Suche

Sattlars Sepp und die Rogledis

Sepp Moosbrugger, unser liebgewonnenes 'Enfant Terrible' aus Egg feierte Corona-bedingt im ganz kleinen Rahmen am 20. April 2021 seinen Achtziger. Sepp hat über Jahre hindurch mit seiner Musik dem Publikum grosse Freunde bereitet, hat mit seinen Faschingsaktionen den halben Bregenzerwald 'terrorisiert' und viele seiner Sprüche sind legendär.


Ich habe nun aus gegebenem Anlass die Geschichte der Tanzkapelle 'Die Vier Rogledis' aufgearbeitet, die in den 60er Jahren zusammen mit den Bizauern 'Violets' und den Bezauer 'Strubobuobo' zu den besten Tanzkapellen im Bregenzerwald zählten.


In Egg waren die Rogledis immer 'd'Sattlar Musig'.


Die Anfänge.


Vater Hans Moosbrugger hat früher Schlagzeug gespielt und hatte viel Verständnis, als seine beiden Söhne Sepp und Elmar anfingen aus seiner Werkstatt ein Probelokal zu machen.


Sepp Moosbrugger



1958


Die ersten Auftritte fanden im Gasthaus Engel (Ritterle) in Egg statt. Dort befand sich im Hinterhaus im ersten Stock ein kleiner Saal.


Sepp Moosbrugger Roßhag, Martin Hammerer Roßhag, Erich Metzler Kammern.



Sämtliche eingespielten Titel waren im Repertoire der Rogledis.


1959


Die Marinas.


Der Name wurde kurzerhand vom 1959 entstandenen Hit von Rocco Granata 'Marina' ausgeliehen.


Wendl Sohm, Alberschwende, Sepp Moosbrugger, Erich Metzler.



Dieser Auftritt der Marians fand im Gasthaus Krone in Andelsbuch statt.




Geprobt wurde in der Werkstatt von Däta Hans Moosbrugger.




Sepp Moosbrugger bei der Musterung bei einem Gig in der Bahnhofsrestauration in Egg.




1959 gab es einen Vorarlberg-weiten Gesangswettbewerb im Parkhotel in Dornbirn.

Sepp nahm daran teil zusammen mit der Schwester von Willi Höfler, Christl.


Zwei Lieder mussten gesungen werden. Eines davon war Diana von Paul Anka und von

Conny Froboess auf Deutsch gesunden.



Christl und Sepp machten den ersten Platz.



Erste internationale Auftritte gab es im Cafe Sonderegger in Herisau, Schweiz



Wendl Sohm hatte damals ein Zweitakter Goggomobil. Mit der Bassgeige auf dem Dach ging es über die Grenze. In der Schweiz hat man damals schon gut verdient als Musikant.



1961


Die Vier Ur Rogledis.


Josef Moosbrugger, Egg geb. 1941, Sattler & Tapezierer, Gitarre, Gesang.

Elmar Moosbrugger, Egg geb. 1942, Maler, Schlagzeug.

Hubert Natter, Au, geb. geb. 1940, Schreiner, Handorgel.

Oskar Moosbrugger, Au geb. 1928, LKW Chauffeur, Baßgeige.


Hubert Natter machte damals eine Schreinerlehre bei Hugo Willi in Egg und hatte ein Zimmer beim Gottle von Sepp, Theresia Dorner im heutigen Roten Haus in Egg (Schuhhaus Fetz).

Erste Berühmtheit erlangte er, als er an einem Karfreitag auf dem Fensterstock seines Zimmer sitzend, die Egger Bevölkerung auf dem Weg zum Kirchgang mit seiner Handorgel unterhielt.


Hubert kannte Oskar Moosbrugger, da sie zuvor schon zusammen mit Adalbert Bischof aus Au im Trio spielten.


Wie es zum Namen der Tanz Kapelle kam?


Oskar Moosbrugger spielte auch Handorgel und hatte eine italienische Paolo Rogledi Orgel.



Noten kannte keiner der Rogledis. Titel hat man mit dem Tonband vom Radio aufgenommen und danach geprobt. Textheftle gab es bei der Firma Prantner in der

Dr.-Anton-Schneider Straße in Bregenz.


Die Jacken ließ man sich in Dornbirn schneidern und waren von den großen Idolen 'Die Vier Roulettis' abgekupfert.


Nun konnte die einzigartige Rogledis Karriere beginnen.



Elmar Moosbrugger (El Moses), Sepp Moosbrugger (Sattlars), Oskar Moosbrugger (Annobablars), Hubert Natter (Schlossars).


Ungewöhnlich für die damalige Zeit war, dass die Rogledis kein Blasinstrument im Repertoire hatten und ein Band war, die eigentlich nur moderne 'Stückle' spielte.


