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Felsenkeller - Let's Fetz! Teil I


Wir vom Verein dorkultur in Egg, haben bereits bei der Gründung im Jahr 2022 beschlossen, eine Veranstaltung pro Jahr in einer benachbarten Gemeinde abzuhalten - dorfkultur on tour, sozusagen.


Heuer im Frühjahr fiel die Wahl auf den Felsenkeller auf dem Bödele. Ich muss gestehen, nicht ganz uneigennützig, denn ich war ab 1973 unregelmäßiger Gast im Felsenkeller und die Musik von Franz Fetz begleitet mich bis heute.


Als im Sommer durch die Medien bekannt wurde, dass der Berghof Fetz mit dem Felsenkeller verkauft wurde, darf unsere Veranstaltung als Abschied von der Familie Fetz/Moosbrugger auf dem Bödele angesehen werden.


Umso naheliegender erscheint es mir, das Wirken dieser Gastronomiefamilie näher zu beleuchten und darzustellen.



 

Der Felsenkeller 1975 mit illustrer Gesellschaft.


v.l.n.r.: Thomas Gratt ( der spätere Entführer des Unternehmers Walter Michael Palmers), Reinhold Bilgeri (Rock Professor), Margit Nosko, Tone Fink (Künstler), Inge Steurer und Felsenkeller Betreiber Franz Fetz.


 

Aber was hat der Felsenkeller mit Kultur zu tun. Nun, der Felsenkeller als Überbleibsel des einst größten Hotels in Vorarlberg ist meiner Ansicht nach schon ein Kulturgut. Ich habe die Geschichte über die touristischen Anfänge am Bödele im Jänner 2021 verfasst und empfehle ihnen, diesen Beitrag zur Einstimmung zu lesen.


Das Bödele - Sehnsuchtsort für reiche Textiler.




 

Nun aber zur Familie Fetz aus Schwarzenberg, die als gastronomische Pioniere auf dem Bödele der Nachkriegszeit gelten.


Albert Fetz, geb. 1911 stammte aus dem Gasthof zum Lamm in Schwarzenberg, der ab den 1920er Jahren bereits Schäfle genannt wurde. Wohl eines der einzigen 5-geschossigen Gebäude im Bregenzerwald in der Gründerzeit.


Die Familie Fetz (Schäufleweorts).

Rudolf, Franz, Hedwig, Vater Josef-Franz, Mutter Katharina, Elisabeth, Maria, Albert, Anton.


 

Bereits 1931 nahm Albert Fetz an der Tiroler- und Vorarlberger Landesmeisterschaft teil.


Dieses zeitgeschichtliche Dokument erster Güte ist in Besitz von Franz Fetz und ist absolut lesenswert.


Albert Fetz hat 1932 die staatliche Schilehrerprüfung absolviert.


Danach arbeitete er als Schilehrer in Südtirol, Arosa und in Oberlech.


Schäflewirts Albert war Alpinist und Schilehrer, später Schilift Pionier und Wirt.


 

Musik anklicken und weiterschmökern.

 

Gemeindeblatt 2.10.1935


Schwarzenberg war in dieser Zeit ein typisches Bregenzerwälder Dorf, geprägt von Viehzucht und Landwirtschaft.


Gemeindeblatt 27.2.1938


 

Noch vor dem Anschluss an das Großdeutsche Reich hatte Albert Fetz von seiner Tante den Gasthof Hirschen in Schwarzenberg gepachtet.



 

Nach dem Anschluss an Hitler-Deutschland trat Albert Fetz der N.S.D.A.P. bei und wurde Ortsvorsteher in Schwarzenberg.


Wie fast alle Österreicher damals, sehnte sich auch Albert Fetz nach dem ungerechten Versailler Vertrag, der Hyper Inflation und der Weltwirtschaftskrise, den turbulenten Zeiten im Ständestaat in den 30er Jahren und der hohen Arbeitslosigkeit nach System und Ordnung. Ausserdem war er nun Wirt und sah natürlich seine Chance in der neuen Zeit.


 
 

Gemeindeblatt 5.2.1939



Während dieser Zeit verliebte er sich in Gertraud Barbara Metzler geb. 1922 aus Schwarzenberg.


Gertraud Metzler besuchte zuvor das Institut St. Josef in Feldkirch.

