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Der Egger Postkutschenstreit

In diesem Blog habe ich das historische Postwesen im Bregenzerwald beleuchtet. Dabei stieß ich auf den sogenannten Andelsbucher und Egger Postkutschenstreit, eine Auseinandersetzung, die tief in den lokalen Strukturen und Rivalitäten verwurzelt war.

Im Zuge meiner Recherchen erfuhr ich zufällig, dass ein Josef Schneider aus Egg einst als Postmeister tätig war. Sein Bruder Kaspar Schneider hingegen wurde weit über die Region hinaus bekannt: Er wanderte ins Zillertal aus und brachte dort den Tirolern die Technik der Fettkäserei bei – ein Wissenstransfer, der die regionale Käsekultur nachhaltig prägte.

Hinzu kommt eine weitere bemerkenswerte Verbindung: Kaspar war verschwägert mit dem legendären „Käsegrafen“ Gallus Moosbrugger aus Schnepfau, einer zentralen Figur der Bregenzerwälder Käsetradition. Diese Verflechtungen zwischen Postwesen, Auswanderung und Käsekultur formen eine Geschichte, die bis heute nichts von ihrer Spannung und Bedeutung verloren hat.


Am 'Gumpigo Donnschtag' 2026 hatten wir bei uns auf dem Bühel ein kleines Cousinen-Treffen im Faschingsmodus. Cousin Benno Pfanner, Ortschronist von Andelsbuch bearbeitet derzeit den dokumentarischen Nachlass vom Gasthof Taube in Andelsbuch. Dabei stieß er auf diese Karte, die er mir dankenswerterweise überließ.



Ich wusste sofort, dass ich wohl ein Kapitel der Egger Geschichte zumindest für mich abändern und ergänzen muss.


Das ehemalige Gasthaus zur Post in Egg, Loco 6 war ja bekanntlich zuvor das Gasthaus zum Adler. Allerdings war mir nicht bekannt, dass auch ein Josef Schneider einmal Besitzer oder Pächter dieses geschichtsträchtigen Hauses war. Außerdem nahm ich an, dass die Namensänderung in Gasthaus zur Post gemacht wurde, als das Postamt dort eingerichtet wurde.


Nun ist es an der Zeit, dem Egger Postwesen auf den Grund zu gehen. Wann und wo das Postamt in Egg eröffnet wurde, ist auch in beiden Egger Heimatbüchern nicht ersichtlich.


Es ist auch eine gute Gelegenheit, den Egger Postkutschenstreit zu veröffentlichen, den ich schon vor geraumer Zeit in der Nationalbibliothek entdeckt habe.


Im zweiten (roten) Egger Heimatbuch findet man folgenden Eintrag:

Das Gasthaus zur Post wurde früher als Taverne, dann als Gasthaus Adler bezeichnet. Der älteste nachweisbare Besitzer des Hauses war zwischen 1615 und 1630 ein Lüte Meusburger. Bis 1691 wirtschafteten Mitglieder der Familie Meusburger auf dem Gasthaus, danach folgten bis 1752 Mitglieder der Familie Fetz als Besitzer, beginnend 1691 mit einem Melchior Fetz.

Unter Franz Fetz (1740-1752) erfolgte die Umbenennung in Gasthaus Adler.

Im 19. und auch noch im 20. Jahrhundert war in diesem Haus das Postamt untergebracht.


1893 verkauften Postmeister Josef Natter und dessen Gattin Maria geb. Ratz das

Gasthaus samt dem für die Postkutschen neu erbauten Unterfahrtsgebäude an Dr. Engelbert Feurstein und dessen Gattin Maria geb. Natter (Schwester des Verkäufers). Die Käufer hatten das Gasthaus schon seit 1891 pachtweise betrieben. Der sehr beliebte Arzt

Dr. Feurstein hatte in diesem Haus seine Praxis und Apotheke. Er war auch in kommunalen Angelegenheiten sehr engagiert. Das Gasthaus blieb in weiblicher Linie bis zum heutigen Tag in Familienbesitz, ist aber seit 2004 geschlossen.


Handzeichnung des Malers und Lithographen Wilhelm Ludwig Friedrich Riefstahl

(1827 - 1888) aus Neustrelitz, Mecklenburg. (Die Zeichnung mit der Taverne (das spätere Gasthaus zum Adler) rechts soll Egg im Jahr 1867 darstellen)



Wer war Josef Schneider und wo wurde er geboren? Seine Eltern waren Johann Silvester Schneider und Maria Margaretha Waldner, wohnhaft im Gropper 205 (im späteren Haus von Erich und Margreth Flatz) . Am 12. April 1864 eheliche er Margaretha Bilgeri aus Andelsbuch, Wirth.


Die Urmappe 1857 mit dem Haus der Familie Schneider. (Um 1900 konnte Kaminkehrer Jodok Flatz (s'Kämofäagarle) das Haus und die Heimat erwerben).



Das Haus Gropper 205 von Nikolaus Melchior Flatz um 1939 mit Angelika Flatz mit 3 ihrer 9 Kinder Anna, Erich und Martin.



Dieses Bild stammt aus dem Buch "Egg - Steinebuch" von Anton Lang.


Nun befassen wir uns kurz mit dem Postwesen der Habsburger Monarchie.


Voderösterreich (Tirol und Vorarlberg) wurde von Wien aus diesbezüglich sehr stiefmütterlich behandelt. Die ersten staatlichen Postämter in Vorarlberg wurden erst 1771 in Bregenz, Hohenems und Feldkirch errichtet.

Schon 300 Jahre früher wurden unter Kaiser Friedrich III. zeitweilig regelmäßige Postritte mit festen Stationen für den Pferdewechsel in unserer Gegend eingerichtet.


