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Wälder im Urwald, Teil II


Salzburger Volkszeitung 12.8.1950



Der Dorfplatz von Dreizehnlinden um 1950.


Die Schule wurde von geistlichen Schwestern geführt und 1950 besuchten 80 Schüler die Klassen.



Neubau der Kirche 1952.

Bemerkenswert ist, dass man die Mauern um die Kirche zog und diese erst danach abgebrochen wurde.


Die neue Pfarrkirche.


Einweihung der neuen Pfarrkirche.


Dreizehnlinden mit der neuen Kirchen und der neuen Schule links davon im Rohbau.


Ein sehr seltenes Ereignis in Dreizehnlinden.



Gabriel Hausberger betreute als Kapellmeister die Blasmusik mit einer Stärke von 26 bis 28 Mann. Er betreute auch die Leihbibliothek mit 2000 Bänden. Es gab verschiedene Theateraufführungen. Der Herr Pfarrer eröffne ein Pfarrkino mit 1 bis 2 Filmen pro Monat. Es gab eine Schuhplattlergruppe und einen Fussballclub. Ausserdem gab es einen Kirchenchor, einen Männer- und einen Mädchenchor.


Hausmusik bei Familie Grander.


Die Theatergruppe.



Mitte 1952 trat der Administrator Federal Jose Born in Papuan seine Tätigkeit an. Er forderte staatliche Zuschüsse an und bekam sie auch. Der Ausbau des Ortzentrums, der Strassen und Wasserleitungen wurden allgemein begrüßt, aber es stellte sich heraus das viele Gelder in andere Taschen versickerten.


Benesch war verärgert als er 1953 nicht Honorarkonsul wurde und die Österreicher abermals auf einen brasilianischen Vorschlag eingingen.

Fridl Natter hatte 1954 noch einmal seine Heimat Mellau besucht. Dieses Privileg konnten sich nicht viele Siedler leisten.


Fridl veräußerte seinen letzten Besitz, das Heugut Tanna an Karl Giesinger.


Damals brachte er seinem Göttebuben Josef Hager, der in Dreizehnlinden geboren wurde und mit seinen Eltern 1939 zurück nach Mellau kehrte, eine Uhr mit.


Am 15.1.1956 wurde Papuan zu einem eigenen Distrikt mit dem Namen Treze Tilias.


Der neue Bus der Familie Rofner.


Vorarlberger Nachrichten 15.9.1956



Josef Moser aus Dreizehnlinden war ein namhafter Schnitzkünstler.



Nach zähen Verhandlungen zwischen der österreichischen Botschaft, und dem brasilianischen Einwanderungsinstitut wurde am 25.3.1959 ein Notariatsakt erstellt, der den Passus enthielt, den Siedler ihr Eigentum zurück zu geben.


1960 erhielten die Siedler schließlich endlich ihre Landbesitzpapiere.


Am 26. 4. 1963 wurde Dreizehnlinden zum Munizip (Gemeinde) erhoben. Es umfasste mittlerweile 152 Quadratkilometer und beherbergte etwa 5000 Einwohner.


Ein grosses Problem war, dass die deutschstämmigen Dreizehnlindner keinen Bürgermeister aus ihren Reihen hatten. Er kümmerte sich wenig um die Anliegen der ehemaligen österreichischen Siedler. So ließ der erhoffte Aufschwung auf sich warten.


Die Pionieren bei der 30-Jahre Dreizehnlinden Feier.



Vorarlberger Nachrichten 6.12.1965


Der Volkskundler Prof. Dr. Karl Ilg aus Dornbirn bemerkte bald, dass die Deutschstämmigen mittlerweile eine Minderheit darstellten. Die Jungen hatten kinderreiche Familien und Neuland gab es keines. Daher wanderten viele nach Parana ab.


Ein Bild vor dem Krankenhaus mit den damals noch lebenden Pionieren.



Der Dornbirner Universitätsprofessor und Volkskundler Dr. Karl Ilg bereiste Südamerika mehrmals und besuchte auch Dreizehnlinden.


Vorarlberger Nachrichten 18.3.1966


Nun erlangte Dreizehnlinden wieder Aufmerksamkeit in Österreich.


1969 kam der aus Bings bei Bludenz stammende Pater Pfarrer Johann Küng nach Dreizehnlinden. Pfarrer Franz Pointl aus Oberösterreich kümmerte sich um die Diözese und

Pfarrer Küng machte sich daran für den wirtschaftlichen Aufschwung zu sorgen.


Professor Ilg und Pfarrer Küng schlugen vor, die Landwirtschaft auf Milchwirtschaft umzustellen.


