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Mit dem VW Bulli von Bizau nach Indien

Drei Gastronomie Kollegen, drei Freunde oder mehr als das, drei Seelenverwandte.


Die Geschichte vor der Geschichte.


Hubert Moosbrugger aus Bizau und Manfred Robausch, genannt Hopsi aus der Steiermark

hatten im Hotel Kreuz in Mellau die Lehre als Koch und Kellner absolviert. Ich habe nach meiner Kochlehre im Gasthof Adler in Mellau im Herbst 1976 beim Bundesheer abgerüstet.


Manfred Robausch und Hubert Moosbrugger in ihrem Zimmer im Hotel Kreuz in Mellau.


Adlerwirt Albert Matt in Mellau war seit dem Frühjahr 1976 alleiniger Besitzer der Schihütte. Im Sommer wurde ein Anbau getätigt. Im Herbst hatte Tone Matt Hopsi und mich gefragt, ob wir im kommenden Winter die Schihütte übernehmen wollen.


Hubert hatte bereits im Sporthotel Körbersee als Koch zugesagt. Hopsi und ich halfen Tone Matt mit dem Innenausbau der neuen Schihütte.


Im alten Lokal wurde ein neuer Bartresen gebaut, im angrenzenden neuen Stüble wurde der erste Billard Tisch in Mellau aufgestellt. Eine professionelle DJ Anlage mit scharfen Bull Magnat Boxen wurde angeschafft.


Auch ein Doppelzimmer mit Dusche fand im Anbau Platz.




Anfang Dezember war dann die Neueröffnung der Schihütte. Das Konzept war relativ einfach.

Geöffnet sieben Tage die Woche von 9:00 Uhr bis 2:00 Uhr. Hops war alleine im Service. Ich war alleine in der Küche und am Buffet. Am Mittag gab es ein Menü, das im Adler zubereitet und von Tone täglich geliefert wurde.


Zu dieser Zeit gab es weder eine Spülmaschine in der Küche noch eine Gläserspülmaschine am Buffet.


Da das Geschäft einschlug wie eine Bombe, durfte Gisela Dreher vom Adler aushelfen in der Küche und am Buffet.


Jeden Abend öffnete um 20:00 Uhr die erste Diskothek in Mellau in der Schihütte. Dann war ich DJ.



Das war ein Winter mit sehr viel Schnee und sehr viel Wind. Die Schikurse wurden alle am Kitzbühel abgehalten. Hubert war am Körbersee wochenlang eingeschneit und besuchte uns das erste Mal im März.


Schischulleiter Hubert Ratz meinte: Ist das eine Bar oder ein Beatschuppen?


Der legendäre Pyjamamball im Fasching 1977.

Aufgenommen von Tone Matt mit seiner Super 8 Schmalfilmkamera.



Nach dieser harten Wintersaison, hatten wir bei mir zuhause in meiner Kellerbar eine gehörige 'Fise'. Nach einer durchzechten Nacht stand der Beschluss fest, dass wir irgendwann eine Time Out brauchten. Das vorausgegangene Brainstorming brachte allerhand Ideen: Non einem Jahr Zelten in Schönenbach bis zu 'Zalp gong i Wölflars Gunto' war alles dabei.


Diese Bild entstand morgens gegen 6:00 Uhr, als wir Ziegenbauern im 'Wölfler' werden wollten. Die beiden rechts sind Hubert und ich.


Dann hatte Hubert die glorreiche Idee, eine Kiste Zigarren in Sumatra zu holen. Auf einmal war der Fall für uns klar. Time Out für ein Jahr, sobald wir es uns leisten konnten und die Zigarren in Sumatra, Indonesien holen.


Hopsi nach der durchzechten Nacht.


Um Geld zu verdienen, setzte ich mich sofort in die Schweiz ab, Hopsi folgte mir im Herbst und Hubert arbeitete als Koch auf der Waldrast in Sibratsgfäll.


Ab dem Frühsommer 1977 liefen dann schon die Vorbereitungen. Wir schauten uns mögliche Strecken Varianten nicht nur im Atlas, sondern auch auf dem Globus an.





Durch Zufall kam ich in der Schweiz an einen Reiseführer, der die Sache sehr viel einfacher machte. Es war zu dieser Zeit IN als junger Europäer nach Kaschmir, Indien zu fahren. Kaschmir war als 'Happy Valley' bekannt und rühmte sich, der einzige Ort der Welt zu sein, wo Drogen legal seien. Das war nicht gerade der Motivationsfaktor für uns, da wir uns mit Drogen überhaupt nicht auskannten.