Emil Rosé schreibt in einer Dokumentation über das Vorarlberger Postwesen:

Es wäre einfach gewesen, eine "Post" über den Arlberg mit dem alten Botenkurs über den Splügen zu verbinden, den die Städte Lindau und Mailand unterhielten. Aber solche

Pläne scheiterten an der Eigensucht, mit der Tirol den Brennerpass hegte, und am Widerstand von Graubünden. Darum ist Vorarlberg trotz seiner günstigen geographischen Lage erst spät dem staatlichen Postwesen angeschlossen worden. An Bemühungen dazu hat es seit den ersten Postritten durch das Land nicht gefehlt. Aber sie blieben erfolglos wegen der Straßen- und Zollpolitik, der Eifersucht der links- und rechtsrheinischen Talseite und der Handelsinteressen der Reichsstädte.


Pakete und Briefe wurden mit Boten übermittelt.

Ein Frachtbegleitbrief für einen Pack Garn von St. Gallen/Schweiz an Johann Georg Willam, Egg aus dem Jahr 1801.

Botengebühren: 18 Kreuzer bis zur Grenze, 20 Kreuzer bis Bregenz (mit der Fähre über den Rhein), 40 Kreuzer nach Egg.



Es sollte noch viele Jahre dauern bis auch die ländlichen Gegenden bei uns postalisch erschlossen wurden.


Am 1. Juni 1850 wurden die ersten Briefmarken in der Monarchie eingeführt; die sogenannte Wappenausgabe.



Die alte Pfarrkirche St. Nikolaus und das Tanzhaus.



Erst nach dem Straßenbau von Schwarzach und Oberstaufen/Deutschland nach Egg konnte man über einen regelmäßigen Postverkehr nachdenken.


Hinweis: Besuchen sie meinen Blog über den Straßenbau im Bregenzerwald im

19. Jahrhundert.




Am 16. Dezember 1850 war es dann endlich so weit. Die Gemeinde Egg bekam ihr Postamt.

Es war sicher auch dem aufkeimenden Bäder Tourismus geschuldet, dass das Postwesen im Bregenzerwald vorangetrieben wurde.


Feldkircher Wochenblatt 10. 12.1850


Es ist anzunehmen, dass sich von Beginn an das Postamt in Egg im Gasthaus Adler, Loco 6 befand.


In den nächsten 20 Jahren erhielten dann auch die anderen Bregenzerwälder Gemeinden Postämter. Schon bald wurden diese mit dem Telegraphensystem ausgestattet.


Erwähnenswert ist, dass der Bärenwirt von Mellau, Kaspar Alois Wüstner am 9. Dezember 1867 an Franz Michael Felder in Schoppernau einen Brief schrieb mit der Bitte "mir ein Gesuch um Errichtung einer k.k. Postexpedition für die Gemeinde Mellau aufzusetzten". Erhört wurde sein Ansuchen 1869, ein Jahr vor dem großen Dorfbrand in Mellau.

Ab 1862 bot der Taubenwirt von Alberschwende ein privates Kutschenservice von Bregenz bis zum Bad Reuthe an.


Bregenzer Wochenblatt 1.7.1862


Bei der Neueröffnung des Oberbades in Egg/Großdorf wurde auch das Postkutschenservice beworben.


Vorarlberger Landeszeitung 28.5.1864


Ein späteres Bild von Gasthaus Oberbad mit eigener Bierbrauerei.



Ab 1868 war Josef Schneider Adlerwirt und Postmeister in Egg.

Ob er Besitzer oder Pächter des Adlers war, konnte ich nicht herausfinden.


1869 hatte die Gemeinde Egg 1617 Einwohner.



Die Kasinobewegung tagte periodisch im Adlersaal in Egg.

Die Kasinos waren eine politisch-soziale Bewegung innerhalb des deutschsprachigen Katholizismus ab den 1860er Jahren. Diese konservativen Herren waren gegenüber modernen Strömungen sehr skeptisch eingestellt.


Vorarlberger Volksblatt 5.12.1871


Bei der Gemeindewahl 1874 erhielt Josef Schneider 25 Stimmen.


Vorarlberger Landeszeitung 27.1.1874


Zum Vorsteher gewählt wurde Kaspar Ignaz Troy, Klebern 479.



Der Transport von Nachrichten und Informationen bedeutete eine fast uneingeschränkte Macht. Ob mit den Passagieren der Postkutschen, den Telegraphen und später mit den Telefonen, die Fäden liefen immer beim Postmeister zusammen. Sie waren immer die Ersten, die Neuigkeiten erfuhren. Heute sind es die Social Media Konzerne. Die konzentrierten Informationen kann man ja bekanntlich profitabel für den Eigenbedarf nutzen.


Ein wahrer Meister im stetigen Machtausbau war der Postwirt von Bezau Johann Kaspar Natter (1815 bis - 1870). Er ehelichte 1857 Maria Barbara Muxel aus Au.


Seine 4 Söhne und die Tochter waren alle Postmeister, in Bezau, Egg und Schwarzach.



Nach dem Ableben von Johann Kaspar Natter wurde sein Sohn Franz Josef Natter (1859 - 1920) Postwirt in Bezau. Er war verheiratet mit Franziska Moosbrugger aus Schnepfau. Sie war eine Tochter des Käsegrafen Gallus Moosbrugger aus Schnepfau.


Franziska Moosbrugger, Schnepfau.





Einem weiteren Sohn Franz Anton (1864 - 1891) gehörte der Bregenzerwälder Hof in Schwarzach. Dort was das Schwarzacher Postamt untergebracht und das Haus lag am Bahnhof Schwarzach. Von dort aus gingen die Postkutschen in den Bregenzerwald.



Nach dem Ableben des Patriarchen vom Gasthaus Post in Bezau heiratete die Witwe Maria Barbara Natter 1871 den aus Graun am Reschenpass stammenden Franz Hohenegger. Er wurde nun neuer Postwirt in Schwarzach im Bregenzerwälder Hof und in Bezau. Er kümmerte sich vorrangig um das Postkutschengeschäft, das er Schritt für Schritt ausbaute.


Feldkircher Zeitung 27.1.1872

Vorarlberger Landeszeitung 4.7.1872


Der erste, über die Medien ausgetragene Postkutschenstreit fand allerdings in Andelsbuch statt.