Das neue Konzept war das Begrasen der Hänge, Milchtierhaltung, Molkereierzeugnisse und nur ebene Fläche als Acker zu nutzen.


Nötig war die Ausbildung von Fachkräften, das Erbauen einer Molkerei und die Schaffung einer Genossenschaft.


Auch der Tourismus sollte forciert werden.


Dieser Kulturverein sollte die Bewohner von Dorf Tirol und Entre Rios (Siedlung der Donauschwaben) mit den Dreizehnlindnern zusammenschliessen.


Vorarlberger Nachrichten 31.12.1969


Am selben Tag wurde in Dreizehnlinden die landwirtschaftliche Genossenschaft gegründet.

Vorarlberger Nachrichten 4.4.1970


Vorarlberger Nachrichten 22.8.1970



Vorarlberger Nachrichten 3.12.1971


1971 nahm mit Hilfe von Pfarrer Küng die Sojaöllfabrik die Produktion wieder auf.


Das neue Krankenhaus konnte im Jänner 1971 eröffnet werden. Auch eine weiteres Schulgebäude entstand durch den rührigen Pfarrer Küng.


Der Tourismus Verband wurde 1970 gegründet und 1971 traf der erste Bus mit Gästen aus Sao Paulo ein.


Die erste Landwirtschaftsmesse fand am 1. Mai 1971 in Dreizehnlinden statt. Für die Messe mussten der Platz und die Strassen geschottert werden. Erwin Felder reiste nach Florianopolis und beschaffte Baumaschinen für 60 Tage und 1972 noch einmal für 30 Tage.

Bürgermeister Ivo Nerz Hartmann versuchte dies zu verhindern, aber die Siedler setzten sich durch.


Die erste Viehaustellung gab den Bauern die Möglichkeit, ihre Zuchterfolge präsentieren zu können.


Unter Initiative von Pfarrer Küng wurde die genossenschaftliche Molkerei am 2. Dezember 1973 eingeweiht.

Anfänglich wurden 600 bis 700 kg Milch verarbeitet.


Die Molkerei in den 70er Jahren.


Speiseeis war in Brasilien sehr beliebt, konnte aber aus dem üblichen Milchpulver nicht hergestellt werden. Dies soll die Initialzündung für die Molkerei gewesen sein.



Die Musikkapelle im Jubiläumsjahr 1973.



Postkarte aus dem Jahr 1973.



Vorarlberger Nachrichten 4.9.1975


Vorarlberger Nachrichten 29.4.1976


Milchanlieferung bei der Tirol Milch in Dreizehnlinden 1976.



Vorarlberger Nachrichten 6.5.1976



Mit Antonio Carlos Altenburger erhielten die Siedler 1977 endlich einen Bürgermeister aus ihren eigenen Reihen.

Bereits Mitte der 70er Jahre gab es im Tiroler- und Vorarlberger Landtag heftige Debatten über Pfarrer Küng. Er solle Entwicklungsmittel zweckentfremdend haben. Diese Informationen kamen zweifelsohne aus dem Lager rund um Ilg.


Fakt ist, dass Küng mehrere Gegner in Dreizehnlinden hatte. Einer davon mit einem heissen Draht nach Österreich war Ilg. Die Mellauer Siedler erhielten damals Briefe von Ilg, keine Milch an den Pfarrer zu liefern. Kurze Zeit später war die Genossenschaft pleite und die Familien Dresch und Rofner kauften die Molkerei.



Pater Küng hatte Dreizehnlinden 1978 verlassen (oder er wurde gegangen) und wurde danach Pfarrer in Ludesch, Vorarlberg.


Später hat Professor Ilg auf diese Frage so geantwortet. Küng hat für Dreizehnlinden sehr viel bewirkt, nur das Geld hat nicht zu seinen Stärken gehört.


Vorarlberger Nachrichten 4.8.1978


Diese Reise buchte auch der Mellauer Abfallwirtschafter Karl Ennemoser um seine Verwandtschaft in Dreizehnlinden zu besuchen. Karl's Mutter ist eine geborene Felder aus Mellau und der Auswanderer Fidel Felder ist ein Bruder seines Großvaters. Ennemoser's Vater stammet aus St. Leonhard in Paissertal, Südtirol und musste 1942 einrücken. Er ist aus dem Krieg nicht mehr heimgekehrt und Karl hat ihn nie gekannt.


Karl Ennemoser hatte sofort ein großes Interesse an Dreizehnlinden entwickelt.



Der Tiroler Landeshauptmann Wallnöfer bei der 45-Jahr Feier in Dreizehnlinden.