Die Klarinette auf diesem Bild war nur aus fototechnischen Gründen zur Zierde dabei.





Bereits im Herbst 1661 gab es den ersten Wechsel in der Formation.

Oskar's Schwägerin heiratete und die Hochzeitsgesellschaft fand sich im Gasthof Engel in Schwarzach ein . Die Rogeldis spielten auf dieser Hochzeit. Während den Spielpausen soll Oskar immer wieder in den unteren Stock an die Bar gegangen sein. Als er nicht mehr auftauchte, bat Sepp Johann (Johnny) Moosbrugger, der auch bei der Hochzeitsgesellschaft dabei war, auszuhelfen.



Johnny Moosbrugger, Au, geb. 1942, Schindelerzeuger, Bassgeige.


Johnny spielte damals bei den 3 Bergvagabunden, zusammen mit Josef Moosbrugger und Albert Felder.


Johnny Moosbrugger



Am kommenden Samstag hatten die Rogledis ein Engagement beim bekannten Kutscherball in der Mohnenfluh in Schröcken zum Saisonabschluss.


Sepp fragte Johnny, ob er wieder mit ihnen spielen könnte und Johnny sagte zu.


Ab sofort war Johnny ein Rogledi.



Der Kutscherball in der Mohnenfluh.

Der Weg über den Tannberg war früher die sogenannte Salzstrasse von Hall in Tirol nach Süddeutschland. Damals war ein reger Säumer Verkehr über den Hochtannberg. Später als das Sporthotel Körbersee erbaut wurde, holte man die Gäste in Hopfreben mit dem Pferdefuhrwerk ab. Um diese alte Tradition nicht zu vergessen, hat man in der Mohenfluh angefangen, zum Sommersaisonsabschluss einen Kutscherball zu veranstalten.



Ich möchte hier noch kurz Gästeströme und die Werbestrategie der Bewerbung der Tanz Kapellen erklären.


In den 60er Jahren hatten bereits alle Dörfer im Bregenzerwald einen Sommer Tourismus zu verzeichnen. Die einen mehr die anderen weniger.


Der Winter Tourismus fand ausschließlich in Warth, Schröcken, Damüls und in Egg mit dem neuen Schigebiet in Schetteregg statt.


In den Saisonszeiten musste man keine Werbung schalten. Verschiedene Häuser boten 3 bis 4 mal pro Woche Tanz Musik für Gäste und Einheimische an. Dies wurde plakatiert und über die lokalen Verkehrsämter publik gemacht. Damals gab es noch viele private Zimmervermieter. Oft gingen die Gäste mit ihren Hausleuten auf die Veranstaltungen.


Faschingsveranstaltungen wurden nur in Gemeinden geschaltet, in denen kein Winter Tourismus stattfand, mit Ausnahme der Gemeinde Egg. Diese Veranstaltungen wurden fast ausschließlich von der einheimischen Bevölkerung besucht.

Das erklärt auch den Umstand, warum fast nur Faschingsinserate besitze und das es von den meisten Gemeinden kaum Winter Ansichtskarten gibt.

1962


Die Rogledis bei einem Tanzabend im Ochsensaal in Egg.




Im Herbst 1962 verlautbarte Hubert Natter, dass Werner Albrecht aus Au und Schischuhmacher bei der Firma Strolz in Lech ihn gefragt habe, ob er für die Wintersaison zu Othmar Schneider nach USA als musizierender Schilehrer gehen wolle.


Hubert sagte zu und die Rogledis hatten keinen Orgler mehr.


Aushilfe war unter anderem Edwin Fetz, aus Egg, Mühle. Der hatte eine alte Handorgel, wo die Knöpfe nicht mehr gut liefen und nicht selten schlug Edwin zwei Töne gleichzeitig an. Dann musste man mit einer Essgabel die Orgel wieder richten und die Knöpfe aus der Versenkung holen.


Auch Seppele Helbock, Bruggan half aus.

1963


Auch im Gasthof Tannberg, Schröcken spielten die Rogledis.


Im Frühjahr kam Hubert Natter aus Amerika zurück und spielte den Sommer wieder bei den Rogledis.



Regelmäßige Spielstätten der Rogledis in den Sommermonaten.


Gasthof Engel Mellau.




Gasthof Sonne Mellau.





Im Herbst verabschiedende sich Hubert Natter und ging nach Amerika, für immer.


Er wurde ersetzt durch den Installateur Peter Jochum geb. 1943 aus Schoppernau.


Zuerst ließ man sich eine neue Montur schneidern. Dann noch das Foto Shooting, wegen dem Marketing und für die Fans.



Bereits 1962 kam das Twist Verbot.