Der Postwirt Franz Hohenegger beschwerte sich öffentlich über die Machenschaften des Andelsbucher Badwirtes.


Das Bad Andelsbuch unterhalb des Marienheimes, oberhalb des Brühlbaches.



Vorarlberger Volksblatt 17.7.1877


Die Entgegnung ließ nicht lange auf sich warten.


Vorarlberger Volksblatt 24.7.1877


Vorarlberger Volksblatt 27.6.1879


Nun kommen wir zum eigentlichen Aufhänger dieser Geschichte, dem Postkutschenstreit in Egg.


Anlass war die Tatsache, dass Löwenwirt Josef Leo Simma und sein Sohn Kaspar veranlassten, dass die Postkutsche vor dem Gasthof Löwen, Loco 9 zu halten habe, anstatt beim Postamt im Gasthaus Adler, Loco 6.


Josef Leo Simma war ein Sohn des wohlhabenden Rössle Wirtes in Au. Er soll für seine Käsegeschäfte zwischen Prag und Triest 52 Handelsreisende gehabt haben.


Alt-Löwenwirt und Käsegraf Josef Leo Simma mit einigen Mitarbeitern.



Kaspar Simma, (1860 - 1908), Sohn des Egger Käsegrafen und Löwenwirts Josef Leo Simma. Kaspar war Löwenwirt, Stickereibesitzer, Käsehändler. 1876 Gründungskapellmeister des Musikverein Egg, Ab 1880 Chordirigent des Kirchenchors und Organist. Ab 1890 treibende Kraft für den Bau der Wälderbahn, Brauerei Egg Gründer und Brauereihauptaktionär, 1907 Gründer des Elektrizitätswerks Egg.


Kaspar Simma heiratete 1883 Maria Katharina Ritter, Mühle 45.

Sie war die einzige Schwester von Kunsttischler, Kaspar Ritter.



Zum allgemeinen Verständnis links das Gasthaus Adler und rechts das Gasthaus Löwen. Die Distanz ist weniger als 100 Meter.



Der Fahrweg führte damals hinter dem Gasthaus Löwen hinunter auf die Pfisterbrücke und über Buchen (heute Engelgaß) ins Ortszentrum von Andelsbuch. Bemerkenswert ist auch, dass bei dieser Urmappe aus dem Jahr 1857 vom Zentrum ein Fahrweg rechts der Franz-Josefshöhe nach Rain bis zur Abzweigung Rainertobel führte.



Die beiden Zeitungsartikel sind absolut lesenwert.


Vorarlberger Volksblatt 5.10.1883


Hier noch einmal zum allgemeinen Verständnis. Links das ehemalige Gasthaus zum Adler, rechts das Gasthaus zum Löwen.



Der Vorsteher von Egg war 1883 Kaspar Ignaz Troy, Kleber 479 am Beginn seiner

2. Amtsperiode. Sein Haus lag an der Peripherie des Egger Ortszentrums.


Der Vorsteher von Lingenau war Peter Schedler.



Leider ist die unten erwähnte Landeszeitung Nr. 116 in der österreichischen Nationalbibliothek nicht erhältlich.


Vorarlberger Volksblatt 19.10.1883



Wie schon vorher beschrieben, Nachrichten und Informationen bedeuten Macht, damals wie heute. Außerdem waren die Postkutschenreisenden vermutlich gute Kundschaften, die auch viel zu erzählen hatten.


1885 wurde das Gasthaus Adler an Josef Natter (1860 - 1924), Sohn des Postwirtes in Bezau verkauft. Josef Natter hat 1887 Maria Anna Ratz aus Bezau geheiratet.


Vorarlberger Volksblatt 20.2.1885

Laut Häuserverzeichnis hat Natter das Haus erst 1888 erworben. 1808 war ein Josef Feurstein Besitzer.


Josef Natter war nur kurze Zeit Postmeister in Egg. Sein Bruder Franz Xaver Natter

(1869 - 1905), verehelicht mit Paulina Rohner aus Höchst wurde neuer Postmeister in Egg.

Josef Natter übernahm nun den Bregenerzwälder Hof in Schwarzach.



Nach der Eröffnung der Wälderbahn im September 1902 liefen die Geschäfte schlecht im Bregenzerwälder Hof in Schwarzach. Die Postkutschenzeit ging dem Ende zu. Josef Natter erwarb das Gasthaus zum Lamm in der Bregenzer Mehrerau.


Holztransport von der Alpe Untere Falz vor dem Gasthof in Schwarzach im Jahr 1894.


Die Brauerei Egg ersteigert in einem Insolvenzverfahren 1903 die Bahnhof Restauration in Bezau.



In einem Tauschgeschäft mit der Brauerei 1904 wurde Josef Natter nun Besitzer der Restauration in Bezau und die Brauerei Egg übernahm das Gasthaus Lamm.


Hinweis: Besuchen sie meinen Blog über die Entstehung der Brauerei Egg.




Nachdem Dr. Feurstein das Gasthaus Post in Egg betrieb, verzog auch Franz Xaver Natter nach Schwarzach.



Franz Anton Natter (1864 - 1891 war auch eine Zeit lang Postmeister in Schwarzach. Er war mit Margaretha Hammerer aus Alberschwende verheiratet.


Ein Kurzer Zusatz für meine Egger Blogger:


Ihr einziger Sohn Arthur Hammerer war mit der Modistin Aloisia Wenzel aus Maribor (heute Slowenien) verheiratet. Die beiden betrieben ein Hutgeschäft in Bregenz. 1920 wurde Tochter Aloisia Maria (Luise) geboren. 1926 lief ein Ausgleichsverfahren und das Hutgeschäft musste schließen. Daraufhin setzte sich Arthur Natter nach USA ab. Was mit Gattin Aloisia passierte, ist mir nicht bekannt. (Im Hinterkopf habe ich, dass Aloisia kurz nach der Geburt starb).

