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Wie ich Tschernobyl erlebte

Heute vor 35 Jahren am 26. April 1986 flog das Atomkraftwerk Tschernobyl in der damaligen Sowjetunion in die Luft.


Aus gegebenem Anlass möchte ich mit euch zwei Jahre meiner 20-jährigen Karriere auf den Sieben Weltmeeren teilen.



Es war im Sommer 1985 auf der Royal Viking Sky im Mittelmeer. Wir machten damals sogenannte Holy Land Cruises. Also Kreuzfahrten vom westlichen Mittelmeer durch den Suez Kanal bis nach Haifa, Israel.


Der österreichische Verkehrsplaner Alois Negrelli war an der Planung des Suez Kanals beteiligt. Er plante auch die neue Großdorfer Strasse in Egg und die Gschwendtobelbrücke zwischen Egg und Lingenau.


Suez Kanal.



Ich war zu dieser Zeit Food & Beverage Controller.

Der Ein-Streifen Offiziersrang mit den ersten kleinen Annehmlichkeiten wie Single Kabine, Ausgang in die öffentlichen Bereiche und sogar eine kleine Allowance (bestimmtes Monatsbudget für freie Getränke und Zigaretten in den Bars an Bord).


Meine Single Kabine war zwar noch auf dem 3er Deck, aber immerhin Single.


Ich hatte ein kleines Büro auf dem Atlantic Deck, wo sich unter anderem die Rezeption und die anderen Verwaltungsbüros befanden. Die drei Royal Viking Line Schiffe waren damals schon mit einem IBM System 32 Computer System ausgestattet.


Ein typische IMB System 32.


Der Hauptcomputer mit einer Größe von 2,5 m Länge, 1,5 M Höhe und 80 cm Breite stand in meinem Büro.


Diesen Hauptcomputer musste ich täglich verwalten mit einer Sign-On Procedure am Morgen und einem täglichen Backup auf 30x30 cm Floppy Disks.


Die einzelnen Konsolen befanden sich in allen Büros und waren miteinander verbunden.

Am Ende der Kreuzfahrt musste man eine Cruise End Procedure machen und die gespeicherten Daten per Post ins Hauptbüro nach San Francisco, USA schicken.


Unser Hauptbüro damals im Wolkenkratzer in der Mitte im Financial District von San Francisco. USA. Wir hatten die obersten 4 Etagen 40 bis 44 gemietet.



Im Hauptbüro in San Francisco war eine Programmierabteilung mit 8 Personen.


Die Software half hauptsächlich mit Passagier- und Crew Listen, Zolllisten und einem sensationellen Waren- Inventur Programm.



Rhodos, Griechenland.


Alle bestellten Waren wurden immer am Beginn einer Kreuzfahrt geliefert. War dann alles verstaut, machte man sich daran, die einzelnen Artikel mit unserer Artikel Nummer zu versehen. Diese Rechnungen musste ich dann im Computer eingeben. Das ergab einen neuen Warenbestand.


Sämtliche Abteilungen mussten täglich ihre Warenanforderungen in ein Formular eintragen und beim Provision Master (Lager- und Einkaufschef) abgeben. Der lieferte dann mit seinem Team die bestellten Waren aus. Dann bekam ich diese codierten Formulare und musste sie ins IBM System eingeben. Diese verringerte den Warenbestand.


Hotel Direktor Dietmar Wertanzl aus der Steiermark mit seinen Abteilungsleitern. ich bin ganz hinter der 2. von links.


Am Ende der Kreuzfahrt musste ich zusammen mit den respektiven Bar Keepern eine Inventur machen. Danach wurde mit dem Provision Master Inventur im gesamten Lebensmittel- und Getränkelager gemacht. Es hört sich vielleicht überheblich an, aber diese Inventur kam immer auf Null heraus. Der tatsächliche Warenbestand stimmte mit der Warenliste zu 100 Prozent überein. Wenn nicht, suchte man den Fehler, bis man ihn hatte.

Im Non-Food Bereich machte man Inventuren so alle 2 Monate.


Das war eigentlich meine Aufgabe as F&B Controller.


