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Kiew liegt im Oberland

Wie bringt man Weltstars nach Röthis in eine räudige Disco?

Indem man Sigi Innauer als Geschäftsführer anstellt, der den europäischen Zeitgeist frühzeitig erkennt, agiert und ihn lebt.

Genau das hat Sigi Innauer getan als er 1991 zusammen mit seiner Frau Carla im Starlight in Röthis eintrudelte.


Das Starlight war eine Großraum Disco im Ibiza Style mit Spiegelwänden, einer fahrbaren Bühne mit Wasserspielen und einem übergroßen Wurlitzer als Deko im Lokal.


Der Umbau war schnell erledigt. Die Spiegelwände wurden aus akustischen Gründen mit Heraklit beschlagen und schwarz gespritzt, der Wurlitzer verschwand hinter einer Bretterfassade und die Wasserbühne wurde mit Brettern beplankt.


Übrig blieb ein Club, den man bis dahin in Vorarlberg noch nicht kannte und an den wir uns heute mit Wehmut erinnern.


Wie kann man einen Club nur Kiew nennen? Hatte das mit dem kürzlichen Zerfall der Sowjetunion zu tun? In keinster Weise. Als Sigi seinen Grafiker Harry Metzler in Schwarzenberg besuchte, trug er ein T-Shirt der Band 'Mirrors of Kiew', die zuvor im Vakanz in Reuthe spielten. Harry meinte Kiew wäre doch ein cooler Name. Der Rest ist Geschichte.


Einige der Starlight Mitarbeiter konnten übernommen werden und schon ging es los am 30.4.1991.



Vom ersten Tag an ist der Club förmlich explodiert. 'Ich war blauäugig, wir hatten am Anfang nur 2 Security an der Türe und 400 junge Leute davor. Da musste ich schon noch selber aushelfen, sagte Sigi einmal in einem Interview.


Man fing an mit DJs, die man vom Vakanz her schon kannte. Andi Mennel und Joe Sohm waren von Anfang an dabei. Auch der Starlight DJ Stefan Müller aus Bizau war dabei.


Mit Josef Ess vom Musikladen hatte man für die Concert Acts einen genialen Partner gefunden.



Ich habe von Carla Plant (Ex-Innauer) zwei Alben, hautsächlich mit Zeitungs Ausschnitten und wenig Bildern erhalten. Zusätzlich noch ein Gästebuch. Zum Fotografieren blieb wenig Zeit damals, sagt sie.


Die Aufzeichnungen beginnen 1993, obwohl es ab 1991 schon Live Acts gegeben hat im Kiew. Eine der ersten Gruppen war 'Mother's Finest' erinnert sich Sigi.


Dieser Beitrag soll zeigen, wer damals im Kiew aufgetreten ist. Wenn die Großen schon in der Nähe touren, dann können sie auch bei uns auftreten, war das Credo. Fragen kostet ja nichts.


Zur Einstimmung checken wir zuerst, was so Sache war im Ländle im Jahr 1992.

1993


Unsere Konzertreise fängt gleich mit einem Hammer an. Falco's Stern war am Sinken zu dieser Zeit. Ess wollte Falco für das Kiew verpflichten. Falco war nicht gewillt in einer Disco zu spielen. Daraufhin wurde Falco von Ess für den Montfortsaal in Feldkirch engagiert. Das Minimum an Karten konnte nicht verkauft werden und somit spielte Falco doch in der Disco. Das war eines der besten Konzerte im Kiew.


Die Qualität dieses Ausnahmekünstlers wurde vielen erst viel später bewußt. Falco ist bis heute der einzige österreichische Musiker, der in den US Billboard Charts 1985 einen Nummer Eins Hit landete mit 'Rock me Amadeus'.



Der von Falco geschriebene Eintrag im Gästebuch. Wohl zuviel von dem weissen Zucker erwischt?


Ein Gästebucheintrag der US-amerikanischen Funk-Rock-Soul Crossover Band

Mother's Finest.


Sigi and friends.


Die New Wave Gruppe Nits aus Amsterdam

Gästebucheintrag


Cala Innauer.






