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Mellau, das sündige Dorf

Viele Geschichten ranken sich um das sündige Dorf Mellau, oder den Begriff 'Klein Paris'.

Jeder würde vermuten, dass die Sonnenwirtin Magret daran nicht ganz unbeteiligt war.


Fakt ist, dass der Beiname 'Das sündige Dorf' eigentlich nach einer Betriebsfeier der Firma Elastisana aus Bezau im Gasthof Kreuz in Mellau bereits Anfang der 50er Jahre entstand.


Werbelinie der Strickwarenfirma Elastisana von Benedikt Mäser in Dornbirn.


Margret hat aus diesen Kosenamen danach eine sehr erfolgreiche Werbestrategie gemacht. Dazu kann man ihr nur gratulieren.


Die älteste Kreuzwirtstochter Margret und Eugen Bischofberger von der Sonne haben nach dem 2. Weltkrieg geheiratet und 1946 das ehemalige alkoholfreie Gasthaus Sonne übernommen.


Margret war eine Gastgeberin erster Güte und mit ihrer Handorgel hat sie für Unterhaltung gesorgt. Aber zu dieser Zeit war der Pegel zum sündhaften Verhalten nicht gerade hoch.


Durch den aufkommenden Fremdenverkehr hätten die Wirte gerne am Samstag Abend Tanz Unterhaltungen angeboten, eben wenn die Gäste da waren. Aber das hat die Kirche ganz einfach nicht erlaubt. Die Begründung war immer, dass man dann am Sonntag nicht in die Kirche gehen würde, oder in der Kirche schlafe würde. Vermutlich hatten sie recht.


Gasthaus Sonne Mellau Anfang 50er Jahre.


Margret's Widersacher zu dieser Zeit war Pfarrer Manser. Als Exil-Mellauer darf ich noch einen von Margret's Sprüchen zitieren: Winn dr Pfarar wieder gi Bezo usse gaut, schpendiere dr Kircho golde Kienar'

Margret musste allerdings noch bis 1964 warten bis der junge, liberale Pfarrer Hermann Alge in Mellau einzog.


Mellau als Fremdenverkehrsort hat sich hauptsächlich dank der Unterhaltung prächtig entwickelt.

Eine andere Geschichte, die sich auch in der Sonne in Mellau abspielte, passt hier auch noch dazu.

Es geht um das Alkoholverbot vor den Wahlen. 'Der Ausschank von geistigen Getränken ist am Wahltag, sowie am Tage vorher verboten' stammt noch von 1918. In einer leicht entschärften Fassung hatte dieses Gesetz bis 1971 Bestand.

Wie Margret damit umgegangen ist hören sie jetzt.


Die Drehorgel mit Margret Bischofberger, Radio Vorarlberg


Im Dezember 1983 wurde die Vorarlberger Journalistin Marga Swoboda, die beim Kurier arbeitete, vom Obmann des Verkehrsvereins Bregenzerwald Erich Behmann eingeladen. Sie sollte eine Geschichte über Mellau schreiben. In Mellau war damals Bartle Omerzell Verkehrsamtsleiter. Man mietete bei Hubert Felder in Mellau die Pferdekutsche und ab ging die Fahrt durch die Enge nach Schnepfau in den Adler. Mit an Bord war auch Margret.


Swoboda war eine Kollegin von Margret's Tochter Conny Bischofberger. Was aus dieser Werbeausfahrt wurde können sie hier lesen. Der Artikel erzürnt mich heute noch. Die sensationsgeile Swoboda brachte einen Artikel der untersten Schublade, voller Unwahrheiten und überzogenen Darstellungen. Es gab damals heftige Reaktionen und Leserbriefe. Mellau hat Margret sehr viel zu verdanken und das hat sie ganz einfach nicht verdient.


Kurier 4.12.1983


Heute spricht man nicht mehr vom 'Sündigen Dorf', da die damaligen Sünden heute schon lange kalter Kaffee sind.

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