Ab Anfang April 1978 waren wird dann alle wieder zusammen. Wir kauften einen 15 jährigen VW Bus Bulli T1 in Götzis um 3.500,- der schon als Campingbus ausgebaut war. Das System war einfach. Im Innenraum befanden sich längs 2 Kisten mit Stauraum, darauf Matratzen zum Schlafen. Über dem Motor bei offener Heckklappe installierten wir eine kleine Küche mit einem 2 Flammen Gaskocher und einem 50 Liter Wasserfass.


Hopsi schaut sich unseren Bus an.




Dann kam die große Ernüchterung. Hopsi erhielt einen Anruf von seinen Eltern aus der Steiermark. Seine Einberufung zum Bundesheer war ins Haus geflattert. Alle Bitten um Aufschub wurden nicht erhört. Hubert und ich hatten Hopsi seinen Kostenanteil ausbezahlt und Hopsi reiste am folgenden Tag in die Steiermark ab.


Hubert's Bruder Kurt war damals in der HTL Bregenz. Er fertigte für uns Metallgitter für die Frontscheinwerfer und ein abnehmbares Gitter für die Frontscheibe. Wir haben in unserem Führer gelesen, dass man einem in Kurdistan Steine nachwerfen soll.


Kurt hat den Bus von 6 auf 12 Volt umfunktioniert, damit unser Radio mit Kasettenteil lief.

Endlich konnte ich meine Musik von Bob Dylan, Cat Stevens und den Rolling Stones nicht nur hören, sondern auch fühlen.



Unser Reisebudget war sehr moderat und jetzt konnten wir die ganze Sache nur noch auf uns zwei aufteilen. Oberste Prämisse war immer, dass wir uns im Notfall vom entferntesten Punkt jederzeit einen Flug in die Heimat leisten konnten. Das mussten wir auch unseren Eltern versprechen.


Aber es hatte auch einen grossen Vorteil. Hopsi war genau gleich wie ich gestrickt. Genaue Planung, ja nichts dem Zufall überlassen, bestimmend etc. Hubert war genau das Gegenteil, ihm war alles egal, solange es Richtung Sumatra ging. Wir haben uns nicht einmal gestritten. Hopsi und ich hätten uns oft in die Wolle gekriegt.


Am 14. April 1978 ging die Reise los. Zuerst mussten wir natürlich Hopsi in Weiz besuchen.



Das erste Abendmahl am Pass Thurn.



Die Neue 20.4.1978


In Jugoslawien haben wir das erste Mal die Schneeketten montiert um aus dem Dreck zu kommen.


Auf dem Dach hatten wir 3 Reserve Reifen und 4 Kanister für Benzin. Ansonsten hatten wir unter dem Fahrersitz noch einen Keilriemen, der schon dort war, als wir den Bus gekauft hatten. Sonst hatten wir keine Ersatzteile und kein Werkzeug.

Dafür war die Küche perfekt ausgestattet.



Rijeka Jugoslawien, das erste Mal am Meer für uns Beide.





Kurz vor Split hatten wir den ersten Plattfuß an einem Hinterreifen.


Wir fanden einen Wagenheber, aber der war wertlos, da die Unterkonstruktion am Bus völlig rostig war und entlang dem Rahmen taten sich Löcher gegen den Innenraum auf. Hubert hat kurzerhand den Bus hinten angehoben, während ich dass Rad wechselte.


Übrigens, Hubert war mein Bodyguard. Er hat vor nichts und niemanden Angst, ich schon.



Übernachtet haben wir meistens in irgend einer Büdt, natürlich ohne vorher zu fragen.




Abendessen, Ravioli mit einem dalmatischen schweren Roten, frisch vom Fass.



Unser Schlafplatz über den Dächern von Dubrovnik.


Budva, Montenegro.



Kurz vor der albanischen Grenze mussten wir ins Gebirge. Albanien war damals abgeschottet wie heute Nordkorea.


Die Bäuerin hatte Angst, wir würden ihr ein Schaf schlachten.



Eigentlich wollten wir laut Reiseplan bis Piräus, dann mit der Fähre zur Insel Chios und dann mit einer weiteren Fähre zum türkischen Festland.


Leider wurde diese Fährverbindung zwischen Griechenland und der Türkei seit der Zypern Krise 1974 eingestellt.



So mussten wir den weiten Weg zurück über Thessaloniki nach Istanbul.



In Griechenland war wild campieren verboten.


Auf dem Campingplatz in Larissa. Von hier aus ist es eine Stunde bis zum Olymp.


Campingplatz Athen, Griechenland.

Direkt am Meer und direkt am Flughafen.


Waschtag.

Friedensreich Hundertwasser hätte seine wahre Freude mit unserer Wäscheleine gehabt.


Hubert vor dem Parthenon.



Campingplatz Katerini, Griechenland.

Frische Miesmuscheln zum Abendessen.


Campingplatz Alexandroupoli, Griechenland.

Unsere Schweizer Nachbarn kommen aus Indien zurück und geben uns wertvolle Tipps.