Die Tochter Aloisia (Luise) kam zu ihrer Verwandtschaft in das Gasthaus zur Post nach Egg und wurde dort großgezogen. Sie ehelichte Leopold Ritter und leitete zeitlebens das Gasthaus Engel (Ritterle) am Ortsanfang von Andelsbuch. Dies waren die Eltern der allseits bekannten ehemaligen Löwenwirtin von Schruns Irmi Sachs-Ritter.


Sämtliche Postkutschen Haltestellen befanden sich an Wirtshäusern. Dort wurden nicht nur die Pferde versorgt, sondern auch die Reisenden. Bekannt dafür waren das Gasthaus zur Linde in Springen - Riefensberg und das Gasthaus zur Taube in Alberschwende.


Vorarlberger Landeszeitung 16.6.1885


Der Wundarzt Dr. Engelbert Feurstein (1853 - 1933) aus Bizau, verehelicht 1885 mit Maria Natter, Bezau. Maria war die einzige Tochter des mächtigen Postwirtes von Bezau.


Dr. Feurstein war ab 1886 Gemeindearzt von Egg. Er konnte das Gasthaus zur Post ab 1891 pachten und 1893 erwerben. So steht es im roten Heimatbuch.


Ich persönlich glaube, dass Josef Natter und sein Schwager Dr. Feurstein den Adler 1885 gemeinsam kauften. Natter wollte Postmeister von Egg werden und der frisch verheiratete Arzt Dr. Feurstein brauchte einen Wohnsitz mit Ordination und Apotheke in Egg.


Dr. Engelbert Feurstein.

 


Dr. Feurstein war Gemeindearzt, Bahn-Arzt während des Baus der Wälderbahn und ab 1903 Badearzt in der Badeanstalt Egg.


Die von den Mitgliedern des Verschönerungsverein finanzierte Badeanstalt, die 1903 eröffnet wurde.



Dr. Engelbert Feurstein und Gattin Maria hatten 3 Töchter.


Barbara Franziska (Fanny), geb. 1888 heiratete Johann Kaspar Simma, Andelsbuch, Bühel.

Nach dem frühen Tod von Löwenwirt Kaspar Simma 1908 wurde Johann Kaspar Simma als Prokurist bestellt. Seine Gattin Fanny war nun die sehr beliebte Löwenwirtin. Die Prokura wurde beendet, als 'Löwenwirts Marie' den Löwen selbst leitete.


Fanny Feurstein.



Irma Feurstein, geb. 1889 heiratete den Sohn des Traubenwirts von Egg, Emil Schmid. Dies waren die Eltern von Maria (Husch), die spätere Postwirtin und Adolf, gefallen 1945 im

2. Weltkrieg.

Hermina Feurstein, geb. 1893 heiratete den Tiroler Tierarzt Adolf Josef Pitsch


Eintrag aus dem 1. Prospekt des Verschönerungsvereins 1903.


Dr. Feurstein konnte das Haus von Alt- Vorsteher Kaspar Ignaz Hammerer, Loco 478 erwerben. Vermutlich hatte er zumindest eine Zeit lang dort seine Ordination und Apotheke eingerichtet.


Eine spätere Ansicht mit dem Hammerer Haus (Post Dependance) links und dem Gasthaus zur Post rechts.



Vorarlberger Volksblatt 26.10.1886


1888 verstarb der Postmeister von Schwarzach und Bezau.



Vorarlberger Volksblatt 9.3.1888


Ein sogenannter Stellwagen vor der Station in Bregenz.



Vorarlberger Landeszeitung 12.6.1888


Dieser kleine Reisebericht zeigt anschaulich, dass 1888 das Gasthaus Adler noch nicht in Gasthaus Post umgetauft wurde.


Vorarlberger Landeszeitung 22.10.1888


Ein ganz wichtiger Artikel für meine Recherchen. Am 29.12.1890 hieß der Adler nun Post.


Feldkircher Zeitung 31.12.1890


Vermutlich ließ Dr. Feurstein das alte Adler Gebäude Ende der 1880er Jahre umbauen. Das Vorderhaus wurde gedreht und neu erbaut. Das Hinterhaus in der ursprünglichen Richtung mit dem Saal im Obergeschoß wurde beibehalten.


Das Postamt befand sich rechts vom Stiegenaufgang im 1. Stock neben der Eingangstüre.



Das Postamt war über viele Jahre im Gasthaus zur Post untergebracht bis auf dem Gemeindeplatz das neue Postgebäude am 11.3.1955 eröffnet wurde.



Die Postler beim Umzug vor dem Gasthaus zur Post ins neue Postgebäude.




Vorarlberger Volksblatt 21.1.1891


Die Postkutschenremise, erbaut 1892 zwischen Gasthaus Post und Gasthof Ochsen um 1900.

Der Bub rechts ist Josef Lang (Großvater von Mag. Ariel Lang), der damals Postbote war.



Bei dieser Ansicht aus dem Jahr 1898 ist gut erkennbar, dass man bei Neubau des Gasthauses Post das Hinterhaus mit Saal vom alten Gasthaus Adler stehen ließ.



Ein Ansicht vom neuen Gasthaus zur Post mit der Wagen Remise.



Die Ansichtskarten durften nur vorne beschrieben werden, da laut Postverordnung die Rückseite für die Anschrift und die Briefmarke reserviert war.


Übrigens; hat man die Briemarke so geklebt, hat das bedeutet 'Ich liebe Dich'.



Die Gemeinde Egg um 1900.



Josef Schneider's Gattin Margaretha war bereits 1888 verstoren. Die Ehe blieb kinderlos.

Warum der ehemalige Adlerwirt und Postmeister Josef Schneider Spitalverwalter im Zillertal wurde und dort auch verstarb, erfahren sie etwas später.



Eine neue Epoche für die ganze Talschaft wurde mit der Eröffnung der

Bregenzerwaldbahn am 16.September 1902 eingeleitet. Die postalische Erschließung des Bregenzerwaldes kann damit als abgeschlossen angesehen werden. Der Postverkehr vom Bregenzerwald ging jetzt nur mehr über das Hauptpostam Bregenz. Die Geschwindigkeit der Beförderung wurde erheblich verbessert.