Ich als F&B Controller zusammen mit Decksteward Thomas Berktold aus Dornbirn


Ronald Reagan war seit 1981 Präsident der Vereinigten Staaten.


Anfang Oktober 1985 begannt wieder eine Holy Land Cruise von Barcelona, Spanien bis nach Haifa, Israel.


An Bord kamen als zahlende Gäste die Tochter von Präsident Reagan mit einer Entourage von 12 Freunden und Bodyguards.


Stiefmutter Nancy Reagan mit Ronald Reagan und Maureen Reagan.


Als wir in Alexandria Ägypten ankamen, lagen wir dort zusammen mit der alten ehrwürdigen Achille Lauro.


Mein Freund und Kollege Hubert Moosbrugger aus Bizau war damals Koch auf der Royal Viking Sky und machte diesen Schnappschuss, der in die Geschichte eingehen sollte.



Es waren glaube ich 8 Terroristen von Yassir Arafat's P.L.O. die als gebuchte Passiere in Alexandria, Ägypten an Bord der Achille Lauro kamen. Mit im Gepäck hatten sie jede Menge Waffen. Die Security war damals auch bei uns gleich Null und es war ein Leichtes auch mit schweren Waffen an Bord zu kommen.


Eigentlich wollten die Terroristen mit der Achille Lauro in Israel einreisen und dort einen Anschlag verüben. Als am Abend die Stewardessen die Waffen unter den Betten sahen, nahm die Tragödie ihren Lauf. Das Schiff wurde gekapert und ein Amerikaner wurde getötet.



Unser Problem war ganz ein anderes. Sämtliche US Medien berichteten, dass wegen Maureen Reagan der Anschlag eigentlich uns galt und das die Terroristen das Schiff verwechselt hätten. Das war natürlich ein absoluter Blödsinn.


Alexandria, Ägypten.


Nach diesem Vorfall wurden auf allen Kreuzfahrtschiffen Metall Detektoren für die Kontrolle des Handgepäcks an der Gangway angeschafft. Das Gepäck ging noch einmal 30 Jahre lang ohne Kontrolle an Bord.



Vor der Überfahrt zurück nach Fort Lauderdale, USA bin ich im Oktober in Livorno, Italien ausgestiegen und habe meine 2 Monate Urlaub zuhause in Egg genossen.


Livorno, Italien.



Zur Weihnachtsreise bin dann nach Hong Kong geflogen und habe meinen Job als F&B Controller wieder angetreten. Jetzt war ich wieder auf der Royal Viking Star. Wir waren den ganzen Winter in Südost-Asien und im Süd Pazifik bis nach Sydney, Australien unterwegs.



Der An- Und Abflug im noch alten Hong Konger Flughafen war immer ein Abenteuer. Man konnte den Leute wirklich ins 'Gado' hinein lugen bei Start und Landung.

Die Piloten brauchten eine spezielle Lizenz, um nach Hong Kong zu fliegen.





Damals machte man auch 2 Wochen Reisen von Hong Kong nach Kobe, Japan mit China und Südkorea dazwischen.


Diese Reise waren ganz speziell. Wir lagen 3 Tage und 2 Nächte in Shanghai. Dies war erforderlich, da man den Huangpu Fluss nur in der Dunkelheit passieren durfte. Links und rechts davon war damals militärisches Sperrgebiet und es durfte auf keinen Fall fotografiert werden.



Royal Viking Line war 1984 die erste Kreuzfahrtlinie, die in die Volksrepublik China durfte. Ermöglicht hatte das unser Präsident Warren Titus, der Beziehungen zum Reisebüro Arrow Travel in Hong Kong hatte. Arrow Travel kam bei jeder Reise mit ca. 30 Mitarbeitern an Bord.

Sämtliche Listen für 720 Passagiere und 460 Mitarbeiter mussten für jeden chinesischen Hafen auf Chinesisch handgeschrieben werden.


Im ersten Jahr kam in den chinesischen Häfen, Shanghai, Dalian und Eingang entweder eine Abordnung von Offiziellen an Bord, oder aber eine Abordnung von Offizieren wurde an Land zum Mittagessen eingeladen. Nach jedem Gang am Tisch musste man mit dem abscheulich schmeckenden Maotai Schnaps (Löublar) auf die Freundschaft anstossen.