Mitarbeiter Weihnachtsfeier im Platzcafe in Bezau.



DJ Joe Sohm aus Alberschwende.

1994



Die Krupps




Sigi Innauer ist noch lange nicht kaputt.



Chefin Carla bei der Arbeit.




Gästebucheitrag der Dubliners.




1995



Dieses Konzert wurde auf Mai verschoben.




Jetzt ist es endlich soweit. Die Rock Barden aus den frühen 70er Jahren sind im Kiew.

Gästebucheintrag von Nazareth.


Die Besten im Westen



CPS (Crosshill Party Squad) aus Berlin - Kreuzberg war in den 90er Jahren eine der angesagtesten Hip Hop Gruppen. Ein Line-up mit acht Mann, inklusive 3 DJs.

Gästebucheintrag von CPS.


Sigi Innauer, der ehemalige Trickschifahrer zeigt, wie das funktioniert.


Die strategische Werkstatt



Das war bereits das 160ste Konzert im Kiew.

Und alles ohne Kulturförderung. Ich habe das im Vakanz Blog geschrieben und ich schreibe es hier noch einmal. Es ist eine bodenlose Ungerechtigkeit, dass man in Vorarlberg nur Kulturförderung beantragen kann, wenn man ein eingetragener Verein ist. Die Gewerbebetriebe gehen leer aus und müssen die Gagen und Extrakosten über den Umsatz hereinbringen. Das ist leider eine offene Baustelle bis heute.


1996


Who is Who im Ländle zum Jahreswechsel


Gästebucheintrag der US-amerikanischen Noise Rock Band Drain.


Ein Konzert, das in die Geschichte einging. Die Vorgruppe war Rammstein. Mit ihrer Pyro-Technik Bühnenschow fakelten sie beinahe das Kiew ab. Der Staub an der Decke hatte sich entzündet. Es ging gerade noch einmal gut und die Gäste dachten, das gehöre zur Show dazu.

Clawfinger im Backstage Bereich.


Gästebucheintrag von Clawfinger.









Eines der besten Konzerte im Kiew waren die Leningrad Cowboys. Leider gibt es davon keine Bilder. Dieses Bild stammt von einer anderen Location aus dem Internet.



Das hektische Nachtleben fordert immer wieder Opfer. Carla und Sigi Innauer trennten sich 1996. Nach Unstimmigkeiten mit dem Pächter der Halle und Eigentümer des Kiews verläßt Sigi im Herbst 1996 das Kiew.

Er macht sich sofort an die Umsetzung seines 'Tiefgaragen' Projektes in Dornbirn.


Carla bleibt weiterhin im Kiew und macht die Geschäftsführung.



Weitere Music Specials





Gästebucheintrag von Fettes Brot.



Gästebucheintrag von Manu Dibango.






1997














Das Beste kommt zum Schluss.


Im April 1994 meldet der Verpächter Konkurs an. Am Kiew soll es nicht gelegen haben, da es bis zum letzten Tag betriebswirtschaftlich erfolgreich war. Die Kiew Mannschaft hatte mittlerweile den Club verlassen und Sigi sperrte am 30.4.1997 das Innauer in Dornbirn auf. Ein Lokal in einem Betonwinkel in einer Tiefgarage. Aber das ist eine andere Geschichte.


Im Kiew waren zu Spitzenzeiten über tausend Gäste im Club.

Das Kiew war nicht nur ein Night Club, der Geschichte geschrieben, es war auch ein Kultur Tempel allerersten Ranges. Viele der ausgesuchten Bands von damals wären an den Vorarlbergern vorbei getourt, hätte es das Konzept KIEW nicht gegeben. DANKE.




Vielen Dank an Carla und Sigi für die Bereitstellung der Alben, Fakten und Insider Stories. Danke auch an den ehemaligen DJ Andi Mennel für die Informationen. Andi ist heute Chef des Kuschelhotels Gams in Bezau.


Sigi Innauer betreibt heute sein Innauer und Vakanz in der der Marktstrasse in Dornbirn.