Hinweis: Besuchen sie meinen Blog über die Entstehung der Bregenzerwaldbahn und das damit verbundene große Volksfest bei der Eröffnung in Egg.




Die Wälderbahn bei der Eröffnung am Egger Bahnhof.



Von der Post bestellte Fuhrhalter holten die Postsäcke zweimal am Tag vom Bahnhof ab.

Das Fuhrunternehmen Fehr aus Lingenau für die Orte Lingenau. Hittisau, Langenegg, Krumbach mit einer täglichen Verbindung über Springen nach Oberstaufen.

Der Schäflewirt für Schwarzenberg.

Die Postämter in Egg, Andelsbuch und Bezau sowie die Postablage Bersbuch holten die Post von der Bahn, die direkt durch den Ort ging.


Für den Hinterwald blieben die Schwierigkeiten und Unregelmäßigkeiten in der Postzustellung bestehen. Eine Normalisierung kam erst mit der Aufnahme des Postautoverkehrs Bezau-Schoppernau ab 1.Juli 1923.


Das für den Bregenzerwald wichtige Postamt Schwarzach war nun im Niemandsland.

Auch die Reisenden benutzen nun die bequeme Bahn, der Postkutschenverkehr wurde mehr und mehr eingeschränkt. Allerdings war die Wälderbahn wegen des nicht zu bändigenden Achtales oft tage- und wochenlang nicht verfügbar. Dann war man froh, dass es noch die gute, alte Pferdekutsche gab.


Abschließend noch einmal zurück zum Postkutschenstreit. Der Löwen und der Adler (Post) liegen wirklich nicht weit auseinander.



Übrigens hat das imposante Hauptpost Gebäude in Bregenz einen starken Bezug in den Bregenzerwald.



Der Bauhandwerker Ing. Romedius Wacker aus Bichlbach/Tirol wurde vom Bärenwirt in Mellau nach dem großen Dorfbrand von 1870 beauftragt, den neuen Bären zu bauen. Der Gasthof Bären wurde von 1871 bis 1873 neu erbaut. (Alle linksufrigen Gebäude bis hinter die Kirche und das Gasthaus Sonne rechts neben der Mellenbrücke enstanden nach dem Dorfbrand)


Ein markantes Gebäude, damals wie heute. Beim Kirchenbau ging das Geld aus. Die provisorische Turmspitze wurde 1903 abgetragen und neu erbaut.



Während der Bauphase des Bären verliebte sich Wacker in die älteste Tochter des Bärenwirtes Maria Anna Wüstner. Maria Anna war welterfahren, sprach fließend Französisch und war bei der Weltausstellung 1873 in Wien als Empfangsdame engagiert. 1878 wurde geheiratet.


Die Familie Wacker mit dem späteren Kunstmaler Rudolf Wacker auf Vaters Schoß.



Ing. Wacker wurde Stadtbaumeister der Stadt Bregenz und hat u.a. das wunderschöne Postgebäude in Bregenz von 1893 – 1895 gebaut.


Wie gesagt, die Pfarrkirche Mellau erhielt 1903 eine 'gehörige' Kirchturmspitze (Helm). Maurermeister Columban Natter aus Mellau und Zimmermeister Anton Fetz aus Egg haben den Helm erbaut. Eingedeckt wurde er mit den damals noch fast unbekannten Asbest Schieferplatten. Übrigens, die Ziegeleien im Bregenzerwald produzierten damals fast alle Dachziegel, da die Holzschindeln für zu viele Feuersbrünste verantwortlich waren.



Das Beste kommt wie immer zum Schluss.


Eines bin ich ihnen noch schuldig. Warum verzog Adlerwirt und Postmeister Josef Schneider nach Zell am Ziller. Eigentlich ganz einfach. Er folgte seinem Bruder Kaspar und wurde Verwalter des Altersheimes in Zell am Zill. Das ist allerding eine längere Geschichte.


Bei den Stammbaum Recherchen über Alt-Adlerwirt Josef Schneider, Egg, Gropper fiel Frau Mag. Elisabeth Wicke sofort auf, dass es sich hier um den Bruder des 'berühmten' Egger Kaspar Schneider handelt, der im Zillertal Karriere gemacht hat.


Elisabeth schicke mir die Unterlagen, die sie schon vorher über Kaspar Schneider angelegt hatte. Ich staunte nicht schlecht. Ich habe dann mit Historiker Dr. Georg Sutterlüty telefoniert. Auch er hat noch nie etwas von einem Kaspar Schneider im Zillertal gehört.


Darum ist es an der Zeit, diese Geschichte mit einem breiten Publikum zu teilen.


Zur Familie Schneider (aus der Büablar Sippe):

Vater Johann Silvester Schneider, geb. 1802 in der Mühle 29 (das spätere Feaschtorar Haus) hat 1827 Maria Margaretha Waldner, geb. 1805 aus Egg, Gropper 205 (das spätere Kämofäagarles Haus) geheiratet.


Die Kinder wuchsen alle im Gropper 205 auf.

Maria Anna, geb. 1828, verheiratet mit Josef Alois Fetz, Großdorf

Maria Margaretha, geb. 1830, ledig

Maria Katharina, geb. 1832, verheiratet mit dem Käsegrafen Gallus Moosbrugger, Schnepfau

Josef, geb. 1834, verheiratet mit Margaretha Bilgeri, Andelsbuch, Wirth

Christina, geb. 1836, ledig

Maria, 1838, verheiratet mit Johann Konrad Metzler, Schmarütte, Großdorf

Johann, geb. 1840, verheiratet mit Maria Katharina Fink, Andelsbuch, Feld

Kaspar Silvester, geb. 1842, verheiratet mit Juliana Aigner, Zell am Ziller, Tirol

Elisabeth, geb. 1844, bei der Geburt verstorben

Silvester, geb. 1845, verstorben 1846

Philomena, geb. 1850, verheiratet mit Anton Fetz, Egg, Stadel


Der mächtige Käsegraf Gallus Moosbrugger (1810 - 1886) aus Schnepfau und seine Familie spielen in dieser Geschichte eine nicht unwesentliche Rolle.