Campingplatz Istanbul, Türkei.


Die Blaue Moschee.




Abendstimmung am Bosporus,

Orient und Oxident. Ein erhebendes Gefühl. Dort drüben ist Asien.


Am nächsten Tag geht es in die Stadt.

Man gönnt sich ja sonst nichts.


Die zwei Wälder Köche sind im Himmel.



Auf Wiedersehen Europa.

Hier wollte mir die türkische Polizei die Kamera nehmen, da die Bosporus Brücke militärisches Gebiet sei.




Zwischen Istanbul und Ankara.

Die Campingplätze werden rustikaler. Die Menschen sind sehr nett.


Hier haben wir 3 Tage auf Benzin gewartet.


In Ankara haben wir das iranische Visum in der Botschaft geholt.



Ab Erzurum hatten wir diese Sicht beim Fahren. Kurt's Gitter wurde montiert.


Vorne zu sehen die Wegweiser nach Irak, Syrien und Iran.



Das Abenteuer durchs wilde Kurdistan beginnt.


Wir fahren durch das Grenzgebiet von Syrien, Irak, Armenien, Aserbaidschan und Iran.

Am Tahir Pass fliegen die ersten Steine.

Ganz in der Nähe ist der Berg Ararat mit 5.137 Meter. Die Arche Noah haben wir nicht gefunden.


Strassensituation kurz vor der persischen Grenze.


Ein Schlagloch zuviel. Beim Wasserfass hat es uns den Spund rausgepfeffert und beim Dachständer ist ein Steher gebrochen.



Nach 4 Stunden an der Grenze kommen wir in Tabriz im Iran an.

Im Gegensatz zur Türkei war der Iran damals ein fast westliches Land mit allem Komfort.

Das Benzin kostet damals 30 Groschen der Liter.



Nachdem unser Dachständer geschweisst wurde ging es weiter nach Takestan.


Am Campingplatz in Takestan.


Hier haben wir das Berliner Paar Waltraud Knoblauch und Klaus Stadelberg getroffen. Sie schlugen uns vor, ab sofort im Konvoi zu fahren, das wir die gleiche Strecke hatten bis nach Indien. Also die Beiden waren Piefke Saga hoch zehn.


Die deutsche Gründlichkeit war zu spüren. Fast einen gesamten Motor an Ersatzteilen, allerlei Werkzeug, Luftfilter auf dem Dach für die Wüste etc. Da konnten wir mit unserem Keilriemen nicht mithalten.


Die Strassen wurden immer besser und in Richtung Teheran wurde es immer grüner.



Seit Takestan nahmen die Unruhen in den Kleinstädten immer mehr zu. Es gab überall Demonstrationen. Wir hatten ja keine Ahnung, dass man dabei war, den Schah von Persien abzumontieren und dass der Ayatollah in Paris schon in den Startlöchern war. Hat uns auch nicht wirklich interessiert.


Vielleicht hätte man vor der Abreise statt dem Bravo Heftle den Spiegel lesen sollen?



Das Vieh schaute etwas komisch aus.



Mit den Berlinern auf dem Camping Platz in Teheran.


Waltraud: Mensch Alter, auf den Toiletten siehts ja wieder aus! Klaus: Nächstes Mal muss de in Schwarzwald fahren, du dusslige Kuh!



Die Unruhen auf den Strassen in Teheran nahmen immer mehr zu. Da reitet er noch, der Reza Pahlavi. Am 19.1.1979 wird er das Land für immer verlassen.


Und die Wälder immer mittendrin, nicht nur dabei.



Die Freiheitsstatue von Teheran.




Am nächsten Morgen mussten wir zur afghanischen Botschaft, die Visa holen. Dort angekommen war ein Riesen Tumult. Keiner wusste was los war. Schlussendlich erfuhren wir, dass das Land bis auf weiteres geschlossen war. Was niemand wusste, war Folgendes:


Was als sowjetische Hilfe für einen Staatsstreich anfing, endete in einem jahrelangen Krieg.


Und die Wälder mittendrin, nicht nur dabei.

Also was tun? Nach Afghanistan und über den Khaiber Pass nach Pakistan ging nicht.


Also ab in den Süden. Durch den ganzen Iran durch, ganz unten rechts abbiegen, da gehts nach Pakistan. Dann durch ganz Pakistan ohne Strassen hochfahren und dann rechts abbiegen nach Indien. Klingt irgendwie logisch, oder?


Richtung Qom, wo die Atomwaffen lagern.


Die Sheik Lotfollah Moschee in Isfahan.


Der neue Sheik heisst Hubert Moosbrugger und kommt aus Bizau.



Die guten Strasse sind Geschichte und es wird langsam warm. 45 Grad und nachts kaum Abkühlung.


