten gab es regelmäßig Proteste. Fuhrleute beklagten das Scheuen der Pferde, während die Bauern wegen der rasenden Geschwindigkeit die Staubentwicklung verteufelten.



1886 wurde die Arlberg Bahn in Betrieb genommen.


Der Bahnhof Langen am Arlberg war somit in Reichweite des Tannenberges.



Die Flexenpass Strasse wurde von der Baufirma Giovanni (Johann) Bertolini aus Egg erbaut.


Eröffnung des Flexenpasses 1897.


Die neue Ortsdurchfahrt von Lech


Nach der Eröffnung der Flexenstrasse 1897 wurde die Strasse bis nach Lech gebaut. Nun arbeitete man an der Verbindung nach Warth.


Vorarlberger Volksblatt 9.6.1905


Die Gemeinde Warth.



Auch an der Weiterführung der Strasse von Hopfreben nach Schröcken wurde geplant.


Innsbrucker Nachrichten 25.6.1906


Der Strassenbau geriet allerdings immer wieder ins Stocken.



Vorarlberger Volksblatt 22.5.1906


Ab 1906 hatte die Warther Bevölkerung eine Strassenanbindung nach Lech und somit zum Bahnhof Langen am Arlberg. Diese Strasse ist bis heute nur in den Sommermonaten offen.


Die Gemeinde Warth.


Vorarlberger Volksblatt 24.8.1906



Der Adler in Hochkrumbach wurde aufgestockt und erhielt Gästezimmer. Mittlerweile war Theodul Fritz Adlerwirt.



1909 wurde die Lechtalstrasse bis Warth für den Verkehr freigegeben.


Eröffnung der Lechtalstrasse in Warth. Landeshauptmann Adolf Rhomberg am Steuer des Wagens vom Statthalter für Tirol und Vorarlberg.



Im Bregenzerwald ging der Strassenbau nur sehr schleppend voran.


Innsbrucker Nachrichten 19.11.1909


Das Jahrhundert Hochwasser von 1910 warf das Strassenprojekt erneut zurück.



Das Hochwasser wütete in ganz Vorarlberg, den europäischen Alpenregionen, sowie in Serbien und Ungarn.


Die Situation beim Katzenturm in Feldkirch.


Der Wuhrbau in Mellau, Klaus nach dem Hochwasser.



Innsbrucker Nachrichten 28.6.1912


Erst während des Weltkrieges wurde mit russischen Gefangenen das Teilstück von Hopfreben bis zum Marktöbele (Gemeindegrenze zu Schröcken) gebaut.


Vorarlberger Volksblatt 3.11.1915


Das Russenlager in Hopfreben.




Der 1. Weltkrieg brachte dann notgedrungen die Begegnung mit dem Kraftfahrzeug in vielen Lebensbereichen. So verlor sich auch langsam die Ablehnung über die 'stinkenden Fuhrwerke'.


Bereits 1917 hegte Postkutschenfahrer Jakob Grobber aus Au die Absicht, ein Kraftfahrzeug für die Postbotenfahrten zwischen Bezau und Schoppernau zu verwenden. In den folgenden Jahren bekräftigte er weiterhin seine Absicht, bis er 1919 resignierte. Die anhaltend schlechten Staßenverhältnisse insbesondere durch die Raue Klaus in Mellau ließen ihn auf den Kraftwagenbetrieb verzichten.


Darauf hatte vermutlich der findige Bauer Albert Ritter aus Schoppernau nur gewartet. (Ritter stammte aus der 'Ziegler' Sippe von Andelsbuch, Bersbuch.


Vorarlberger Volksblatt 8.2.1920


Albert Ritter kaufte einen Autobus und fuhr zunächst private Touren.



In den 20er Jahren erhielten die Konkurrenzstrassenbetreiber von der Landesregierung immer wieder Zuschüsse, damit auch im Winter die Strasse geöffnet werden konnte.


Vorarlberger Landeszeitung 17.12.1924



Albert Ritter mit seinem Autobus vor dem Bad Hopfreben (rechts). Damals führte die Straße noch unterhalb des Gasthofes vorbei.


Am 1. Juni 1922 wurde die Linie Bezau - Schoppernau eröffnet.