In Shanghai kam man so gegen 22:00 Uhr an. Dann ging man entweder in den Seemannclub oder ins Peace Hotel. Sonst gab es nichts für uns. Im Seemannclub bot man 2 Getränke an. Ein sehr gutes Tsingtao Bier aus der 0,7 ltr. Flasche oder Irish Coffee. Da ich damals kein Bier mochte, bin ich einmal nach 8 Irish Coffees 2 Tage im Bett gestanden.


Um Mitternacht mussten alle Passagiere und die Crew an Bord sein. Danach war. Ausgangssperre. Das war damals in der Sowjetunion genauso.


Im Hafengelände von Shanghai auf dem Weg zum Seamen's Club.


Es gab Millionen von Fahrrädern und Fußgängern, wenige LKWs und ein paar offizielle schwarze Limousinen. Nachst huschen die paar Autos auf der Strasse alle mit Standlicht durch die engen Gassen.


Typische Strassenszene in Downtown Shanghai.


Dieselbe Gegend heute.



Der Hafen für Peking Xingang (heute Tianjin).


Dieser Hafen war für uns im jährlichen Kreuzfahrtkalender immer ein Highlight. In meiner 20jährigen Zeit auf hoher See gab es das nur hier. Unser Schiff ohne Passagiere.


Die Gäste fuhren mit Bussen im Konvoi nach Peking. Dort besuchten sie den Sommerpalast, den Platz des Himmlischen Friedens, die Verbotene Stadt und die Chinesische Mauer. Die Gäste waren 3 volle Tage und zwei Nächte von Bord und übernachteten in Peking.


Berühmt war der sogenannte Reststop, wo auf halber Strecke nach Peking alle mal hin mussten. Mit diesen im Stehen zu benutzenden Toiletten hatten unsere verwöhnten Passagiere so ihre Probleme.



Wenn wir Glück hatten, gingen alle Gäste mit nach Peking, aber mehr wie 10 Passagiere hatten wir nie an Bord.


Das war für uns wie Urlaub. Am ersten Tag wurde geputzt, am 2. Tag gab es den ganzen Tag und die ganze Nacht eine Riesenparty und am 3. Tag hatte man sich wieder auf die zurückkommenden Passagiere vorbereiten müssen.



Viele Mitarbeiter durften frei nehmen und man organisierte eine Crew Tour mit dem selben Programm. Ich war insgesamt vier Mal mit dabei.


Einmal bekamen wir in diesen 3 Tagen eine nagelneue Hauptküche von der Schweizerfirma Elro eingebaut.


Auf der zweieinhalb stündigen Fahrt nach Peking.


Der Lunch Stop unterwegs. Das Küchenpersonal und ich.


Die Vorbereitungsküche auf der Strasse. Damals kannte man in China noch keine Kühlschränke.


Am Platz des Himmlischen Friedens mit dem Mao Mausoleum in Hintergrund.


Kleines Schild für grosse Mauer.


Unser Chef Bäcker Bernhard Meusburger aus Mellau war auch dabei.


Das grösste Bauwerk der Welt mit 2.200 km Länge


Strassenverkehr in Peking.


Mit allen Mitarbeitern haben wir damals die Passagiere nach dem China Abenteuer wieder an Bord begrüßt.


Spätestens jetzt hatte alle Passagiere genug von China. Am Abend gab es ein amerikanisches Dinner und eine typisch amerikanische Show. Viele der Passagieren weinten vor Demut.


Die Schnapsbrennerei.


Wieder einmal hatte diesen Winter eine Kreuzfahrt in Hong Kong begonnen. Vor uns lang eine 21 Tage lange Kreuzfahrt nach Sydney, Australien.



