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Schöne Autos auf schlechten Straßen

Lange Zeit hatte im Bregenzerwald eine autofreie Stimmung geherrscht. So bestand vor dem 1. Weltkrieg im gesamten Tal ein generelles Fahrverbot für Kraftfahrzeuge. Es wurden nur wenige Ausnahmegenehmigungen gewährt wie etwa beim Kraftwerksbau in Andelsbuch 1904 bis 1908 oder wenn die Familie des deutschen Kronprinzen alljährlich mit dem Automobil die Villa Maund in Hopfreben aufsuchte.


Der deutsche Kronprinz mit Entourage auf der Durchfahrt in Egg um 1910.


Bei diesen Gelegenheiten gab es regelmäßig Proteste. Fuhrleute beklagten das Scheuen der Pferde, während die Bauern wegen der rasenden Geschwindigkeit die Staubentwicklung verteufelten.



Der 1. Weltkrieg brachte dann notgedrungen die Begegnung mit dem Kraftfahrzeug in vielen Lebensbereichen. So verlor sich auch langsam die Ablehnung über die 'stinkenden Fuhrwerke'.


Bereits 1917 hegte Postkutschenfahrer Jakob Grobber aus Au die Absicht, ein Kraftfahrzeug für die Postbotenfahrten zwischen Bezau und Schoppernau zu verwenden. In den folgenden Jahren bekräftigte er weiterhin seine Absicht, bis er 1919 resignierte. Die anhaltend schlechten Staßenverhältnisse insbesondere durch die Raue Klaus in Mellau ließen ihn auf den Kraftwagenbetrieb verzichten.


Darauf hatte vermutlich der findige Bauer Albert Ritter aus Schoppernau nur gewartet.


Vorarlberger Volksblatt 8.2.1920


Albert Ritter kauft einen Autobus und fährt zunächst private Touren.


Am 1. Juni 1922 wurde die Linie Bezau - Schoppernau eröffnet.

Diese Linie war die erst zweite Postautoverbindung in Vorarlberg. Die erste war zwischen Bregenz und Hohenweiler.


Die amtliche Komissionierung der Straße Bezau bis Schoppernau verlief recht zufriedenstellend. Die Fahrbahn wurde als brauchbar erachtet, lediglich einige Brücken mussten verstärkt und vorstehendes Gebüsch entfernt werden. Die Bevölkerung wurde aufgerufen die Linie zu nutzen und zu fördern, da sie sonst wieder eingestellt werde.




Im Vorderwald erhielt der Hittisauer Anton Hagspiel, Sohn des Sonnenwirtes 1924 die Erlaubnis zur 'selbständigen Führung eines Kraftwagens mit Explosionsmotor'.


Ende der 20er Jahre beteiligte er sich an der Vorderwälder Kraftwagen Gesellschaft. Das Schönste, die Hagspielbusse fahren bis heute.


Der Fahrpreis betrug je Kilometer 120 Kronen, so daß für die Strecke Bezau - Schoppernau 2400 Kronen zu berappen waren. Diese hohe Summe erklärt sich durch die galoppierende Inflation in den 20er Jahren. Nach der Schilling Einführung 1924 betrug der Fahrpreis von Bezau nach Hopfreben (die Linie wurde inzwischen verlängert) genau 4 Schilling.

Kinder unter 4 Jahren waren auf dem Schoß zu halten für die Mitnahme von Hunden war das Einverständnis aller Passagiere einzuholen.


Albert Ritter agierte im Namen der Post, fuhr aber auf eigene Rechnung und Gefahr. Er war der offizielle Postfahrer.


Die Inflation war wirklich galoppierend. Die Preisvorgaben und Bedingungen

für Albert Ritter ein Jahr später.


Albert Ritter mit seinem Autobus vor dem Bad Hopfreben (rechts). Damals führte die Straße noch unterhalb des Gasthofes vorbei.



Vorarlberger Tagblatt 16.4.1925


Richtung Schröcken


Mit dem beginnenden Kraftverkehr häuften sich auch die Unfälle.


Vorarlberger Tagblatt 21.4.1925


Der Fahrplan knüpfte an den Fahrplan der Wälderbahn an und war somit eine ideale Ergänzung in den Hinterwald und zurück.

Sigmund Greußing war ein Stiefbruder von Hirschenwirt Peter Greußing. Auch er steuerte einen Autobus und fuhr die selbe Strecke. Wie man am Fahrplan erkennen kann, haben die beiden sich glänzend ergänzt.


Vorarlberger Volksblatt 19.6.1925


Private Linien gab es im Ländle schon ab 1903, die Post als Unternehmer stieg aber erst viel später ein. Auch Ritter bot ab 1920 bereits private Touren an.


Vorarlberger Landeszeitung 25.9.1926


Vor dem Gasthof Kreuz in Mellau.


Allgemeiner Tiroler Anzeiger 10.12.1926


Die Straße von Bezau bis Schröcken war eine sogenannte Konkurrenzstraße, die die angrenzenden Gemeinden finanzieren und erhalten mussten.


Gemeindeblatt 12.12.1926



Vorarlberger Landeszeitung 30.3. 1929


Vorarlberger Landstimme 18.8.1929


Die Brauerei Egg erhält 1930 den ersten LKW. Fahrer sind Raimund Moosmann, Mellau und Friedrich Helbock, Egg.


Vorarlberger Volksblatt 8.1.1930


Ab 1930 fuhr die Post in Eigenregie mit 2 Bussen die Strecke. Albert Ritter und seine Söhne fuhren nun wieder private Touren.


Das heutige Bus- und Taxi Unternehmen in Schröcken hat mit der Familie in Schoppernau nichts am Hut. Die Ritter aus Schröcken stammen von der 'Ziegler' Sippe in Bersbuch ab.



Verkehrsstau am gesprengten Schrofen in Richtung Schröcken. Anton Ritter (Sohn von Albert) mit seinem vollbeladenen Gesellschaftswagen und Fuhrmann Franz Josef Moosbrugger mit seiner Kutsche um 1930.


Vorarlberger Landzeitung 19.1.1931


Norbert Bertolini mit Gattin Eleonore aus Bregenz mit ihrem Austin Healey in der Rauen Klaus in Mellau um 1931.


Im Winter war man froh, wenn man wieder auf 1 bis 2 PS umsteigen konnte.


Vorarlberger Tagblatt 19.2.1931


Vor dem Gasthaus zum Grünen Baum in Hittisau.


Vorarlberger Volksblatt 21.2.1932


Eugen Bischofberger vor der Sonne in Mellau um 1932


Autofuhrunternehmen Peter und Josef Wüstner, Mellau.


Von Schnepfau Richtung Hirschau um 1935


Privatautobus von Fanz Xaver Strolz, Schröcken mit Fahrer Raimund Moosmann, Mellau.


Autobus vor dem Gasthof Kreuz, Mellau.


In den Graben gefahren. In der Mellen in Mellau.


Auto von Professor Ludwig Bischofberger, Mellau um 1936.


Vorarlberger Tagblatt 9.3.1939


Hermann Wüstner und Vinzenz Bischof, Mellau um 1939.


Während und nach dem 2. Weltkrieg wurden viele der Bregenzerwälder Straßen staubfrei gemacht, was die Fahrt für Passagier und Auto angenehmer machte. Natürlich auch für die Bauern und ihr liebes Vieh.


Ich möchte mich bei Tone Wüstner, Bezau bedanken für die vielen Informationen und einige Bilder. Ich möchte mich auch bei Rosmarie und Wilfried Ritter, Schoppernau bedanken für die Information und die Preisvorschreibung von 1923.

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