Diese Linie war die erst zweite Postautoverbindung in Vorarlberg. Die erste war zwischen Bregenz und Hohenweiler.


Der Fahrplan knüpfte an den Fahrplan der Wälderbahn an und war somit eine ideale Ergänzung in den Hinterwald und zurück.

Sigmund Greußing war ein Stiefbruder von Hirschenwirt Peter Greußing. Auch er steuerte einen Autobus und fuhr die selbe Strecke. Wie man am Fahrplan erkennen kann, haben die beiden sich glänzend ergänzt.


Vorarlberger Volksblatt 19.6.1925


Die amtliche Komissionierung der Straße Bezau bis Schoppernau verlief recht zufriedenstellend. Die Fahrbahn wurde als brauchbar erachtet, lediglich einige Brücken mussten verstärkt und vorstehendes Gebüsch entfernt werden. Die Bevölkerung wurde aufgerufen die Linie zu nutzen und zu fördern, da sie sonst wieder eingestellt werde.



Auch Peter Anton Simma, Rösslewirt aus Au suchte um eine Genehmigung für ein Taxigewerbe an. Dies wurde abgelehnt. So durfte er nur Fahrten vom und zum Gasthaus Rössle machen.


Vorarlberger Tagblatt 26.6. 1925



Gemeindeblatt 12.12.1926


Vorarlberger Landeszeitung 30.3. 1929



Verkehrssituation nach Hopfreben.


Vorarlberger Volksblatt 8.1.1930


Ab 1930 fuhr die Post in Eigenregie mit 2 Bussen die Strecke. Albert Ritter und seine Söhne fuhren nun wieder private Touren.




Schröcken, Unterboden. Der alte Weg führte durch das Messtobel auf den Heimboden.



Das Tannberg Strassenprojekt.


Endlich gab es konkrete Pläne.

Die Lechtaler Strasse wird verlängert und über Warth bis nach Hochkrumbach geführt.


Die Bregenzerwaldstrasse wird von Schröcken, Heimboden zum Weisstannenboden führen. Von dort wird es einen Tunneldurchstich zum Schwarzenberger Älpele geben. Dann wird die Strasse über den Neuboden zum Körbersee weitergeführt. Von dort wird die Strasse um den Körbersee in Schleifen zum Fuchswald bis auf die Anhöhe des unteren Falkenkopfes führen. Die weitere geplante Strassenführung geht dann hinaus bis zum Körberkreuz, Hochtannberg.


Die geplante Strassenführung ist in Rot eingezeichnet.


Diese Variante wurde wohl wegen der minimalen Lawinengefahr gewählt.


Schwarzenberger Älpele.


Auch mit dem deutschen Landestrassenbauamt gab es eine Besprechung. Es gab erste Überlegungen das Kleinwalsertal mit einem Tunnel an Hochkrumbach anzuschließen und eine Weiterführung der Strasse zur Flexenstrasse nach Lech zu bauen.



Der smarte Unternehmer Franz Xaver Strolz aus Schröcken war damals 28 Jahre alt, als er beschloss, oberhalb des Körbersees ein Hotel errichten zu lassen. Er wusste nur zu gut, dass die neue 'Rund ums Ländle' Strassensiutation ihm und seinem Hotel glorreiche Zeiten bescheren würde. Wer kann schon am Körbersee vorbei fahren, ohne anzuhalten?


Franz Xaver Strolz.


F.X. Strolz war ein Sohn des Mohnenfluh Wirtes Friedrich Strolz auf dem Heimboden in Schröcken.



Bereits 1928 hat F.X. Strolzdie Alphütte des Schwarzenberger Älpele als Schihütte im Winter gepachtet und im kommenden Winter die Hütte von Moosmanns Heugut.


F.X. Strolz erwarb den Grund für sein Körbersee Hotel von der Alpe Körb (130 Weidebesitzer) am 20.9.1930.


Vor dem Hotelbau hatte man im Sommer 1930 eine Materialseilbahn vom Heimoden in Schröcken bis zur Baustelle am Körbersee gebaut.



Vorarlberger Tagblatt 15.9.1930


Körbersee mit Widderstein.