1844 heiratete Gallus Moosbrugger Maria Margaretha Meusburger 1817 - 1868 aus Bezau.


Kinder:

Josef Bartholomäus (1845 - 1908), verheiratet mit Josefine Moosbrugger, Mailand/Italien

Maria Franziska (1846 - 1847)

Jakob Lorenz (1848 - 1921), verheiratet mit Maria Margaretha Greußing, Bizau

Maria Franziska (1849 - 1857)

Johann Leopold (1850 - 1897), ledig

Bartholomäus (1855 - 1938), verheiratet mit Anna Katharina Greber, Au und Theresia Greber, Andelsbuch

Anna Katharina (1856 - 1935), verheiratet mit Josef Feuerstein, Bezau

Franziska, (1858 - 1895), verheiratet mit dem Postwirt von Bezau Franz Josef Natter, Bezau


Gallus Moosbrugger war in 2. Ehe mit Maria Katharina Schneider, Egg, Gropper 205 verheiratet. Sie haben am 18.1.1869 geheiratet. Kinder entstanden keine aus dieser Ehe.


Gallus Moosbrugger 1810 - 1886.



Vom Stammhaus der Moosbrugger, dem Gasthaus Adler ausgehend, bauten Gallus Moosbrugger und seine Brüder, Leopold und Josef Ambros, ein Imperium auf, das ihnen im Volksmund den Namen "Käsegrafen" einbrachte. Gallus war auch Gemeindevorsteher von Schnepfau.


Das Gasthaus Adler in Schnepfau um 1900.



Ihre Besitztümer reichten von Schnepfau, Bad Rothenbrunnen im Großen Walsertal über Thüringen bis nach Mailand.


Eintragung der Firma in Thüringen.


Vorarlberger Landeszeitung 16.2.1864


Josef Ambros betrieb, neben dem Käseimport, eine Käsefabrikation in Mailand, wo auch Parmesan und Gorgonzola hergestellt wurde.

Mit der Käseausfuhr einerseits, ging die Einfuhr der im Bregenzerwald benötigten Lebensmitteln, Salz, Wein, Textilien und Werkzeugen einher.

Senner aus dem Tessin wurden von den Brüdern Moosbrugger nach Vorarlberg vermittelt, um die Qualität stetig zu verbessern.

Für den Transport der sogenannten "Käsebunzen" - eine faßähnliche Verpackung - nach Mailand, soll Gallus Moosbrugger sechzig Pferde im Einsatz gehabt haben. Eine Fuhre hatte bis zu einer Tonne.


Käsetransport mit dem Vier-Spänner und den Käsebunzen mit ca. einer Tonne auf der abenteuerlichen Reise von Schnepfau, Feldkirch, Chur, die Via Mala Schlucht, Como bis nach Mailand. Die Reise dauerte meist eine Woche bis zu 10 Tagen. (über den Como See ist man mit der Dampffähre gereist)



Ein Moosbrugger Käsetransport vor dem Gasthaus Ochsen in Egg. Fuhrmann war Kaspar Eberle, Bezau - Großvater von Poldi Meusburger, Scheidbuchen, Andelsbuch.



Gallus Moosbrugger, der zeitlebens von Schnepfau aus agierte, kaufte den Großteil der Milch im hinteren Bregenzerwald auf. Die Bauern erhielten am 25. November (Katharinentag) das Geld für die Wintermilch im Voraus, von dem mussten sie einen Teil an die Lechtaler Geldgeber weitergeben, um die Zinsen zu tilgen. Mit dieser Kreditpolitik stand der Bauer sowohl beim Lechtaler, als auch - etwas günstiger - bei Gallus Moosbrugger in der Schuld.

1860 gründeten, auf Initiative des Bauern, Dichters und Sozialreformers Franz Michael Felder, eine Handvoll Bauern den "Landwirtschaftlichen Käseverein Bezau". Gemeinsam wollten sie das Monopol der "Käsegrafen" beenden und da sollten "All Ma", also "alle Männer" dabei sein. Es sollte aber noch bis 1921 dauern, bis aus der Zusammenarbeit der Bauern, das genossenschaftliche Unternehmen Alma entsteht und sich daraus die Marke "ALMA" entwickelt.

Sowohl Moosbrugger, als auch Felder waren "Modernisierer". Beide brachten neue Ideen in den Bregenzerwald.


Nun aber endlich auf ins Zillertal.


Der älteste Sohn Josef Moosbrugger kaufte im Zillertal die Milch der Bauern, die dort zu Fettkäse verarbeitet wurde. Der spätere Schwager seines Vaters, Kaspar Schneider war bei Moosbrugger angestellt und war für die Käseproduktion im Zillertal zuständig. Dies geschah ab 1866.


Das Prinzip der Talsennerei, wo mehrere Bauern die Milch ins Sennhaus brachten, kannte man im Bregenerzwald schon einige Jahre. 1830 wurde die erste Talsennerei in Au-Argenzipfel eröffnet. Ansonsten hatte man die Konzentration der Milchmenge vor mehreren Kühen und oft auch von mehreren Besitzern nur auf den Alpen. Nun faßte die Talsennerei auch im Zillertal Fuß.


Jetzt machen wir noch einmal einen kurzen Umweg zu den Käsegrafen nach Schnepfau.


Josef Moosbrugger 1845 - 1908, Schnepfau.



Josef Moosbrugger verzog später nach Mailand und leitete in seinem Anwesen am Corso Genova 9, Mailand die Käsegeschäfte der Schnepfauer Käsegrafen.


Käsesäumer am Corso Genova 9, in Mailand



Das Moosbrugger Anwesen (roter Punkt) befand sich im Herzen von Mailand.



Josef Moosbrugger hat 1882 in Mailand die Cousine Josefine Moosbrugger geheiratet. Ihr einziger Sohn Richard Josef Gallus (Ricardo), geb. 1883 verstarb 1818 an den Kriegsfolgen.