(hintere Reihe 3. von rechts).


Das Elternhaus von Gertraud, Schwarzenberg, Hof 452.


Gertraud stammte aus der musischen Familie des Schulleiters Adolf Metzler und seiner Gattin Elisabeth. Adolf Metzler war seit 1910 Organist und Chorleiter und er war Kapellmeister in Schwarzenberg.


So war es naheliegend, dass Gertraud in den Gasthof zur Post in Bezau geschickt wurde, um ihre Kochkenntisse zu verfeinern. Die befreundeten Familien sollen ein wachsames Auge auf die beiden gehabt haben, als Albert in Bezau 'zur Schtubat' ging.


Gasthof Post Bezau


 

1943 trat Albert Fetz enttäuscht aus der N.S.D.A.P. aus und quittierte das Amt als Gemeindevorsteher. Dafür wurde er sofort an die Ostfront versetzt und versah seinen Kriegsdienst in Minsk in Weissrussland.


Ohne die NS Zeit näher zu beleuchten, muss man wissen, dass nur durch die Hartnäckigkeit und die guten Kontakte von Ortsvorsteher Albert Fetz das Bödele heute noch zur Gemeinde Schwarzenberg gehört und nicht zur Stadt Dornbirn. Das war vermutlich sein grösster Verdienst an der Gemeinde.

 

Der offizielle Pachtvertrag mit den Hirschenbesitzern wurde 1943 unterschrieben.


 
 

Im August 1945 haben Albert Fetz und Gertraud Metzler geheiratet.


Die Hochzeitsgesellschaft auf der Hirschenstiege.


Die Hochzeitsreise ging ins Sporthotel Körbersee, Schröcken.



Nun waren sie also verheiratet. Der naturverliebte Draufgänger Albert und die künstlerisch-orientierte Gertraud. Sie soll auf der Braunarl und auf dem Widderstein furchtbare Höhenangst gelitten haben. Aber Gegensätzen ziehen sich ja bekanntlich an.


 

Der Gasthof zum Hirschen war später ab 1952 im Besitz von Albert Fetz.


Prospekt aus der Zeit.


1946 kam Sohn Franz zur Welt.


 

Ein Traum von Albert Fetz war vom Schwarzenberger Zentrum einen Schilift aufs Hochälpele bauen zu lassen. Er wusste sehr wohl, dass er damit die längste und schönste Schiabfahrt im Bregenzerwald erschliessen würde.


Zuerst liessen Albert Fetz und Josef Bär einen Schlittenpendellift vom Unterkaltenberg auf die Berghalde bauen. Dieser ging 1947 in Betrieb.



Der Schlitten bot ca. 12 Personen Platz.


 

Gemeindeblatt 1.2.1948


 

1948 kam Sohn Peter zur Welt.


Für jeden Sohn einen neuen Schilift, könnte man meinen.

 

1948 gab es fertige Pläne mit einem Angebot der Firma Karl Doppelmayr (Cousin von Emil Doppermayr) aus Hard einen kuppelbaren, Einseil - Umlauf - Sessellift, beginnend neben dem Stadel vom Gasthof Schäfle bis zur Halde (Höhe heutiges Haldenstüble) zu errichten.


Das Seil wurde schon geliefert, als sich Stimmen von Grundbesitzern und nicht zuletzt von der Obrigkeit der Kirche gegen das Projekt aussprachen. Der Lift wurde nie gebaut.

 

Noch während des 2. Weltkriege forcierte die Stadt Dornbirn die Idee, ein KdF Hotel mit 200 bis 250 Betten zu bauen. KdF (Kraft durch Freude) war die mächtige Freizeitorganinsation im Dritten Reich. Vier Planvarianten wurden von Gauleiter Hofer abgelehnt.


Daraufhin gründete die Stadt Dornbirn mit Otto Hämmerle's Erben und der Mohrenbrauerei eine Gesellschaft. Während des Weltkrieges war aber an einen Bau nicht zu denken. Stattdessen wurde im Haus des Verwalters Franz Karl Feuerstein ein Gasthaus eingerichtet und das Gasthaus auf der Lose wurde als Übergangslösung eingerichtet.