Provision Master (Lager- und Einkaufschef) an Bord der Royal Viking Star war damals der aus Sulzberg-Thal stammende Luis Moosmann. Wir hatten an diesem Tag ein sogenanntes Heavy Storing. 8 40-Fuß Container warteten auf uns mit Material aus Kalifornien. Die ganze Ladung waren ca. 200 Paletten. Kurz nach dem Auslaufen um 18:00 Uhr kam Luis zu mir ins Büro und sagte mir, dass statt der 2000 Pfund bestellten Williams Birnen 4000 Pfund (1800 kg) angekommen seien. Fakturiert waren aber nur 2000 Pfund. Wir verständigten sofort den Lieferanten in Kalifornien. Wie angenommen bedankte er sich für unsere Ehrlichkeit und schenkte uns die Birnen.


Provision Master Luis Moosmann aus Sulzberg-Thal.


Die Bestellung für Sydney war längst gemacht. Wir wussten genau, dass die 900 kg Birnen am Ende der Reise übrig bleiben würden. Luis sagte am nächsten Tag aus Spass zu mir: 'Ma söt die Beara gad inmacho'. Ich fragte ihn, ob er Erfahrung mit Schnapsbrennen habe. Er verneinte das und ich sagte ihm, dass ich schon oft beim Schnapsbrennen zugeschaut habe.


Luis machte die Birnen in 6 neuen 32-Gallonen (120 lt.) Plastik Mülltonnen ein. Er lagerte sie im Schnapslager nahe beim Maschinenraum. Die ganze Aktion musste natürlich Top Secret sein.

Im nächsten Hafen rief ich meine Mutter zuhause an und erteilte ihr einen Auftrag. Sie musste nach Unterbach zu Gore Schneider gehen, der uns eine Schnapswaage besorgen musste.


Meine Mutter schickte dann die Schnapswaage zu unserem Agenten nach Sydney, Australien. Das Porto kostete mehr wie die Waage.



In der Zwischenzeit heckte Luis einen Plan für unsere Schnapsbrennerei aus. Auf dem 2er Deck der Lagerräume befand sich auch der Butcher Shop. Dort machten unsere zwei Metzger ihre täglichen Arbeiten. Dort befand sich ein 3-geteiltes Wasserbad mit Kammern von 1 Meter im Quadrat. Das Wasserbad hatte einen Doppelmantel und wurde mit Dampf beheizt.


Der Butchershop auf der Royal Viking Star mit Metzger Roland Lenz und sein Gehilfe Martin Walchhofer. Rechts zu sehen das Wasserbad.



Luis hatte gute Beziehungen zu den Arbeitern im angrenzenden Maschinenraum. Aus einem Edelstahl Dampfkessel der ausgetauschten Küche ließ er den Kessel herausschneiden, dieser wurde auf einen quadratischen Rahmen geschweisst. Oben noch einen Auslass für das Rohr und schon nahm unser Dampfhut Formen an. Zwischen Waschbecken und unserer Konstruktion kam noch eine fette Gummidichtung. Mit einigen Schraubzwingen befestigt, war die Schnapsbrennerei aufgestellt.



Malang, Indonesien.


Auf der nächsten Reise zeigte mir Luis die Maische. Er sagte in seinem Vorderwälder Dialekt: 'Lug as schnüttorlot scho'. Irgendwo in der Nähe von Bali, Indonesien trafen wir uns um Mitternacht im Butchershop und installierten unsere Anlage. Wir führten einen Gummischlauch vom Hut in einer Spirale durch einen mit Eiswürfel gefüllten 120 ltr. Mülleimer und drehten den Dampf auf.


Der Schnaps kam raus, aber in Dampf Form. Der Schlauch isolierte viel zu gut. Enttäuscht schöpften wir die Maische wieder zurück in die Tonne und gingen zu Bett. Danach versuchten unsere norwegischen Maschinenraum Freunde aus Kupferrohr eine Spirale zu formen. Dass wollte nicht klappen. Wieder zurück in Hong Kong sandten wir unseren lokalen Lieferanten auf Tour, der kurz vor dem Auslaufen mit einer perfekten Spirale antanzte.



Nun wurde die Zeit knapp, da ich in Kürze meinen Urlaub antrat.


Luis hatte sich ein ganz spezielles Etikett für den Schnaps ausgedacht. Wir hatten damals den sogenannten Skald Editor an Bord. Er war zuständig für alle Drucksachen an Bord. Damals gab es noch keine Kopiermaschinen. In seinem Büro machte er das gesetzte Layout. Mit Offsetdruck wurden Stahlplatten erzeugt. Danach wurde mit der Druckerpresse gedruckt.