Josef und Josefine Moosbrugger.



Die Eltern von Josefine waren Josef Ambros Moosbrugger (Bruder von Gallus) 1806 - 1869 mit seiner italienischen Gattin Luigia Peselli. Josefine hatte die Geschwister Lorenz, Gisela und Leonhard, alle in Mailand geboren.


Man muss berücksichtigen, dass die Lombardei mit der Hauptstadt Mailand bis 1859 zum Habsburger Reich gehörte.


Josef Ambros Moosbrugger wohnte mit seiner Familie in einem Wohn- und Geschäftshaus in der Via Vigevano 6, Mailand. Er richtete in Mailand eine Käsefabrikation ein und erzeuge dort auch Parmesan und Gorgonzola.


Das Wohn- und Geschäftsgebäude (roter Punkt) von Josef Ambros Moosbrugger in bester Lage und unweit von Josef Moosbruggers Anwesen.



Die Firmenstruktur der Firma Gebrüder Moosbrugger im Jahr 1882.


Feldkicher Zeitung 4.11.1882



Der Konflikt mit den Käsegrafen und dem Sozialreformer und Schriftsteller Franz Michael Felder

Noch ein Zusatz für meine Egger Blogger Freunde:


Maria Katharina (Mikle) Moosbrugger 1892 - 1986 war die Tochter vom Adlerwirt in Schnepfau Bartholomäus Moosbrugger (Bruder von Josef Moosbrugger) und seiner 1. Frau Anna Katharina Greber, Au.


Bartholomäus Moosbrugger und Anna Katharina Greber.


Aus zwei Gründen wurde das Mikle mit 3 Jahren nach Mailand gebracht. Ihre Mutter verstarb 1895. Das Mikle kränkele als Kleinkind und wurde auf Anraten des Arztes in wärmere Gefilde zu Onkel Josef und Tante Josefine nach Mailand gebracht. Dort wuchs sie zusammen mit Cousin Ricardo italienisch-sprachig mit allen Annehmlichkeiten des reichen Bürgertums auf.


Dieses Bild vom Mikle wurde bereits in Mailand aufgenommen.



Später ließ Josef Moosbrugger neben seinem Elternhaus (Gasthof Adler, Schnepfau ) die sogenannte Mailänder Villa bauen. Dies sollte Mikle's Erbe sein. Das Haus wurde von Zimmermeister Fetz, Egg geplant und gebaut.



Die Villa mit dem angrenzenden Wirtschaftsgebäude von Gallus Moosbrugger Junior brannte 1974 ab. Ich war damals Augenzeuge. Es war kein schöner Anblick zu sehen, wie die angesengten Schweine auf dem Schnepfauer Feld herumrasten und Metzger Harald Haller aus Mellau ihnen mit einem grossen Messer hinterher rannte.


Für Mikle Moosbrugger waren Josef und Josefine Moosbrugger eigentlich die Eltern. Als der Ziehvater Josef 1908 und die Ziehmama Josefine 1909 verstarben, kehre Mikle mit 17 Jahren wieder in den Bregenzerwald zurück.


Mikle Moosbrugger mit 16 Jahren.




Die Gemeinde Egg um 1911 muß fürs Mikle vermutlich ein Kulturschock gewesen sein.



Mikle musste nun Deutsch lernen bei Pfarrer Fridolin Erath in Großdorf, der auch der italienischen Sprache mächtig war.


Pfarrer Fridolin Erath war Pfarrer in Großdorf von 1906 bis 1930.



Später sollte sie im Gasthof Ochsen in Egg das Kochen erlernen. Dabei verliebte sie sich in den Sohn des Ochsenwirts Rudolf Natter. Im Juni 1914 wurde geheiratet.


Rudolf Natter und Maria Katharina (Mikle) Moosbrugger.



Rudolf und Mikle Natter mit Richard (der spätere Bürgermeister von Egg) und Wilma (die spätere Ochsenwirtin) um 1918.



Nach dem frühen Tod von Gemeindevorsteher und Ochsenwirt Josef Natter mussten nun sein Bruder Rudolf und Gattin Mikle den Ochsen übernehmen. Rudolf wäre viel lieber Bauer geblieben.


Der deutsche Kronprinz Wilhelm von Hohenzollern auf der Egger Kreuzung, vorbei an Ochsenwirts Stadel (rechts), auf dem Weg in die Villa Maund in Schoppernau im Jahr 1912. Dies war der erste PKW im Bregenzerwald.



Übrigens waren die Ochsenwirts von Egg schon lange vorher mit den Käsegrafen von Schnepfau verwandt. Die Frau von Ochsenwirt Josef Ignaz Natter (1845 - 1895) war Franziska Schwärzler aus Lingenau. Ihre Eltern waren Johann Georg Schwärzler aus Lingenau (Bierbrauer, Sonnenwirt und Bad Hohl Wirt) und Maria Rosa Moosbrugger, eine Schwester von Gallus Moosbrugger.


Richard Natter mit seiner Großmutter Franziska Natter.



Versprochen, jetzt bleiben wir im Zillertal.


Als Kaspar Schneider und Josef Moosbrugger im Zillertal ankamen, wurde nur Sauerkäse hergestellt.

Kaspar Schneider sollte einen Zillertaler in die Geheimisse der Fettkäserei einführen und danach wieder in den Bregenzerwald ziehen. Dies gelang aber nicht wirklich, da mit den beiden markanten Dialekten keine fruchtbare Kommunikation entstand. So blieb er im Zillertal und produzierte Hartkäse auf eigene Rechnung.


Am 24. April 1876 ehelichte Kaspar Schneider die wohlhabende Bräuwirtstochter Juliana Aigner aus Zell am Ziller.

Nur ein Kind erreichte das Erwachsenenalter. Franziskus Johannes 1878 - 1879, Juliana Maria 1880 - 1933, Maria Margaretha 1882, verstarb 26 Tage nach der Geburt.



Zell am Ziller.