Postkare aus dem Jahr 1978


Das Hotel Austria 1978.



Vorarlberger Nachrichten 12.8.1978



1980 unternahm Karl Ennemoser mit seiner Frau Helga erneut eine Brasilien Reise.


Karl und Helga Ennemoser beim Churasco Essen in Rio de Janeiro.



Natürlich besuchte man wieder die Mellauer Siedler.


In der Stube von Anton Felder, geb. in Mellau in Sao Paulo (rechts)


Die Familie Edmund Natter in Sao Paulo, wo Edmund ein bekannter Baumeister war.


Vorne: Helga und Karl Ennemoser und der noch in Mellau geborene Edmund Natter.


Bei Hubert Felder in der Stube in Dreizehnlinden.


von links: Johanna Natter, Margreth und Lorenz Natter, Gertrud, Frau von Hubert Felder, Helga Ennemoser, August Felder, Alwin Stadelmann aus Schwarzach, Ella Felder, Frau von August Felder, Hubert Felder.


Karl und Helga Ennemoser mit Hubert Felder, geb. in Mellau.


Von 1980 bis 1995 gab es in Dreizehnlinden eine rege Bautätigkeit.


Dreizehnlindner, die in Österreich zu Besuch waren, kamen zurück mit neuen Ideen und es wurde beschlossen wieder mehr auf den Tiroler Baustil zu pochen. Für Tiroler Dächer gab es eine Aufhebung der Bausteuer für 5 Jahre.



Vermutlich 1982 entstand auch dieses Bild mit Aussiedlerin Johanna Natter aus Mellau und ihren 9 Kindern, von denen 6 in Mellau geboren wurden.


1983 eröffnete im Beisein des österreichischen Konsuls das Kulturhaus.



Vorarlberger Nachrichten 23.4.1983



Johanna Natter ist 1983 verstorben.



Ein Meilenstein in Dreizehnlinden war die Asphaltierung der Straße von Dreizehnlinden bis zur Hauptstrasse im Jahr 1984 (13 km).

Dieses Projekt wurde vom Land Tirol finanziert.


Diese Straße verbindet die Siedlung mit Joacaba, der nächstgelegenen größeren Stadt.


Danach war ein merklicher wirtschaftlicher Aufschwung spürbar.


Karl Ennemoser war im Herbst 1984 wieder in Brasilien.


Vor dem Haus von Hubert Felder, geb. in Mellau in Dreizehnlinden.

Die Felder Sippe im Hotel Tirol


Tirol Milch in Dreizehnlinden 1985.


Die Professor Karl Ilg Schule.


1986 wurde die Sporthalle Gabriel Hausberger eingeweiht.


1986 waren Karl und Helga Ennemoser wieder in Brasilien. Mit dabei war diesmal Ambros Jakob (Sepplars Brose) aus Mellau.


Auf dem Corcovado bei der Christusstatue in Rio de Janeiro.


Viehkenner Brose.


Karl interessiert sich für die brasilianische Müll Wiederverwertung.


Karl Ennemoser, Margreth Natter, Helga Ennemoser, Lorenz Natter, geb. in Mellau, Ambros Jakob, Anton Felder, geb. in Mellau.


rechts: Ehrenfried Natter, geb. in Mellau.


links: Erwin Felder, geb. in Mellau, rechts: Alfons Natter, geb. in Mellau.


Albert Fetz aus Au, der im Jänner 1938 mit dem letzten Transport nach Dreizehnlinden ausgewandert ist.


2. von links: Edmund Felder, geb. in Mellau.



Vorarlberger Nachrichten 13.3.1987



Dreizehnlinden um 1990.



Ab den 1990er Jahren arbeitete Karl Ennemoser mit dem Tiroler Reisebüro RDA zusammen. Nun begleitete Karl ein bis zweimal pro Jahr Reisegruppen auf die ausgeschriebenen Rundreisen in Brasilien. Die Gruppen, bestehend hauptsächlich aus Bregenzerwäldern, Vorarlbergern und Tirolern hatten eine Stärke von 20 bis 50 Personen. Dieses Service besteht bis heute. Man kann sich ausrechnen, wie vielen Menschen Karl, oft zusammen mit seiner Frau Helga, Südbrasilien näher gebracht hat.


Ein typisches Reiseprogramm mit Karl Ennemoser als 'Fremdenführer'.


Die Banda Tirolesa gegründet 1993 mit Andi Renner, der den Dreizehnlinden Marsch komponierte.


Die Musikkapelle vor dem Thaler Schlössl, das mittlerweile Museum ist.