Der Skald war unsere tägliche Bordzeitung. Bei den Vikinger Beutezügen früher war der Skald der Mann, der Lesen und Schreiben konnte.



Kurz nachdem ich ausgestiegen bin, hatte Luis den Schweizer Küchenchef Urs Keller in unser Vorhaben eingeweiht. Er brauchte ja einen Gehilfen. Urs hatte ausserdem Erfahrung im Schnapsbrennen.



Mit dem Kupferrohr lief die Anlage perfekt. Der Williams lief gut an und das Resultat waren 60 Liter Williams vom Feinsten.


Bei der offiziellen Party fragte Urs Keller Kapitän Hartheim, was er sagen würden wenn auf dem Schiff Schnaps gebrannt würde. Er antwortete, solange er die erste Flasche bekommen würde, würde er Danke sagen. Man gab ihm großzügigerweise drei Flaschen von unserem Working Spirit.


Das Etikett des 'Working Spirit'


Kapitän Ola Harsheim mit Gästen.



Damals waren fast alle höheren Hotel Positionen auf der Royal Viking Star in österreichischer Hand. Hotel Direktor war Hannes Furlan aus Kärnten.


Hotel Direktor Johann (Hannes) Furlan.


Zu dieser Zeit waren 52 österreichische Mitarbeiter/innen an Bord. Man beschoss beim nächsten Stop in Xingang, China ein österreichisches Oktoberfest für alle Mitarbeiter zu machen.


Oberkellner Roman Feurstein aus Mellau und Provision Master Luis Moosmann waren zuständig für die Trachtengruppe. Ich war damals im Urlaub. Man ließ sich 6 Dirndl und 6 Lederhosen für die Trachtengruppe einfliegen.


Der Speiseaal für 720 Passagiere wurde mit Krepppapier als Festzelt gestaltet. Eine kleines Problem gab es bis zuletzt. Man konnte in ganz China keinen passenden Holzstamm für den Holzhackertanz finden. Man hat dann halt auf irgend einem Krüppelast herum gehackt.



Jedenfalls wurde bei diesem Fest unser Williams Schnaps verköstigt und die Party ging in die RVL Geschichte ein.



Mein nächster Vertrag fing auf der Royal Viking Sky in Fort Lauderdale an. Ich wurde als nächster Provision Master nominiert und erhielt nun Training.


Wir machten damals Kreuzfahrten von Florida in die Karibik, durch den Panama Kanal nach Mexiko und Kalifornien.


Ocho Rios, Jamaica.


Ich hatte meine erste Bestellung als Provision Master bereits gemacht, denn in Fort Lauderdale, USA fing die Überfahrt über den Atlantik nach Lissabon, Portugal an und ich war das erste Mal offiziell Provision Master.


Acapulco, Mexiko mit Blick auf das legendäre Princess Hotel.



Bereits Ende März konnte man bei uns diese Schlagzeile lesen.


Präsident Reagan ließ nicht mit sich spassen und schickte die 6. US Flotte ins Mittelmeer.



Die Royal Viking Sky war voll gebucht für die Überfahrt.



Die Golden Gate Bridge an der Bucht von San Francisco.


Im amerikanischen Atlas liegt Libyen genau einen Zentimeter neben Europa. Es hagelte auf einmal Stornierungen für die Crossing und die Reisen danach im Mittelmeer.


Gegenverkehr im Panama Kanal.


Meine Schulung als Provision Master war abgeschlossen und ich freute mich auf Fort Lauderdale.



Wir liefen in Fort Lauderdale mit einem halbvollen Dampfer aus.


Die bestellte Ware konnte ich natürlich nicht mehr stornieren. Auch die nächste Bestellung für Lissabon war bereits geordert.


Zu dieser Zeit war der Kärntner Sigi Maier Hotel Direktor.


Am nächsten Morgen gab es ein Meeting mit dem Hotel Direktor und dem Kapitän mit allen Abteilungsleitern.