Ab sofort lesen unsere Eltern zuhause in der Zeitung, dass Pakistan und Indien mit einer nie dagewesenen Hitzewelle zu kämpfen haben. Wir haben natürlich geglaubt, die Hitze sei normal.


In der Nähe der Grenzstadt Zahedan.


Hubert hat 'Buro Reas'.



An der Grenze ging es dieses Mal erstaunlich gut. Allerdings hatten wir wieder einen Plattfuß. Gewechselt mit der altbewährten Methode.



Unser kleiner Konvoi ist in Pakistan angekommen.


Irgendwo auf dem Weg nach Quetta. Die Distanzen sind in Meilen angegeben. (x1.6)



Wo ist hier bitteschön die Strasse. Zu diesem Zeitpunkt, musste Hubert hinten sitzen, da der Stossdämpfer vorne rechts den Geist angegeben hat. Ich musste immer Vollgas fahren, da wir ja nicht steckenbleiben durften. Wir hatten ja keine Schaufel.


Die Berliner sind oft mit einem halben Tag Verspätung am Ziel angekommen. Die konnten es sich leisten, ihren Bus zu schonen.


Aber dann hat der Berliner Klaus immer geflucht und mit sich selbst geredet: Ich sags ja immer, hinterm Brenner beginnt der Balkan und von dort an lauert der permanente Anschiss!



Nach 1200 km Standpiste, gab es auf einmal eine neue Strassen, die die Engländer am bauen waren.


Wir sind in Quetta angekommen. Die Temperatur liegt nun bei 50+ Grad und die Moskitos werden unausstehlich.


Ein Bus aus England.


Quetta ist dort, wo man das Fladenbrot noch nach guter, alter Methode mit den Füssen knetet.....



....und die Biebele anmalt, bevor man sie verkauft.




Jetzt geht es in die Berge von Belutschistan.


Die wunderschön verzierten Busse in Pakistan.




Das fahrende Hotel der Rotel Tours ist uns öfters begegnet. Ein deutsches Unternehmen, dass es bis heute gibt.


Tagsüber wird im Bus gefahren, nachts wird in der Kabine im Anhänger geschlafen. Gekocht wird zusammen. Eine super Sache für Studenten und Jugendliche.



Wieder Sandpiste.


In der Nähe von Multan.

Holz ist Mangelware in der Wüste.


Der Dachständer gibt endgültig den Geist auf. Also Benzin und Reifen in unser Wohnzimmer und der Dachständer in die Wüste.



Wir fahren jetzt nur noch mit Sonnenbrille und Mundschutz. Der Sand kommt von unten durch die Löcher im Boden ins Innere des Busses. Auch das Kasettenradio hat Sand im Getriebe.


Irgend wann kommen wir in Lahore in Nordpakistan an. Die Temperatur hatten eher noch zugenommen.


Wir mieten uns im YMCA ein.


Die pakistanische Pritsche war nichts für 'an gstandono Büzouar'.



Die Badshani Moschee in Lahore.


Einlass war nur barfuß oder mit Prada erlaubt.




Wir steigern das Bruttosozialprodukt.



Augen zu und durch.




Unser Empfangskomitee in Amritsar, Indien.



Hier muss jeder Globetrotter einmal gewesen sein, im Mrs. Bandaris's Guest House in Amritsar.




Im Vergleich: links mein Bild von 1978, rechts ein Bild aus dem Internet von 2013


Mrs. Badari war eine typische indische Herrin, very posh, very demanding and very commanding. Damals war sie schon über 80 Jahre alt. Über ihrer Küche war das Schild Commando Bridge angebracht.


Das Essen war wunderbar.



Am nächsten Morgen ging es los Richtung Kaschmir .


Am Abend oberhalb von Jammu auf 1200 Meter. Angenehme 30 Grad und keine Moskitos.


Hubert zeigt uns seine pakistanischen Moskito Einstiche.


34 PS sind halt wenig für die Strasse ins Hochgebirge.


Gute Unterhaltung.


Das Tor zum Happy Valley.


Hier wächst er, der Basmati Reis.


Ganz im Hintergrund der K2 und der Nanga Parbat.


Übrigens wurde in Kaschmir damals schon um den Grenzverlauf zwischen Indien und Pakistan gekämpft.




Srinagar ist wie Venedig nur mit Süßwasser. Drei Seen verbunden mit ein wenig Festland. Das gesamte Leben spielt sich auf dem Wasser ab.


Auf dem Campingplatz in Srinagar.


Unsere Nachbarn aus England, Holland, Frankreich und USA.


Baba klopfte am ersten Abend leise an unsere Türe. Er empfahl sich mit einigen Empfehlungsschreiben als Butler. Für ungefähr 2 Schillinge pro Tag, erledigte er alle Einkäufe, war unser Taxi und guter Freund.


Hier beim Afternoon Tea auf seinem Full Springseat boat.