Nach der Heirat fing Kaspar an, die Felder nach Bregenzerwälder Manier zu bestellen. Er ließ die Wiesen vom Vieh 'fretzen', legte Jauchenkästen an und betrieb auch die Winterkäserei. All das soll im Zillertal damals nicht bekannt gewesen sein und die Einheimischen zeigten ihm 'den Vogel'.


Schon bald war er Besitzer einer eigenen Alpe mit 70 Kühen. Auch die einheimischen Bauern erkannten nun, dass mit der Schneider Methode die Kühe einige Monate länger Milch gaben.


Kaspar Schneider saß 32 Jahre im Zeller Gemeinderat. 1889 wurde er in den Tiroler Landtag gewählt. Dieses Amt hatte er bis 1901 inne.


Der Gasthof zum Bräu in Zell am Ziller.



Auf dem Brauereigelände soll seit jeher bis zum Ausbruch des 2. Weltkriegs das Gauderfest stattgefunden haben.

Kaspar Schneider war die treibende Kraft bei der Realisierung der Zillertalbahn.


Innsbrucker Nachrichten 30.7.1898


Die Gründer der Zillertal Bahn: v.l.n.r.: Hotelier Franz Prantl aus Jenbach, Arzt Dr. Raimund Rainer aus Fügen, Bräuwirt Kaspar Schneider aus Zell am Ziller.



Das Gasthaus zum Bräu wird erweitert.


Österreichische Alpenpost 1899 Heft 2


Wiener Extrablatt 9.1.1900


Zeitgleich mit dem Bau der Wälderbahn wurde 1900 die Zillertalbahn gebaut. Vorerst nur bis Zell am Ziller. Kaspar Schneider soll sich immer wieder Ratschläge im Bregenzerwald geholt haben.




Am 21. Juli 1901 wurde die Zillertalbahn von Jenbach bis Zell am Ziller feierlich eröffnet. Das Festmahl fand selbstverständlich im Gasthof zum Bräu statt.



Die geschmückte Bahn bei der Eröffnung in Zell am Ziller.



Die Eröffnung des zweiten Abschnittes der Zillertalbahn bis Mayrhofen wurde am 3. August 1902 gefeiert.



Die mutigen Zillertaler hatten bereits 1897 bei der Weltausstellung in Brüssel ihre neue Eisenbahn beworben. 7.8 Millionen Menschen besuchten die Weltausstellung.




Innsbrucker Nachrichten 22.6.1908



1908 verstarb Kaspars Frau Juliana.


Allgemeiner Tiroler Anzeiger 3.10.1908



Mittlerweile leitete der Schwiegersohn Simon Strasser die Brauerei. Er war von 1908 bis 1919 Bürgermeister von Zell am Ziller.



Kaspar Schneider wird Ehrenbürger der Gemeinde Zell am Ziller.


Allgemeiner Tiroler Anzeiger 26.2.1909



Kaspar Schneider feiert seinen Siebziger.


Allgemeiner Tiroler Anzeiger 15.7.1912


Kaspar Schneider wird der Titel Ökonomierat verliehen.


Illustrierte Kronenzeitung 24.10.1923


Ein ganz grosser Egger tritt von der Weltbühne ab.


Tiroler Anzeiger 6.7.1925





Vorarlberger Volksblatt 15.7.1925


Zum Abschluss noch ein paar Kuriositäten.


Die Geldkatze von Käsegraf Gallus Moosbrugger (ein Bauchgurt, in dem das Geld versteckt werden konnte), wurde im Zillertal hergestellt. Die Geldkatze ist heute in Besitz von Mikle Steurer, Hard, einer Enkeltochter von Mikle Natter.


Ex-Adlerwirt von Schnepfau Peter Moosbrugger erinnert sich, dass sein Vater Kaspar oft von seinen Besuchen als Jugendlicher im Zillertal erzählt hat. Die Zillertaler wollten immer mit ihm ranggeln und oft sei er als Verlierer kopfüber in der Stube gelegen.


Unser Vereinsmitglied Hans Liebschick, Großdorf hat von 1970 bis 1973 die Käserei Lehre in der Sennerei Eichenberg-Lutzenreute gemacht. Zwei Monate pro Lehrjahr besuchte er die damalige Bundes Lehr-und Versuchsanstalt für alpenländische Milchwirtschaft in

Rotholz/Tirol.

Rotholz – Buch liegt am Eingang des Zillertals. Waren es früher die Bregenzerwälder, die den Zillertalern die Fettkäserei beibrachten, mussten nun 100 Jahre später die Bregenzerwälder ins Zillertal, um das Handwerk zu erlernen.


Ich darf mich recht herzlich bedanken


bei Benno Pfanner, Andelsbuch für die Überlassung der Karte von Postmeister Josef Schneider


bei Frau Mag. Elisabeth Wicke, Mellau für die Überlassung der Dokumentationen

"Die Post in Vorarlberg" von Emil Rosé und "Die postalische Erschließung des Bregenzerwaldes" von Hermann Weiß; sowie die Beantwortung aller relevanten Stammbaumfragen.

für die Informationen über Kaspar Schneider, Egg, Gropper und seine Erfolgsgeschichte im Zillertal.

für die Überlassung des Bildes vom Bau der Kirchturmspitze der Mellauer Pfarrkirche 1903.


bei Mikle Steurer, Hard für die Überlassung der Bilder und die Informationen.


bei Nanni Odermatt, Egg für die Informationen.


bei Monika Moosbrugger, Schnepfau für die Informationen.


bei Peter Moosbrugger, Schnepfau für die Informationen.


bei Dr. Georg Sutterlüty, Großdorf für die Informationen über Wundarzt Dr. Engelbert Feurstein.


bei Gottfried Winkel, Bezau für die Überlassung der Sterbebilder.


bei Hans Liebschick, Großdorf für die Informationen.


bei der Seniorchefin der dargestellten Betriebe im Zillertal und Urenkelin von Kaspar Schneider, Frau Waltraud Kolbitsch, Zell am Ziller für die Informationen und die Überlassung der Bilder.


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