 
 

Nach dem Krieg wurde auch der Verkehrsverein in die Alpenhotel Bödele Ges m.b.H aufgenommen. Nun kaufte man das ehemalige Landhaus von Otto Hämmerle. Die Stadt Dornbirn war nun Mehrheitseigentümer der Alpenhotel Bödele Ges.m.b.H und bestimmte über das Areal der Brandruine am Bödele.



Es gab verschiedene Planvarianten an diesem Haus eine Hotel Trakt anzubauen.


Ausserdem baute man in diesem Sommer den ersten Schlepplift am Bödele - den Lanklift.

 

Dieses Inserat hat wohl der jungen Familie Fetz eine entscheidende Richtung gegeben.

Dornbirn Gemeindeblatt 28.5.1950


Albert Fetz erkannte die Zeichen der Zeit und bekam unter vielen Bewerbern den Zuschlag als Pächter des stattlichen Gasthauses am Bödele.


Damals war das Bödele im Winter von Schwarzenberg aus nicht mit dem Auto erreichbar.

Der Hirschen wurde an Irma Natter verpachtet.


 

Peter und Franz Fetz.


Albert und Gertraud Fetz eröffneten das Gasthaus Bödele am Stefanstag 1950.


Gertraud war in der Küche und Albert bei den Gästen.

 

Ein Artikel von Max Moosbrugger aus Bersbuch.


Vorarlberger Nachrichten 30.12.1950


 

Das notdürftige Gasthaus auf der Lose blieb weiterhin Betrieb. Gut zu sehen daneben die Brandruine des späteren Felsenkellers.


 

Vorarlberger Nachrichten 13.1.1951


 

Am 28.1.1951 wurde der Lanklift eröffnet.


Eröffnung durch Dornbirn's Bürgermeister Günther Anton Moosbrugger.


Günther Anton Moosbrugger mit Pfarrer Weber.


Ab sofort war das Verkehrschaos auf dem Bödele vorprogrammiert.

 

Vorarlberger Nachrichten 11.6.1951


 

1951/1952 wurde beim Gasthaus am Bödele angebaut und das Alpenhotel Bödele errichtet.


Das bestehende Gebäude wurde unterkellert.


 

Franz Fetz.


Im Herbst 1951 musste Franz Fetz vom Bödele nach Schwarzenberg zur Schule. Hinunter brauchte er rennend meist 20 Minuten. Hinauf ist er mit dem Bus gefahren, bis der erste Schnee kam. Später hat man sich geeinigt, dass er wochentags bei seinen Großeltern in Schwarzenberg wohnen durfte.

 
 

Dornbirner Gemeindeblatt 20.1.1952


 

Vorarlberger Nachrichten 22.12.1952


Pünktlich zur Wintersaison präsentierte sich der neue Betrieb mit 32 Betten, Bad oder Dusche und einem vorgelagerten, ebenerdigen Saal. Zusammen mit dem Gasthaus hatte man nun 42 Betten. Auch das bestehende Gasthaus wurde modernisiert.




Es gab Gäste, die das Bad nicht wollten, dann hat man es einfach abgesperrt.


Speisesaal mit Bar.


Das Gästebuch.


 

Die Strassenanbindung von beiden Seiten auf das Bödele wurde zum ernsthaften Problem.


Vorarlberger Nachrichten 5.1.1953



Vorarlberger Nachrichten 6.1.1953


Im Winter 1953 wurde der Verkehr aufs Bödele reglementiert und nur Busse der damaligen Kraftpost durften verkehren.



 


 

Franz Fetz.


 

Der erste Prospekt des Alpenhotels Bödele.


 

1952 kam Tochter Barbara zur Welt.


 
 

Dornbirner Gemeindeblatt 18.1.1953



Vorarlberger Nachrichten 7.3.1953


 

1953 haben Irma Natter und Hubert Denz geheiratet. Danach stelle Albert Fetz für den Hirschen eine Geschäftsführung ein.


Bregenzerwald Prospekt mit Hubert Denz.


 

Aus dem Gästebuch. Die Gäste des Lustenauer Stickers Scheffknecht aus Nigeria waren eine Sensation auf dem Bödele.


Albert Fetz (links) mit Gästen und Mitarbeitern.


 

Der Moorsee auf dem Bödele.