Ausgegangen war das Ganze von der BH Bludenz. Das Hotel Alpenrose in Zürs meldete einen Tanzabend an, unter dem Motto 'Ball im Harem'. Darauf hin sandte die BH zwei Gendarmen an den Arlberg, um die Sache zu observieren. Chubby Checker's 'The Twist' wurde zu einem Modetanz. Das war zuviel für die biedere Obrigkeit von damals.

Die BH Bregenz übernahm kurze Zeit später das Verbot.



Unterrichtsminister Drimmel (ÖVP) aus Wien spöttelte, dass Vorarlberg zur Gänze vom Misthaufen aus regiert werde. Auf jeden Fall waren wir in den internationalen Medien. Die Bild Zeitung charterte ein Bodenseeschiff, fuhr damit auf deutsches Gebiet und getwistet wurde die ganze Nacht. Das Twist Verbot wurde nach ein paar Monaten wieder aufgehoben.


Ich fragte einmal Sepp Moosbrugger, wie es mit dem Twistverbot war. Ich wusste, dass sie den 'St. Tropez Twist' von Peppino di Capri im Programm hatten. Er antwortete: Wir durften ihn schon spielen, sie durften ihn nur nicht tanzen.




1964


Der Berghof Fetz am Bödele


Der Berghof Fetz Wirt Albert Fetz mit Sepp und Johnny.


Ein beschwingter Abend.




Gemeindeblatt 21.1.1964


Gasthof Post, Bezau.




Gemeindeblatt 11.2.1964


Das neue Cafe wurde von Architekt Hiesmayer aus Wolfurt geplant und 1958 gebaut.


Zwei Legenden: Sonnenwirtin Margret und Bardame Anuschka.



Der Transport mit den Instrumenten zu den Spielorten war damals die größte Herausforderung. Einmal fuhr man im Winter in Richtung Schröcken zu einem Spieltermin in der Mohenfluh. Die Straße war einspurig und wurde nicht alle Stunden geräumt, so wie heute. Ausserdem hatte es damals einfach noch viel mehr Schnee. Die Rogledis waren mit Peter Jochum's Fiat 500 (Püchle) unterwegs mit der Bassgeige von Johnny auf dem Dach. Auf einmal bemerkte man, dass man die Bassgeige verloren hatte. Man musste umkehren und das Instrument wurde unversehrt gefunden.



Keiner der Rogledis war der englische Sprache mächtig. Sepp schrieb sich die wichtigsten Worte in Lautschrift auf und los ging's. So entstand das berühmte Sattlar Englisch.



Heute frage ich mich wirklich ob das damals wichtig war. Ich wage zu bezweifeln, wieviele im Publikum den Unterschied erkannt hätten.



Gemeindeblatt 3.5.1964


Gasthof Taube, Andelsbuch.



Regelmäßige Spielstätten der Rogledis in den Sommermonaten.


Gasthof Hirschen, Schoppernau.


Gasthof Ifenblick, Sibratsgfäll.


Sepp war ein glühender Fan der 'Vier Roulettis', die 1958 das Goldene Band, als beste Tanzkapelle Österreichs gewonnen hatten. Einige der Roulettis 'Stückle' hatten auch die Rogledis im Programm.




Im Herbst fing Peter Jochum mit der Meisterprüfung an und hatte keine Zeit mehr zum Musizieren.


Für ihn fing Josef Reinstadler aus Mellau bei den Rogledis an.


Josef (Peppe) Reinstadler, Mellau, geb. 1932, Fabriksarbeiter bei Lotternder, Wüstner & Co.


Peppe spielte zuvor jahrelang beim Edelweiss Trio mit Albert Puchmayr und Adolf Bischof aus Mellau und war damals sicher einer der besten Handorgler im Bregenzerwald.


1965


Gemeindeblatt 25.1.1965



Peppe, Johnny, Sepp, Moses.


Der langjährige Mellauer Kapellmeister Albert Puchmayr sagte einmal, dass Peppe Marina viel besser spielte, wie Rocco Granata.




Bereits 1965 schaffte sich Peppe eine Farfisa Hammond Orgel an. Dieses Instrument war insbesondere für die Rogledis wichtig, konnte man ihm doch Töne entlocken, die einem Blasinstrument ähnlich waren.


Die Farfisa war nicht nur irgend ein Instrument.


Eine der ersten Bands, die eine Farfisa-Orgel einsetzten, war 1965 Sam the Sham & the Pharaohs bei ihrem Hit Wooly Bully. Rick Wright von der Band Pink Floyd setzte Farfisa-Instrumente ab dem Album The Piper at the Gates of Dawn bis hin zu The Dark Side of the Moon ein. Ralf Hütter von Kraftwerk verwendete eine Farfisa bei Autobahn, Jean Michel Jarre auf dem Album Oxygène.



Typische Spielstätten der Rogledi in den Sommermonaten.