Unsere Verkaufs- und Marketing Abteilung in San Francisco hatte schnell reagiert. Man stornierte alle Mittelmeerreisen bis auf Weiteres. Zeitversetzt mit unserer Schwester, der Royal Viking Sea machte man nun im Sommer abwechslungsweise eine Reise von Bergen oder Oslo, Norwegen ans Nordkap und dann eine ins Baltikum bis nach Leningrad, Sowjetunion.


Bisher waren wir eigentlich immer ausgebucht und jetzt mussten wir froh sein, die beiden Schiffen Europa halb gefüllt zu haben.



In der Provision mit meinem Team.


3 Tage, bevor wir Lissabon erreichten, am heutigen Tag vor 35 Jahren ging Tschernobyl in die Luft.


Wir hatten damals auch in Oslo ein Büro. Wenn wir in Europa waren, wurden die Bestellungen von diesem Büro abgewickelt. Am folgenden Morgen fand ich ein Telex auf meinem Schreibtisch. In Lissabon gab es weder frische Milchprodukte noch frisches Gemüse oder Obst wegen dem atomaren Fallout.


Nun war ich froh, dass ich noch übriges Material an Bord hatte. Wir machten noch eine Mittelmeer/Adria Kreuzfahrt, bevor es in den Norden ging. In allen angelaufenen Häfen war es das selbe Spiel. Es gab nichts mehr zu kaufen.


Wir legten damals in Venedig noch an der Promenade, 2 Minuten vom Marktplatz entfernt an.



Nach einem Tag auf See erreichten wir Dubrovnik, Jugoslawien. Die Versorgungslage wurde langsam prekär. Der steirische Küchenchef Peter Leopold sagte immer, solange wir noch Kartoffeln haben, kann nichts passieren. Ihn konnte nichts aus der Ruhe bringen.



Ich sprach mit dem lokalen Lieferanten. Er sagte mir, er könne alles liefern. Bei ihnen sei immer schönes Wetter gewesen und es gab keine atomaren Wolken über Jugoslawien.

Also füllte ich das Schiff mit allen frischen Produkten, die wirklich notwendig waren.


Nach einem weiteren Tag auf See kamen wir nach Catania, Sizilien.

Mein Big Boss Sigi Maier trommelte mich am Morgen um 6:00 Uhr aus dem Bett. Der Kapitän habe angerufen. Wir könnten erst anlegen, wenn wir alle Sachen, die ich in Dubrovnik gekauft habe, zuerst entsorgten.


Catania, Sizilien.


In Neapel, Italien war die Reise dann endlich vorbei. Dort erwartete uns aus New York eingeflogene Frischware.


Wir blieben Übernacht in Neapel. Dort erwartete uns die 6. US Flotte mit 20.000 Männern und Frauen Besatzung, die alle an diesem Abend Landgang hatten. Es war eine tolle Nacht.



Am folgenden Tag liefen wir um 16:00 Uhr aus. Je näher wir dem Flugzeugträger Nimitz kamen, umso mehr schaute unser Schiffe wie ein Rettungsboot aus.




Nun ging es nach Norden. Dort waren wir natürlich Tschernobyl viel näher, aber wir konnten den Fahrplan nicht noch einmal ändern. So sind wir und die Royal Viking Sea in der Nord/Ostsee herumgetuckert mit sehr wenigen Passagieren.


Die Schiffsuhr zeigt Ein Uhr an, ein Uhr am Morgen in der Mitternachtssonne.


Die Mitarbeiter haben den ruhigen Sommer genossen. Josef Matt aus Schlins war zu der Zeit Provision Master auf der Royal Viking Sea. Wir haben in allen wichtigen Häfen gegenseitig Inventurlisten unserer Lagerbestände hinterlegt und habe somit Waren hin und her transferiert.


Hubert Moosbrugger in der Zimmerstunde.


Am Herbst sind wir dann mit fast leeren Schiffen zurück in die Vereinigten Staaten gefahren.



Wie immer kommt das Beste zum Schluß. Ein kleiner Geheimtipp.


Die besten T-Shirts gibt es in Amsterdam, Niederlande.




















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