 

Das Alpenhotel Bödele richtete unzählige Hochzeiten aus. Die Stadt Dornbirn lud zu Empfängen in der Messezeit. Bei grossen Sportveranstaltungen gab es Empfänge auf dem Bödele. Im Frühjahr und Herbst tagten über viele Jahre die Vorarlberger Akademiker, die Vorarlberger Hauptschullehrer hielten Englisch Seminare usw.


 

Dornbirner Gemeindeblatt 29.11.1953



 
 

Dornbirner Gemeindeblatt 24.1.1954




 

Aus dem Gästebuch.


 

Barbara und Peter Fetz.


 

1954 im Juli besuchen Bundespräsident Theodor Körner und Landeshauptmann Ulrich Illg im Rahmen der Fespieleröffnung das Alpenhotel Bödele.



Tischansprache von Ulrich Illg.


 

Das 'Gummiwägele' hiess Lux. Damit hat man den wöchentlichen Abfall beim Tunnel im Graben entsorgt. Franz, unbekannt, Barbara, Peter.


 


Dornbirner Gemeindeblatt 16.1.1955


Aus dem Gästebuch



Dornbirner Gemeindeblatt 6.2.1955


 


Aus dem Gästebuch.


 

Barbara, Peter und Franz Fetz.


Aus dem Gästebuch


 

Die Familie Fetz bei Peter's Erstkommunion.


Kellnerinnen im Alpenhotel Bödele.


 

1955 konnte Alpenhotel Bödele Ges.m.b.H. das angrenzende Luisenheim von Guido Hämmerle erwerben. Dadurch wurde die Bettenkapazität um 18 Betten erhöht.


 
 


Barbara, Peter und Franz Fetz.


 

Aus dem Gästebuch. Gäste aus Deutsch-Süd-West-Afrika.


 

Gertraud Fetz mit Tochter Barbara auf der Hirschenstiege in Schwarzenberg.


Vorarlberger Nachrichten 8.10.1955


 

1955 wollte Josef Bär den Lift am Unterkaltenberg über das Bergle hinauf verlängern. Der bestehende Schlittenlift konnte nicht verlängert werden.


Deshalb wurde ein neuer Schlepplift vom Haus Geroldsegg 250 bis auf das Bergle entlang des Lindenbaches von Ing. Hans Felder aus Egg erbaut.


Schlepplift Schöner Hang.



Josef Zündel, Walter Steurer, Brunhilde Vögel um 1960.


Walter Bär, Albert Feurstein, Franz Peter, Elisabeth Hagen, Alois Metzler, hinten Gertrud Bär um 1967.


 


Aus dem Gästebuch.



 


 

Die Bödele Kinder hoch zu Ross mit Fuhrmann 'Oalfar'.


Peter und Barbara Fetz.


 

Gemeindeblatt 15.7.1956



 

Feldmesse auf dem Bödele.


 

Nun musste Franz Fetz ins Internat in die Mehrerau. Schon der riesengrosse Schlafsaal war für den schüchternen Buben ein Greuel. Die Züchtigungen mit dem Haselnussstecken taten ein Übriges. Als er die zweite Klasse im Gymnasium negativ abschloss, wurde er von den Eltern erlöst. Fortan besuchte er die Hauptschule Dornbirn-Markt.

 
 

Vorarlberger Nachrichten 3.1.1957



Aus dem Gästebuch.


 


Aus dem Gästebuch.


Aus dem Gästebuch.


 

Ein schneereicher Winter 1957.


Erstmals veranstaltete der Schiverein Dornbirn seit 1952 zum Saisonsabschluss kein Krokusfest. Zu lange hatte der Winter gedauert. Der Saal im Alpenhotel wurde stattdessen mit Tannenzweigen dekoriert.

 

Am 1. Mai 1957 pachteten die zwei 'Rösle' den Hirschen. Rosa Lässer aus Hittisau und Rosa Iselor aus Schwarzenberg.

 

Am 11. Juli 1957 gab es ein starkes Schlagwetter im Raum Schwarzach - Bödele - Schwarzenberg. Allein in Schwarzenberg gab es über 100 Vermurungen. Die Bödelestrasse auf beiden Seiten wurde arg in Mitleidenschaft gezogen.

 

Aus dem Gästebuch.