Im Gasthof Kreuz, Mellau jeden Sonntag Abend in der Sommersaison.


Gasthof Tannberg, Schröcken.


1966


Gemeindeblatt 4.2.1966


Gasthof Schiff, Hittisau.


Gemeindeblatt 8.2.1966


Gasthof Krone, Schoppernau.


Bei diesem 'Stückle' spielte Moses immer sein bekanntes Schlagzeug Solo.



Während eines Auftrittes beim Kaffeekränzchen in der Mohnenfluh in Schröcken fing es an zu stürmen und zu regnen. Es gingen mehrere Lawinen ab und die Rogledis waren eingeschlossen. Man übernachtete in der Mohnenfluh. Bis am nächsten Nachmittag konnte man den Fußmarsch in den hellblauen Samtschuhen und den Instrumenten auf dem Buckel wagen bis nach Hopfreben. Mohnenfluh Wirt Alfons Strolz war auch mit von der Partie und zahlte ein paar Liter Wein im Gasthof Hopfreben.



Danach holte Anton Rechensteiner mit seinem VW Büssle die Rogledis ab, die gerade rechtzeitig zum nächsten Auftritt, den Sportball in Egg kamen.



Gemeindeblatt 13.2.1966


Otti Bischofberger und Bardame Anuschka.


I

Im Schiffle in Hittisau fand der erste Gastwirteball Bregenzerwald statt. Die Rogledis waren für diesen Ball gebucht. Zuerst gab es einen Sektempfang. Auch die Musikanten durften mitschlürfen. Die Rogledis gaben ihr Bestes, aber die Wirte wollten einfach nicht tanzen. Um das schlechte Gewissen zu beruhigen spendierte man der Musik eine Rund nach der anderen. Gegen 22:00 Uhr war die Kapelle in einem ähnlichen Zustand wie die Wirte, nämlich sternhagelvoll. Da nahm Peppe Reinstadler einen Blumestock, schleuderte ihn vor den Augen von Schiffe Wirt Hans-Peter in die nächste Ecke und sagte: 'So, I gan itz huo!'. So packten die Rogledis zusammen und verließen das Lokal. Das kam natürlich bei den Rogledis Kundschaften, den Wirten nicht so gut an.


Die Sonnenwirtin von Mellau machte im Herbst immer einen Betriebsausflug für ihre Crew vom Bären und der Sonne. Man besuchte immer Orte, wo man möglichst viele Stammgäste zu einem unterhaltsamen Abend einladen konnte. Eine werbetechnische Roadshow vom Feinsten. Mit dabei war immer eine Tanzkapelle.


Die Mitarbeiter/innen zusammen mit den Rogledis auf dem Stuttgarter Fernsehturm.




1967


Gemeindeblatt 8.1.1967


Gasthof Ifenblick, Sibratsgfäll.



Der Sportball in Egg zählte damals zu den nobelsten Bällen in der Talschaft.


Meine Mutter hat mir erzählt, wie das so funktionierte damals. Bereits im Herbst hat man entschieden, welche Bälle man vorhatte zu besuchen. Dann hat sie als gelernte Schneiderin die Ball Outfits genäht. Nach dem Neujahr sei dann der Ballkalender im Behmann Laden aufgelegen und musste rasch Karten für die Bällen ergattern. 14 Tage vor der Ballsaison gab es kaum noch Friseur Termine in oder eigenen und in den umliegenden Gemeinden. Eine ganz große Sache war das Spieß Essen im Ochsen in Egg. Damals ging man ja kaum auswärts zum Essen. Eigentlich hatte man sich seit dem Herbst schon auf die Bälle gefreut.


Gemeindeblatt 25.1.1967


Ein Faschingsprogramm aus dem Jahr 1963.





Der alljährliche Maskenball im Löwen und Ochsen in Egg war ein Fixtermin für alle Nachtschwärmer. Im Löwen spielte die runde Kapelle und im Ochsen die Moderne.

Nachdem man im Ochsen den berühmten Zigeunerspieß gegessen hatte, wandere man mit einer Ballkarte zwischen den 2 Bällen hin und her.


Gemeindeblatt 2.2.1967


Die Vier Rogledis.


Bitte bei YouTube unten links anklicken.



Gemeindeblatt 2.2.1967



Typische Spielstätte der Rogledis in the Sommermonaten.


Gasthof zur Post, Bezau.


Hotel Mohnenfluh, Schröcken.



Gasthof Sonnhalde, Schwarzenberg.




Die Rogledis haben auch auf Bodensee Schiffen gespielt.



Über Jahre hinweg hatte der Schwiegervater von Anton Brändle, Egg mit seinem Reisunternehmen Kipferl's Reisen aus der Nähe von Hanau, Deutschland Gäste nach Egg gebracht.